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Alexander Shorokhoff ist der Herr der tickenden Kunstwerke

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Erst Architekt und Baudesigner, seit 25 Jahren Uhren-Designer: Alexander Shorokhoff. Foto: Schreiber
Erst Architekt und Baudesigner, seit 25 Jahren Uhren-Designer: Alexander Shorokhoff. Foto: Schreiber

Alzenau. Es herrscht eine besinnliche Ruhe in der Hanauer Straße 25 im Herzen Alzenaus. Die Menschen, die dort arbeiten, brauchen diese Ruhe. Es sind Uhrmacher und Graveure. Spezialisten ihres Fachs. Sie bauen Designer-Uhren. Seit diesem September nun seit 25 Jahren. In der Manufaktur von Alexander Shorokhoff.

Von Jürgen Overhoff ï»¿Unscheinbar liegt das Backsteingebäude an der Alzenauer Geschäftsstraße. Von außen deutet nichts hin auf Uhrmacherei. Ein Hinweisschild führt den Besucher in den Hof des Anwesens. Von dort geht es durch ein Treppenhaus in die Werkstatt. Publikumsverkehr gibt es nicht

„Uhrmacher müssen Ruhe haben“, sagt Shorokhoff. Nur beim Tag der offenen Tür zweimal pro Jahr können Besucher die Produktionsstätte in Augenschein nehmen. 400 Interessierte, ist Shorokhoff stolz, nutzten jedes Mal die Gelegenheit.Nicht wenige AuszeichnungenSie begegnen dort tickenden Kunstwerken. Auf dem Zeichenpapier entworfen von Shorokhoff, dann von Spezialisten in der Werkstatt realisiert. Nicht wenige erhielten Auszeichnungen. Wurden etwa für den German Design Award nominiert.

Aufwendig gearbeitet sind die Uhren. Spezielle Polituren, Gravuren, Vergoldungen von Brücken, Einsatz von gebläuten Schrauben, Glasböden, die den Blick freigeben auf die Mechanik des Uhrwerks. Auch komplett skelettierte, also von beiden Seiten freigelegte Arbeiten.Drei Kollektionen seit 2003Dazu: Ziffernblätter – teils expressionistisch in der Farb- und Formensprache, teils avantgardistisch. Bis zu zehn Tage, erklärt Shorokhoff, dauert es, bis ein Uhrwerk in seine Einzelteile zerlegt und in neuem Design Shorokhoffs wieder montiert ist.

Drei Kollektionen hat Shorokhoff seit 2003 kreiert. Sie heißen Heritage, Avantgarde und Vintage. Viele Arbeiten erinnern an die russischen Wurzeln ihres Schöpfers und sind dem Komponisten Peter Tschaikowski, dem Schriftsteller Fjodor Dostojewski oder dem Nationaldichter Alexander Puschkin gewidmet.Hergekommen, um freie Marktwirtschaft kennenzulernenWieder andere erinnern an den Maler Wassily Kandinsky oder an den Astronauten Alexej Leonov. Auch seiner selbst gewählten Heimatstadt hat der 57-Jährige einen Zeitmesser gewidmet. Er entstand 2010 in limitierter Auflage anlässlich des 610. Stadtjubiläums und heißt schlicht „Alzenau“.

Dort lebt der aus Moskau stammende Russe seit vielen Jahren mit seiner Familie. Nach Deutschland kam er 1992. Als studierter Architekt und Bau-Ingenieur gehörte er zu einer Gruppe von 20 jungen Akademikern, die Michail Gorbatschow, der damalige Präsident der Sowjetunion, in Kooperation mit dem hessischen Wirtschaftsministerium und anderen großen Unternehmen auserkoren hatte, in Deutschland die freie Marktwirtschaft kennenzulernen.Nur wenig am Hut mit UhrenMit Uhren, erinnert sich Shorokhoff, habe er zu jener Zeit wenig am Hut gehabt. Aber mit Architektur, Technik, Design. Dennoch: Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren gründet Shorokhoff in Frankfurt eine Vertriebsfirma für die russische Uhrenmarke Poljot.

Er hat Erfolg. Schon 1994 vermarktet er nicht mehr nur Poljot-Uhren, sondern wird selbst als Designer kreativ. Unter dem Namen Poljot-International bringt er seine erste eigene Kollektion auf den Markt. Er bleibt in der Erfolgsspur. 1996 präsentiert er seine Kollektion auf der internationalen Uhren- und Schmuckmesse in Basel.Keine Grenzen nach obenDie Zahl der Juweliere, die seine Zeitmesser vertreiben, wird größer. Gleichermaßen vergrößert er seine Werkstatt und zieht nach Kahl. Fünf Jahre später platzt auch die Werkstatt dort aus allen Nähten. Er zieht nach Alzenau. Dort etabliert er 2002 die Marke Alexander Shorokhoff.

15 Mitarbeiter sind unterdessen in der Manufaktur beschäftigt. Sie fertigen laut Shorokhoff rund 1500 Uhren pro Jahr. Preislich, so der Unternehmer, begännen sie bei etwa 1200 Euro. Nach oben gebe es keine Grenzen. Er habe Modelle für bis zu 50 000 Euro im Angebot.Weltweiter VerkaufShorokhoff vertreibt seine Kreationen weltweit: Um die 30 Juweliere führen seine Kollektionen – von London bis Kuala Lumpur.

In Alzenau indes hat er auf der Homepage der Manufaktur nur ein Online-Shop mit kleinerer Auswahl geöffnet. Ansonsten ist es still.

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