Insgesamt 249 Revolver und Pistolen sind in einem Jahr beim Kreis gesammelt worden. Symbolfoto: Pixabay

Main-Kinzig-Kreis

Amnestie-Bilanz: 448 Waffen in einem Jahr eingesammelt

Main-Kinzig-Kreis. Von der Möglichkeit, ohne Strafe illegale Schusswaffen loszuwerden, haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Menschen der Region Gebrauch gemacht. Statistischer Durchschnitt: Täglich sind mindestens ein bis zwei Waffen abgeliefert worden. Es war bereits die zweite bundesweite Amnestie nach 2009.

Von Thorsten Becker

So sind erstaunlich viele Pistolen, Revolver und Gewehre abgegeben worden, wie die Waffenbehörde des Kreises auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. „In der Zeit der Amnestie vom 6. Juli 2017 bis 30. Juni 2018 sind das insgesamt 448 Waffen gewesen“, sagte Kreispressesprecher John Karsten Mewes. Dabei handelte es sich um 199 Lang- sowie 249 Kurzwaffen.

Den Schritt aus der Illegalität wagten dabei die Besitzer von insgesamt 77 Gewehren und Pistolen/Revolver, die bislang nicht registriert waren. „Dabei handelt es sich häufig um Waffen, die bereits vor 1970 im Besitz waren und damals nicht angemeldet worden sind“, erklärt Mewes.

Manche Waffen waren früher freierwerblich

Was vor der Vernichtung in den Tresoren des Kreisordnungsamts eingelagert wurde, kommt dabei jedoch nicht aus dem Bereich der Schwerkriminalität. „Viele dieser Waffen waren früher frei zu erwerben, manche stammen noch aus dem Zweiten Weltkrieg“, so Mewes weiter.

Meist hätten die Kommunen dann direkt an das ‧Kreisordnungsamt und die Waffenabteilung in Linsen‧gericht verwiesen. „Die meisten dieser Waffen sind direkt bei uns eingeliefert worden.“

Vor Vernichtung wird überprüft, ob Straftaten vorliegen

Oft sei es vorgekommen, dass beispielsweise Karabiner aus Nachlässen stammten: Erben haben die Schießeisen auf dem Dachboden gefunden. Bevor sie eingeschmolzen werden, überprüfen Experten des Hessischen Landeskriminalamts (HLKA) jedoch, ob mit den Waffen Straftaten begangen worden sind.

Immerhin ist nun die Zahl der Schießeisen etwas verringert worden. Insider der Polizei sehen aber immer noch das Problem, dass „viel zu viele Waffen illegal im Umlauf sind“. „Das dürfte kein Geheimnis sein: Derjenige, der Böses im Schilde führt, wird selbst durch solch eine Amnestie nicht zur Polizei gehen“, so ein Experte.

Zweite Aktion nac 2009

Es ist bereits das zweite Mal, dass bundesweit eine solche Aktion lief. 2009 waren in ganz Deutschland insgesamt rund 200 000 Waffen abgegeben worden, ein Viertel davon waren illegal. Zu der Waffenamnestie war es unter dem Eindruck des Amoklaufs von Winnenden (Baden-Württemberg) gekommen. Ein 17-Jähriger hatte in seiner früheren Realschule bei Stuttgart und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst gerichtet.

Seitdem sind die Waffengesetze mehrfach verschärft worden. Seit einigen Jahren gilt das auch für „Anscheinswaffen“. Dabei handelt es sich meist um Schreckschuss-, Gas- oder Feuerwerkspistolen, deren Besitz weiterhin legal ist. Verboten ist jedoch das Mitführen in der Öffentlichkeit.

Verstoß kann teuer werden

Wer Schreckschusswaffen außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume oder des Grundstücks bei sich trägt, benötigt einen „Kleinen Waffenschein“.

Bereits ein Verstoß gegen diese Regel kann teuer werden. „Wer gegen diese Vorgaben des Waffengesetzes verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bis zu 10 000 Euro geahndet werden kann“, erklärt Mewes die Rechtslage.

Es kann sogar Freiheitsentzug drohen

Noch drastischer sind die Strafen, wenn es sich um echte Schusswaffen handelt. Wer diese illegal kauft, besitzt, mit sich führt oder anderen überlässt, muss mit Freiheitsstrafen zwischen einem und drei, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren rechnen. Fahrlässigkeit wird mit Geld- oder Haftstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.

Was passiert, wenn ab sofort „Dachbodenfunde“ auftauchen, ist eine rechtliche Grauzone. „Sollten jetzt noch unregistrierte, also illegale Waffen abgegeben werden, so ist im Einzelfall zu prüfen, wie das einzuordnen ist“, so Mewes.

Kontakt zur Polizei bei Waffenfunden

Wie Polizeipressesprecherin Andrea Ackermann berichtet, ist es auch weiterhin möglich, „Waffenfunde“ auf ganz legalem Weg loszuwerden. „In einem solchen Fall sollten die Bürger umgehend die nächste Wache informieren“, rät die Hauptkommissarin. Keinesfalls dürfe die Waffe ins Auto geladen und zur Polizei gebracht werden – dann könnte es zu Problemen kommen, weil dann eine illegale Waffe ohne Erlaubnis in der Öffentlichkeit geführt werde. „Unsere Kollegen sind rund um die Uhr da“, betont Ackermann.

Antworten zum Thema illegale Waffen gibt es bei jeder Polizeidienststelle sowie beim Kreisordnungsamt, Abteilung Waffenwesen, die auf der Homepage des Kreises eine Übersicht zusammengestellt hat und unter der E-Mail waffenwesen@mkk.de erreichbar ist.www.mkk.de

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