Mit leichtem Gepäck durch die Wingerte in Langenselbold: Manfred Kapp, der als Bürgermeisterkandidat für die Freien Wähler ins Rennen um das Amt des Rathauschefs geht, wandert mit Rucksack. Der Redakteur unserer Zeitung hat nur seinen Block und seinen Stift dabei. Foto: Mike bender

Langenselbold

Wandern mit . . . Manfred Kapp (Freie Wähler)

Langenselbold. Ob er für den Fall, dass er zum Bürgermeister Langenselbolds gewählt werden sollte, stets seinen Werkzeugkoffer bei sich haben wird, hat uns Manfred Kapp bei unserer Wanderung durch die Wingerte nicht verraten.

Aber mit Schraubenzieher und Hammer politische Fragen zu lösen, wäre vielleicht auch mal ein neuer Ansatz. Und etwas Neues in der Politik muss her, ist Kapp überzeugt. Als einer von vier Kandidaten für die Nachfolge von Rathauschef Jörg Muth nutzt auch der Handwerksmeister für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik die Chance, bei einem Rundgang durch die Natur mit einem Redakteur unserer Zeitung von seinen Ideen und Zielen zu sprechen. Einen kleinen Rucksack mit der Frühstücksjause trägt er dabei auf dem Rücken mit sich. Den Werkzeugkoffer, so merkt er im Spaß am Ende des Rundganges an, habe er wohlweislich im Wagen gelassen.

Dass bei dem Gespräch ein Audiogerät mitläuft, verursacht Kapp keine Probleme. Er betont allerdings, dass er nicht mit einem Versprecher in der Zeitung landen wolle. Berührung mit Zeitungen hatte er schon als kleines Kind. Denn sein Vater arbeitete früher einmal bei der Saarbrücker Landeszeitung.

Idee kam früh

Auf die Idee, sich als Bürgermeister zu engagieren und auf diese Weise in der Stadt etwas zu gestalten, die ihm, seiner Frau und seinen beiden erwachsenen Kindern zur Heimat geworden ist, kam Kapp schon früh. Der 61-Jährige ist Gründungsmitglied der Freien Wähler – genau wie seine Frau – und sitzt seit 2016 als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat. „Schon nach der zweiten Magistratssitzung hatte ich den Gedanken“, erinnert sich Kapp.

Seit er verfolgt habe, was die „Groko“, die Große Koalition in Langenselbold, macht, habe ihn die Überlegung umgetrieben, „wir wollen mal wieder ne freie Politik haben“. Was er damit meint, führt er anschließend aus. Ihm behage bei den herkömmlichen Parteien nicht, dass man dort dem Fraktionszwang unterworfen sei und nicht ganz frei entscheiden könne. Das sei bei einer Wählergemeinschaft anders, weshalb er selbst und seine Frau Christiane sich bei den Freien Wählern (FW) engagierten. „Wir sind beide bei den Freien Wählern eingetreten, weil es uns um Langenselbold geht“, erklärt Kapp seine Motivation und die seiner Frau. Dass sie beide sich ins Gehege kommen, sollte er zum Bürgermeister gewählt werden, glaubt der Wahl-Selbolder nicht. „Wir haben ja auch verschiedene Berufe, Meine Frau ist Informatikerin. Da wird alles so bleiben wie bisher.“

Der Weg durch die Wingerte wird jetzt holprig, und leicht matschig ist es hin und wieder auch. Da ist es gut, dass der Redakteur und der Kandidat sich festes Schuhwerk angezogen haben. Die Luft ist klar, hier und da ziehen Bussarde ihre Kreise über den Köpfen der beiden Gesprächspartner, dann und wann kräht ein Hahn.

Die Mischung macht es

Die Mischung zwischen guter Verkehrsanbindung und Natur ist es auch, die Kapp vor vielen Jahren an die Gründau gezogen hat, wie er schildert. 1987 sei er in Langenselbold in die Handwerksrolle eingetragen worden. Zuvor war der gebürtige Bochumer im Saarland gewesen – „da kam ich mir wie ein Ausländer vor“ – hatte später im Schwabenland die Meisterschule besucht und in Stuttgart mit dem Abschluss Betriebswirt des Handwerks verlassen.

Mit Ehefrau Christiane, die Kapp während seiner Bundeswehrzeit in Homberg/Efze kennenlernte, zog er nach Frankfurt. Von dort aus wurde das Paar auf der Suche nach einem festen Domizil 1986 in Langenselbold fündig und kaufte sich ein Haus. „Als Selbstständiger musste ich darauf achten, dass ich eine gute Verkehrsanbindung habe“, so Kapp.

