Im Gespräch mit Redakteur Lars-Erik Gerth streicht Jürgen Schonlau (rechts) zwei Ziele heraus: Der neue SPD-Chef will mehr junge Leute für seine Partei gewinnen und bei der Kommunalwahl als Erster durchs Ziel gehen.
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Im Gespräch mit Redakteur Lars-Erik Gerth streicht Jürgen Schonlau (rechts) zwei Ziele heraus: Der neue SPD-Chef will mehr junge Leute für seine Partei gewinnen und bei der Kommunalwahl als Erster durchs Ziel gehen.

Rückenwind nach Wahlsieg?

Vom Wahlkampfleiter zum neuen Parteichef: Jürgen Schonlau von der SPD Langenselbold

  • Lars-Erik Gerth
    vonLars-Erik Gerth
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Langenselbold – Geboren und aufgewachsen ist der neue Selbolder SPD-Chef Jürgen Schonlau in einer Region, die früher mit Fug und Recht als „Herzkammer der SPD“ bezeichnet wurde: im Ruhrpott, genauer gesagt in Oberhausen. Dass die SPD mittlerweile selbst dort einen schweren Stand hat, lässt sich daran ablesen, dass die Oberhausener vor fünf Jahren mit Daniel Schranz einen CDU-Mann zum Oberbürgermeister wählten.

Jürgen Schonlau wuchs im klassischen SPD-Milieu der 1960er und 1970er Jahre auf. „Mein Vater wurde schon in jungen Jahren Mitglied. Einer seiner Arbeitskollegen war übrigens eine Zeit lang Franz Müntefering, der spätere Chef der Bundes-SPD“, blickt Schonlau im Gespräch mit Redakteur Lars-Erik Gerth auf diese Zeit zurück. Selbst politisch aktiv war Schonlau allerdings nicht, trat auch erst 2019 der SPD bei. Da lebte er bereits weit über 30 Jahre in Langenselbold. Der Liebe wegen, denn seine Frau Bettina stammt von hier.

Er selbst verließ schon nach der Schule den Ruhrpott, verpflichtete sich bei der Bundeswehr in Norddeutschland. Als diese Zeit endete, verschlug es ihn beruflich ins Rhein-Main-Gebiet, wo er ab 1984 in leitenden Positionen im Sicherheitsbereich verschiedener Unternehmen tätig war. So wurde Schonlau unter anderem 1986 stellvertretender Werkschutzleiter beim Schwab-Versand in Hanau. Und just dort lernte er seine heutige Frau kennen. Zuletzt war er als Facility Manager bei der Franklin Templeton Investment Services GmbH in Frankfurt tätig.

Seit 2018 ist Schonlau nun im Vorruhestand. Aber langweilig ist dem heute 63-Jährigen nun wirklich nicht. Das liegt auch daran, dass er schon seit vielen Jahren in Vereinen aktiv ist. Unter anderem gehört er als glühender Anhänger der Adlerträger dem Selbolder Eintracht-Fanclub an. Und er war ebenso mehrere Jahre im Vorstand des TVL, in dem sich seine Frau Bettina heute noch stark engagiert. Über sie entstand auch die Verbindung zu den Selbolder Genossen. Denn sie ist seit geraumer Zeit Mitglied im Vorstand des SPD-Ortsvereins.

Zu Beginn des Bürgermeisterwahlkampfs kam es dann auch zu einer Zusammenkunft im Hause Schonlau. „Bei diesem Treffen lernte ich Timo Greuel näher kennen. Meine Frau war bereits aktiv in seinen Wahlkampf eingebunden. Und da ich beruflich auch immer viel mit organisatorischen Dingen zu tun hatte, kamen wir schnell überein, dass ich mit dazu stoße und seinen Wahlkampf gemeinsam mit meiner Frau leiten werde“, erzählt Jürgen Schonlau, wie er zu dieser Aufgabe kam, die sich dann sozusagen als Vorstufe zum Amt des SPD-Parteichefs entpuppen sollte.

Der Wahl-Langenselbolder hat beruflich schon früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Entsprechend fiel ihm auch die Entscheidung nicht schwer, seinen Hut für die Nachfolge von Bernd Kaltschnee in den Ring zu werfen. „Bernd hatte schon frühzeitig angekündigt, dass er 2020 nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren wird. Da mir die Arbeit als Organisator des Wahlkampfs von Timo so viel Spaß bereitete und wir dann auch erfolgreich waren, habe ich mein Interesse bekundet, dieses Amt zu übernehmen. Und ich freue mich sehr, dass die Mitglieder mir für diese Aufgabe ihr Vertrauen gegeben haben“, ist der 63-Jährige voller Tatendrang für sein neues Amt.

