Langenselbold im Boom: Nun sollen weitere 27 Hektar Gewerbeansiedlungen zur Verfügung gestellt werden.Foto: Häsler
+
Langenselbold und Erlensee wollen gemeinsam ein Mittelzentrum werden.

Erlensee und Langenselbold

„Wir bleiben weiterhin am Ball“: Politiker kämpfen für Status als Mittelzentrum

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
    schließen
  • Lars-Erik Gerth
    Lars-Erik Gerth
    schließen

Dass das Ansinnen der Gründaustadt, gemeinsam mit Erlensee kooperierendes Mittelzentrum zu werden, keine Berücksichtigung bei den Änderungen des Landesentwicklungsplans gefunden hat (siehe LZ vom 20. November), kam für Bürgermeister Timo Greuel (SPD) nicht überraschend.

Langenselbold/Erlensee - „Die Signale, die ich in den letzten Wochen und Monaten zu diesem Thema aus Wiesbaden erhalten habe, deuteten bereits darauf hin, dass es mit einer Aufwertung zum Mittelzentrum sehr schwierig werden dürfte“, so Greuel, der diesbezüglich im Kontakt mit den aus dem Main-Kinzig-Kreis kommenden Landtagsabgeordneten Christoph Degen (SPD) und Heiko Kasseckert (CDU) stand.

So habe Greuels Parteifreund Degen eine sogenannte Kleine Anfrage an den zuständigen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) gestellt, um zu erfahren, wie es um die Chancen von Selbold und Erlensee steht, kooperierendes Mittelzentrum zu werden. „Aus den Antworten des Ministers konnte man bereits entnehmen, dass die Bereitschaft, Grundzentren zu Mittelzentren aufzuwerten, derzeit eher nicht gegeben ist“, stellt der Selbolder Bürgermeister nüchtern fest.

Timo Greuel (SPD)

So habe Al-Wazir unter anderem auf eine von der Hessen Agentur durchgeführten Erreichbarkeitsanalyse verwiesen, wonach hinsichtlich der Erreichbarkeit mittelzentraler Einrichtungen für die Bevölkerung keine grundlegenden Versorgungslücken bestünden, die eine Aufstockung eines Grundzentrums zum Mittelzentrum nahelegten. „Grob gesagt hat Al-Wazir in seinen Antworten ausgeführt, dass Hessen derzeit genügend Mittelzentren habe und keine Aufstufungen von Grund- zu Mittelzentren vorgesehene seien“, so Selbolds Stadtoberhaupt. Dies spiegele sich nun auch in den Änderungen im Landesentwicklungsplan (LEP) wider, die keine zusätzlichen Aufwertungen beinhalten.

Laut Al-Wazir seien in Hessen bereits 25 Prozent aller Kommunen als Mittelzentren festgelegt. Im bundesweiten Durchschnitt würden hingegen momentan nur neun Prozent aller Städte und Gemeinden als Mittelzentren ausgewiesen. Auch dieser Vergleich diente dem Minister als Grundlage, um im LEP 2020 auf die Heraufstufung von Unter- zu weiteren Mittelzentren zu verzichten.

„Die Nichtberücksichtigung ist ärgerlich, und ich teile das Unverständnis von Landrat Thorsten Stolz über diese Entscheidung, denn sowohl Erlensee als auch Langenselbold sind prosperierende Kommunen im Verdichtungsraum vor den Toren Frankfurts, und gemeinsam bringen wir die Voraussetzungen unter anderem mit 30 000 Einwohnern mit, um ein kooperierendes Mittelzentrum zu werden“, teilt Greuel die Aussagen des Landrats, der auch bereits angekündigt hat, die Entscheidung aus Wiesbaden nicht auf sich beruhen zu lassen.

Bürgermeister Langenselbold

Der Bürgermeister stellte auch klar, dass Langenselbold unabhängig von der erfolgten Nichtberücksichtigung weiter am Ball bleiben und das Thema weiterverfolgen werde. „Auch wenn wir jetzt noch kein gemeinsames Mittelzentrum werden, bleiben wir natürlich in enger Verbindung mit den Verantwortlichen in Erlensee um Bürgermeister Stefan Erb. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, die Voraussetzungen weiter zu verbessern, um es dann beim nächsten Anlauf zu schaffen. Unser Ziel bleibt es, kooperierendes Mittelzentrum zu werden“, streicht Greuel heraus.

Sein Parteifreund Erb sieht dies genauso. Mit der nun nicht erfolgten Aufwertung von Selbold und Erlensee sei „aber kein Zug abgefahren“, so Erlensees Stadtoberhaupt gestern im Gespräch mit der LZ. Ein Antrag auf Einordnung als Mittelzentrum in Kooperation könne jederzeit von beiden Kommunen gestellt werden. Erb will – genauso wie Greuel – in den nächsten Jahren nicht locker lassen. Immerhin hängen an der Einstufung als Unter- oder Mittelzentrum die jeweiligen finanziellen Zuweisungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich.

Obwohl in der Begründung des Ministeriums keine überregionale Funktion von Erlensee und Selbold gesehen wird, bleibt Erb optimistisch. Schließlich sei erst durch diesen neuen Landesentwicklungsplan die Idee von weiteren Arten von Mittelzentren entstanden. So erst hätten Langenselbold und Erlensee die Möglichkeit, die neue Einstufung „Mittelzentren in Kooperation“ anzustreben. Erb stellt entsprechend klar: „Alleine hätten wir uns nicht dafür beworben.“ Allerdings kritisiert das Stadtoberhaupt, dass die Ausweisung der neuen Mittelzentren sehr restriktiv gehandhabt werde. „Das passt nicht zusammen“, so Erlensees Stadtoberhaupt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema