Langenselbold

Wandern mit . . . SPD-Kandidat Timo Greuel

Langenselbold. „Wenn ich meinen Kirchturm sehe, dann geht es mir gut.“ Wir stehen mit Timo Greuel an einer Stelle auf dem Weinberg, von dem aus man einen guten Blick auf den Klosterberg hat. Und dort befinden sich nicht nur die nach dem Berg benannte Halle, das Rathaus und das Schloss, sondern ebenso die evangelische Kirche.

Von Lars-Erik Gerth

Dort wurde der 40-Jährige einst konfirmiert. Geboren wurde der SPD-Bürgermeisterkandidat im August 1979 allerdings nicht in Langenselbold, das auch heute noch ohne eigenes Krankenhaus auskommen muss. Und Hausgeburten gab es auch vor 40 Jahren nur noch im absoluten Notfall.

„Deshalb bin ich in Mainz zur Welt gekommen, weil meine Mutter von dort stammt“, erklärt Greuel beim Blick auf die an diesem Tag gut zu sehende Frankfurter Skyline die Wahl seiner Geburtsstadt. Vermutlich wäre es ihm lieber gewesen, wenn die Wahl seiner Eltern auf ein Krankenhaus in der Mainmetropole gefallen wäre, denn der amtierende Erste Stadtrat ist von Kindesbeinen an ein glühender Fan der Eintracht. So besitzt er eine Dauerkarte und verpasst – wenn es sein eng gestrickter Terminkalender denn zulässt – kein Heimspiel der SGE in Bundesliga und Europa League.

Verzicht auf das Waldstadion

In Zeiten von Bürgermeisterwahlkampf und Haushaltsverabschiedung, die immer im Dezember ansteht, muss der 40-Jährige allerdings auf den einen oder anderen Abstecher ins Waldstadion verzichten. Als Erster Stadtrat ist er in Selbold nämlich unter anderem für die städtischen Finanzen und damit für die Aufstellung des Haushalts zuständig. Als Kämmerer hatte er 2018, keine drei Monate nach Beginn seiner Amtszeit, gleich mit einer veritablen Hiobsbotschaft zu kämpfen. „Die Nachricht am Gründonnerstag, dass die Stadt Langenselbold rund 23 Millionen Euro an Gewerbesteuern zurückzahlen muss, war ein heftiger und völlig unerwarteter Schlag, der in Folge alles andere in den Hintergrund hat treten lassen“, erinnert sich Greuel an dieses einschneidende Ereignis.

Kaum im Amt, musste er sich als Krisenmanager beweisen. Ein Nachtragshaushalt mit Einschnitten bei den freiwilligen Leistungen und vor allem einer Anhebung des Grundsteuerhebesatzes von 550 auf die Rekordmarke von 685 Punkten wurde notwendig. Dass dieser Hebesatz im Zuge des Haushalts für 2020 nun sogar auf 530 Punkte wieder abgesenkt werden konnte, erfüllt den Ersten Stadtrat durchaus mit Stolz. Auch wenn dabei natürlich äußere Einflüsse wie bessere Planungsdaten zum Kommunalen Finanzausgleich aus Wiesbaden oder die Senkung von Kreis- und Schulumlage aus Gelnhausen wichtige Rollen spielten. Diese unerwartete Bewährungsprobe machte auch deutlich, dass der Diplom-Verwaltungswirt lösungsorientiert denkt, wie ein Problem am besten bewältigt werden kann. Zum Wohle von Langenselbold und seiner Bürger, wie Greuel gleich anfügt.

Denn das ihm seine Heimatstadt und deren Bürger am Herzen liegen, ist bei ihm kein Lippenbekenntnis. Hier ist er aufgewachsen, in die Kita und zur Schule gegangen. Und für seine Stadt engagiert er sich seit über 20 Jahren in der Kommunalpolitik. Seit 2003 saß Greuel in der Stadtverordnetenversammlung. Von 2008 bis 2017 an vorderster Front, als Vorsitzender der SPD-Fraktion. Dann endete die lange Oppositionszeit für die in Selbold einst dominierenden Sozialdemokraten. Sie lösten die Grünen als Koalitionspartei der CDU ab, und nun stand ihnen – nach der Abwahl des Grünen Gustav Schreiner – auch das Amt des Ersten Stadtrats zur Verfügung. Da griff Timo Greuel zu, sicher auch die Bürgermeisterwahl 2020 im Blick, da der beliebte Amtsinhaber Jörg Muth (CDU) schon frühzeitig angekündigt hatte, nicht noch ein drittes Mal antreten zu wollen.

