Rentner droht mit Schusswaffen: In einem kuriosen Gerichtsfall hat das Amtsgericht Gelnhausen einen 96-Jährigen verurteilt. Symbolfoto: Rupert B./pixabay

Gelnhausen/Freigericht

Amtsgericht verurteilt 96-Jährigen nach Drohanruf

Gelnhausen/Freigericht. „Ich werde euch alle erschießen!“ Diese telefonische Drohung ging im Januar 2018 im Dialysezentrum Hanau ein. Der Anrufer war ein Mann aus Freigericht, der verhindern wollte, dass seine Tochter in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird. Wenig später stürmte die Polizei die Wohnung und fand Waffen.

von Andreas ZiegertJetzt sitzt der Mann auf der Anklagebank des Amtsgerichts Gelnhausen und dabei überrascht vor allem sein Alter – er ist inzwischen 96 Jahre alt.

Der rüstige Rentner hat allerdings keine Probleme, der Verhandlung zu folgen und räumt die Bedrohung gleich ein. Allerdings sei dies keinesfalls ernst gemeint gewesen, vielmehr habe er sich in einem psychischen Ausnahmezustand aufgrund der chronischen Krankheit seiner Tochter befunden.

Kurz nach der Drohung rief noch einmal im Dialysezentrum in Hanau an. „Es war so eine Art Entschuldigung“, sagt einer der Ärzte vor Gericht aus.

Tatsächlicher Besitz von Waffen

Die Polizei war da aber bereits informiert und hatte auch schnell rausgefunden, dass der 96-Jährige als ehemaliger Jäger tatsächlich im Besitz von Waffen sein könnte. Schon ein Jahr zuvor war gegen ihn wegen Bedrohung ermittelt worden, damals hatte er angekündigt: „Falls die Polizei die Tür öffnet, passiert etwas.“

Nach seiner Ankündigung, alle Waffen abzugeben, wurde dieses Verfahren gegen ihn eingestellt. Aber: Zwei Waffen waren angeblich verschwunden. Eine eidesstattliche Versicherung über den Verbleib von Pistole und Flinte musste er bei der Kreiswaffenbehörde allerdings nicht abgeben, was wiederum Oberamtsanwältin Birgit Seifert-Schmid von der Staatsanwaltschaft Hanau wunderte: „Sogar beim Verlust eines Führerscheins wird das immer verlangt.“

Als die Polizei am 4. Januar 2018 auftauchte wurde er von den Beamten vorläufig festgenommen. Nach einer Nacht im Gewahrsam verriet er, wo sich die beiden Waffen befanden: Eine Pistole hatte er in ‧einem verschlossenen Nachtschränkchen aufbewahrt, eine Flinte im Wohnzimmerschrank versteckt.

Munition in der Wohnung sichergestellt

„Ohne seine Mithilfe hätten wir das Gewehr vermutlich nicht gefunden“, so ein Kripobeamter. Reichlich Munition stellte die Polizei bereits direkt nach der Festnahme in der Wohnung sicher.

In der Verhandlung blieb er bei seiner Überzeugung, dass es sich bei Flinte und Pistole um Dekorationsstücke handele, für die er einen Käufer gesucht habe. „Ich bin kein Waffennarr“, sagt der 96-Jährige, der zum ersten Mal vor Gericht stand.

Wegen versuchter Nötigung und vorsätzlichem unerlaubten Besitz von Schusswaffen und Munition wurde er zu einer Geldstrafe von 2250 Euro verurteilt.

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