In dem Maße, wie ihm die Stadt, „die ja eigentlich aus drei Dörfern besteht“, zur Heimat wurde, nahm der Wunsch Gestalt an, sich auch in der Politik einzubringen, mitzugestalten. „Ich übernehme gerne Verantwortung. Ich arbeite gerne mit und für Menschen. Ich setze gerne Ideen um“, so erklärt Kapp auch auf seiner Homepage, weshalb er als Bürgermeisterkandidat antritt.

Zwei Jahre lang im Vorsitz

Bisher hatte er sich eingemischt, indem er zwei Jahre lang den Vorsitz im 2012 gegründeten Stadtmarketing-Verein übernahm und sich im Vorstand der Bürgerhilfe engagierte. Jetzt sollen Themen angepackt werden wie beispielsweise die Senkung von Grund- und Gewerbesteuer.

Ermuntert hat ihn dabei, dass diesmal vier Kandidaten ins Rennen gehen, für die der Bürgermeisterposten Neuland bedeutet. Wäre Jörg Muth (CDU) noch einmal angetreten und vielleicht Bernd Kaltschnee (SPD), hätten die Freien Wähler dennoch einen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt, „das wäre dann aber sicher nicht ich gewesen“, erklärt Kapp.

Für den Fall eines Wahlsieges will er mit wechselnden Mehrheiten regieren. Er vertraut darauf, dass die Vertreter anderer Parteien zu ihm, der parteipolitisch nicht festgelegt sei, Vertrauen haben und an der Sache orientiert abstimmen werden. „In zwei Jahren haben wir Kommunalwahl, ob da wieder eine Groko zusammenkommt, weiß man nicht“, wagt er einen Blick in die Zukunft. Er könne „oben auf dem Podium“ sagen, wo es lang gehe und dabei die guten Anregungen der Bürger einbringen, zu denen er dank seines Berufes ja einen direkten Draht habe.

Keine große Verwaltungserfahrung

Darin, dass er keine große Verwaltungserfahrung hat, sieht der gebürtige Ruhrpöttler kein Problem. Im Laufe seiner Magistratstätigkeit habe er viele Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen kennengelernt. Und er habe dank seiner beruflichen Qualifikation in Bau-, respektive Klimatechnikfragen schon eigene Expertise einbringen können.

Überhaupt liegen Kapp Klimafragen besonders am Herzen. „Wir haben einen Energiebeauftragen und müssen bis 2030 eine gewisse Energieeffizienz erfüllen.“ Um die angestrebten Ziele zu erreichen, würde er bei Energiefragen die Grünen mit ins Boot holen.

Was die Bautätigkeit in der Stadt angeht, so will der FW-Kandidat behutsam vorgehen. Niedertal V werde auf jeden Fall kommen, danach würde Kapp auf die Bremse treten. „Wir müssen Rücksicht nehmen auf die Menschen im ‧alten Ortskern.“ Außerdem will er versuchen, mittelständische Betriebe anzusiedeln und keine Großbetriebe, die anderswo ihre Steuern zahlen.

Typisches Handwerker-Frühstück

Nach einer weitere Runde durch den Wingert lässt man sich die Männer zur Vesper nieder. Kapp packt seinen Rucksack aus, in dem sich eine Thermoskanne mit Kaffee befindet und eine Dose mit Würstchen und Käse. Ein typisches Handwerker-Frühstück für einen, der um 6.30 Uhr aufsteht, bis 18/19 Uhr unterwegs ist und danach noch fit genug sein muss, um bis Mitternacht im Büro arbeiten zu können.

Für seinen Slogan „Wir meistern Langenselbold“ hat der Handwerkmeister schon viel Lob bekommen. „Durch meine Wenigkeit wollen wir ganz normale Leute ansprechen“, erklärt er. Leute, die genug haben von der Politik und sagen, 'die machen ja eh immer nur dasselbe'. Auf die Frage, was er zuerst tun will, wenn er Bürgermeister ist, sagt Kapp: „Erstmal Akten sortieren, gucken, was liegengeblieben ist. Ich höre mir die Vorschläge der Fraktionen an.“

Am Wahltag, dem 19. Januar, rechnet Kapp fest damit, dass es eine Stichwahl geben wird. „Sollte ich nicht dabei sein, werde ich trotzdem feiern“, betont er und lacht. HA

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