Gleichzeitig ist er Bernd Kaltschnee dankbar, dass dieser als stellvertretender Vorsitzender weiterhin noch an Bord ist. „Ich kann von seiner Erfahrung und Routine profitieren, was mir das Einarbeiten deutlich erleichtern wird“ freut sich Schonlau auf die Zusammenarbeit mit seinem drei Jahre jüngeren Vorgänger. Auch wenn es dadurch nicht zu einer Verjüngung auf der Position des Vorsitzenden gekommen ist, liegt dem neuen Parteichef sehr am Herzen, die jüngere Generation für die Selbolder SPD zu gewinnen.

„Wir haben erfreulicherweise mit dem neuen Schriftführer Felix Spahn und einigen Beisitzern Vertreter der jüngeren Generation für die Vorstandsarbeit gewinnen können. Und beide sind auch noch gar nicht so lange in der SPD“, so Schonlau, der die Zahl von derzeit 115 Mitgliedern gerne erhöhen möchte. Jüngere Langenselbolder will der neue Vorsitzende nicht zuletzt über die Sozialen Medien gewinnen. „Da lag bei uns einiges brach, was die Internetseite, Facebook, vor allem aber auch Instagram und Twitter betraf. Über diese Schienen lässt sicher einiges machen, um bei noch mehr jüngeren Menschen in Selbold das Interesse für die SPD zu wecken“, gibt sich Schonlau zuversichtlich.

Lokalpolitisch ist das nächste Ziel für Schonlau auch eindeutig: „Nach dem Bürgermeisterwahlkampf habe ich jetzt große Lust auf den Kommunalwahlkampf. Wir werben um das Vertrauen der Selbolder mit dem Ziel, am 14. März 2021 stärkste Fraktion in der neuen Stadtverordnetenversammlung zu werden.“

Zuletzt war dies der SPD, die zuvor über Jahrzehnte die bestimmende Kraft in der Gründaustadt gewesen ist, bei der Kommunalwahl 1997 gelungen. Ab 2001, als die CDU sogar erstmals die absolute Mehrheit erreichte, mussten die Genossen stets mit Rang zwei vorliebnehmen. Immerhin reduzierte sich der Rückstand auf die Christdemokraten, der schon einmal bis auf fast 20 Prozent angewachsen war, 2016 auf nur noch 3,2 Prozent.

„Wir wollen den Rückenwind aus der gewonnenen Bürgermeisterwahl nutzen“, gibt der ehemalige Wahlkampfleiter des jetzigen Stadtoberhaupts die Losung aus. Und bei den Themen für den bevorstehenden Wahlkampf will er auch auf jene setzen, die bei der Bürgermeisterwahl wichtig gewesen sind.

„Ganz oben steht dabei das Thema innerstädtischer Verkehr, den wir mit einem übergreifenden Konzept für Fußgänger, Auto- sowie Radfahrer in sinnvolle Bahnen lenken müssen. Außerdem stehen der Klimaschutz und der Bau einer Multifunktionshalle ganz oben auf unserer Agenda“, nennt der SPD-Chef wichtige Themen für die politische Arbeit der Sozialdemokraten in der neuen Selbolder Stadtverordnetenversammlung.

In diese möchte auch Jürgen Schonlau gerne einziehen. „Ich werde mich für die Liste meiner Partei zur Kommunalwahl 2021 bewerben“, stellt er so zum Abschluss des Gesprächs klar. Zugleich ist er überzeugt, dass die Sozialdemokraten mit einem guten und nominell breiten Team antreten werden.

Der Termin für die Aufstellung der Selbolder SPD-Liste steht allerdings noch nicht fest. Etwas, was in diesen Corona-Zeiten landauf, landab keine Seltenheit darstellt. Was hatte Bernd Kaltschnee doch bei seiner Begrüßung zur letzten SPD-Jahreshauptversammlung seiner 19-jährigen Amtszeit als Vorsitzender gesagt? „Ich hätte nie geglaubt, dass ich euch einmal zu einer Mitgliederversammlung im großen Saal Europa der Klosterberghalle begrüßen würde.“

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