Sehr gute Zusammenarbeit

Mit Muth arbeite er sehr gut zusammen, betont Greuel bei unserer Wanderung über den Weinberg, bei der wir auch am Gelände der Familie Wüllner vorbeikommen, wo die fünf Alpakas zu Hause sind. Dass die Wüllners vor allem Kindern die Möglichkeit geben, diese für unsere Gefilde seltenen Tiere zu besuchen, aber auch mit dem Kita-Nachwuchs Insektenhotels füllen und betreuen, findet der Vater einer zehnjährigen Tochter vorbildlich und eine tolle Sache. Lob gibt es aber auch für den Bürgermeister, der in seiner Amtszeit einiges bewegt und Langenselbold vorangebracht hat.

Greuel vergisst aber auch nicht, auf die Leistungen seiner Partei und der von ihr gestellten Bürgermeister hinzuweisen. In den 1980er Jahren habe Selbold noch 8000 bis 9000 Einwohner gehabt, heute sind es rund 14 000. Dass die Gründaustadt sich so entwickelt habe und gewachsen sei, hänge auch mit den SPD-Vorgängern der CDU-Stadtoberhäupte Heiko Kasseckert und Jörg Muth zusammen, ist Greuel überzeugt. Und keinen Hehl macht er auch daraus, dass es nun wieder Zeit für einen von der SPD gestellten Langenselbolder Bürgermeister sei.

Drei übergeordnete Themen hat der 40-Jährige auserkoren, um damit im Wahlkampf zu punkten. „Ich möchte mich zum einen für eine lebendige und soziale Stadt einsetzen. Wir müssen die Vereine und das Ehrenamt mehr stärken und vor allem Wohnraum für alle schaffe. Bezahlbarer Wohnraum muss dabei im Vordergrund stehen. Außerdem setze ich mich für den Bau einer Multifunktionshalle für Vereine, Kultur und Sport ein“, nennt er seinen ersten Schwerpunkt.

Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

Der zweite Komplex umfasst den Klimaschutz und den Einsatz für mehr Nachhaltigkeit. „Wir müssen erneuerbare Energien ausbauen, das bereits bestehende Klimaschutzpaket fortentwickeln und konsequent umsetzen. Außerdem müssen wir dringend der Versiegelung von Flächen und auch Gärten entgegenwirken, für mehr Grün- und Blühflächen sorgen“, so Greuel zu seinem zweiten wichtigen Thema.

Und zum Dritten möchte sich der Sozialdemokrat für eine starke Selbolder Wirtschaft und „gesunde Finanzen“ einsetzen. „Wir müssen die Innenstadt wieder mehr beleben und dazu den Mittelstand unterstützen und stärken. Außerdem möchte ich mit einer klugen Finanzplanung den eingeschlagenen Weg weitergehen, um den kommunalen Schutzschirm verlassen zu können“, lautet das finanzpolitische Credo des SPD-Bürgermeisterkandidaten.

„Die Ideen und gesteckten Ziele kann ich aber nicht alleine umsetzen und schaffen. Dafür bedarf es eines guten Teams. Das habe ich bei meiner Arbeit als Erster Stadtrat im Rathaus, auf das ich auch als Bürgermeister bauen kann. Und ich habe innerhalb der SPD ein sehr gutes Team, zu dem aber ebenfalls Helfer von außerhalb der Partei stoßen. Für diese breite Unterstützung bin ich sehr dankbar“, streicht Timo Greuel heraus. Und das wird dann gleich bei unserer Vesper deutlich. Denn während wir über den Weinberg gewandert sind, haben Bettina und Jürgen Schonlau am Naturfreundehaus die vielfältige Vespertafel aufgebaut, die unser Gespräch perfekt abrundet.

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