Langenselbold blüht auf: Mohnblumen auf einem Pflanzstreifen an der Hanauer Straße. Foto: Axel Häsler

Langenselbold

"Wildblumen für alle" - Stadtbiologe bereitet Aktion für 2020 vor

Langenselbold. „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken.“ Dieses schöne Sprachbild kreierte Carlo Carlo Karges (1951 bis 2002), Musiker und Gitarrist der Nena Band. Kann man Schmetterlinge mit Guerilla-Gärtnern glücklicher machen?

Von Torsten Kleinerüschkamp

Mal schnell eine Samenbombe platzen lassen in einen trist aussehenden kommunalen Trog?

„Da kann man aber lang warten, da wächst nichts“, weiß Matthias Wissel. Der Langenselbolder Stadtbiologe schüttelt den Kopf. Um die Wildblumensamen zum Keimen zu bringen, muss man vorher erst einmal in die Hände spucken und schwitzen. „Ohne richtiges Saatbeet funktioniert da nichts“, sagt er.

Lockerer Boden

Die Mitarbeiter des Langenselbolder Bauhofes machen es derzeit an mehreren Stellen im Stadtgebiet vor. Das heißt: Der Boden wird sorgfältig durchgefräst. Ohne aufgelockerter Krume zeigen sich Kamille, Mohn, Ferkelkraut, Günsel und Storchenschnabel schnäubig. Irgendwie muss der Samen ja in die Erde kommen. Meistens ist die Oberfläche betonhart.

Mit Guerilla Gardening haben die Stadtgärtner aber nichts am Hut, schon gar nicht säen sie heimlich Pflanzen als subtiles Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum, wie dieses Rebellentum gemeinhin soziologisch definiert wird.

Ständige Pflege

Die Städtgärtner sind ganz offiziell unterwegs. Seit einigen Jahren wertet die Stadt Grünflächen mit heimischen Wildblumen und -kräutern auf. Dies fördert nicht nur die Biodiversität, sondern erfreut auch das Auge.

Leider ist es in der von Menschen kultivierten Natur so, dass sie ständig Pflege braucht. So müssen die städtischen Wildblumenflächen jedes Jahr neu beackert werden. Ein Teil der Pflanzen ist nicht mehrjährig. Also heißt es, fleißig nachsäen.

Kostenlose Samen

Seit 2015 beackert die Stadt Flächen in der Nähe der Imker auf dem Areal „Am Grauen Floß“, an der Hanauer Straße, an der Niedergründauer Straße und neuerdings auch in der Nachbarschaft des ehemaligen jüdischen Friedhofs in der Gründau-Aue. Rücken die Bauhofmitarbeiter ab, präsentiert sich da eine Fläche, die wie ein frisch gepflügter Acker anmutet.

Im kommenden Jahr wird noch eine Schippe draufgelegt. Wildblumensamen werden kostenlos an Langenselbolder Bürger ausgegeben. „Wir haben so etwas ähnliches schon mal mit Obstbäumen gemacht“, sagt der Biologe.

Kleine Beutelchen zum Pflanzen

Die Stadtverordnetenversammlung hat mehrheitlich beschlossen, 1500 Euro im Haushalt für das Jahr 2020 bereitzustellen, um Wildblumensaat zu kaufen für die Ausgabe an privat. Die Aktion muss noch geplant werden. „Es wird kleine Beutelchen geben“, schätzt Wissel. Und weil die Anzucht nicht so ganz einfach ist, soll es zum Beutelchen auch eine Anleitung geben, damit das Saatgut auch aufgeht.

Einschränkend fügt Wissel hinzu: Wildblumenmischungen sind im Einkauf wesentlich teurer als konventionelles Saatgut. Es kommt aber auch auf eine Starthilfe an, Bürgern für ökologisch wertvolle Gärten zu begeistern.

Von Steingärten weg

Die neue Aktion soll in Langenselbold „Wildblumen für alle“ heißen. Sie schließt sich einem bundesweiten Trend an, um unter anderem eine artenreichere Fauna und Flora und ein besseres Kleinklima zu erhalten. Die Aussaat muss bis Juni erfolgen, weshalb es für die Organisation der Aktion in diesem Jahr zu spät war.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat unlängst vor „Gärten des Grauens“, monotonen Steinwüsten gewarnt, die besonders schlecht für die ökologische Vielfalt und das Klima in den Städten seien. „Steingärten bieten nicht nur keinen Lebensraum für Bienen und Insekten, sie wirken sich durch die aufgeheizten Steine im Sommer auch noch negativ auf das Stadtklima aus“, sagte die Naturschutzreferentin des Nabu, Ann-Sybil Kuckuk.

Begeistern für die Natur

In der Debatte solle es aber letztlich nicht nur um Verbote gehen, sondern darum, wieder mehr Menschen für die Natur zu begeistern, so Kuckuk weiter. Steingärten seien mitnichten pflegeleicht. Auch hier müssten regelmäßig Blätter aufgesammelt oder Unkraut und Moos entfernt werden.

Wie berichtet, nutzen Städte – wie Hanau und Fulda – die Aufstellung neuer Bebauungspläne, um Steingärten und Schotterflächen zu verbieten.

Das könnte Sie auch interessieren