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Vereinsgemeinschaft droht das Aus

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Arne Schellhoß (Gewerbeverein) und Christin Mohn (Stadtmarketing) verfolgen Gerhard Landmann (von links) verzweifelten Appell an den Gemeinsinn. Foto: Kleine-Rüschkamp
Arne Schellhoß (Gewerbeverein) und Christin Mohn (Stadtmarketing) verfolgen Gerhard Landmann (von links) verzweifelten Appell an den Gemeinsinn. Foto: Kleine-Rüschkamp

Langenselbold. Die Existenz der Langenselbolder Vereinsgemeinschaft hängt an einem seidenen Faden. Die Planung der Kulturtage sollte eigentlich bei der turnusgemäßen Jahreshauptversammlung des Vereins als einer der Hauptpunkte der Tagesordnung besprochen werden. Doch stattdessen tat sich Endzeitstimmung auf (mit Kommentar).

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Sind es die letzten Zuckungen eines Konstrukts, das niemand braucht? Ist es das letzte Aufbäumen einer Kooperation, die sich überlebt hat? Als nun Vorsitzender Gerhard Landmann zur Sitzung rief, verweigerte das Gros der 39 Mitgliedsvereine seine Gefolgschaft.Es erschienen lediglich Vertreter von zehn Vereinen. Wenn man noch die Mitglieder des Vorstandes abzieht, die ja auch ihre jeweiligen Vereine repräsentieren, sieht das Bild noch düsterer aus. Und unter dem Häuflein der Erschienenen waren auch zahlreiche Mandatsträger der Stadtverordnetenversammlung sowie die Magistratsmitglieder Bürgermeister Jörg Muth (CDU) und Erster Stadtrat Gustav Schreiner (Grüne).Viel Sand im GetriebeUnd jene, die erschienen waren, waren auch nicht gerade Feuer und Flamme, über das, was Landmann vortrug. Hinter den Kulissen ist wohl ziemlich viel Sand ins Getriebe gekommen, sodass sogar Michael Hintz, Vorsitzender des Chorforum Eintracht, den Vorschlag unterbreitete, die Vereinsgemeinschaft mit dem Verein Stadtmarketing zusammenzuschließen.Das war dann Landmann doch zu viel. So „mal schnell“ den Verein aufzulösen, das gehe schon mal gar nicht, zumal dafür eine 90-prozentige Mehrheit der Mitgliederversammlung nötige sei.Vorgeschichte in VergangenheitWarum leidet die Idee der „Vereinsgemeinschaft“ unter zunehmender Auszehrung? Das ist die eine Frage. Weiterhin muss der aktuelle Konflikt aufgedröselt werden, der nun den Exitus der Langenselbolder Vereinsgemeinschaft (LVG) beschleunigen könnte. Und was sind die historischen Gründe, die zum Siechtum geführt haben?Zunächst zum aktuellen Konflikt, der natürlich seine Vorgeschichte in der Historie hat. Die Vereinsgemeinschaft verfolgt seit vergangenem Jahr das Ziel, in diesem Jahr die Langenselbolder Kulturtage neu zu veranstalten. Gedacht war an einen viertägigen Veranstaltungsblock – mit Musik, Theater und Ausstellungen. Die Vereine hätten die Bewirtschaftung übernehmen und Einnahmen generieren können.Keine Kosten entstandenKosten wären den Vereinen nicht entstanden. Die Stadtverordnetenversammlung hat dies honoriert und trotz des Zwangs zur Haushaltskonsolidierung eine Summe von 23 000 Euro für die Kulturtage über den Haushalt 2017 zur Verfügung gestellt. Nachdem Landmann hochgerechnet hat, dass allein an fixen Kosten für Bühne, Beleuchtung, Ton und Security rund 12 000 Euro fällig werden, folgte nicht nur die Diskussion, ob man mit den verbleibenden paar Tausend Euro ein qualitativ gutes Programm auf die Beine stellen kann, sondern auch noch eine weitere Ernüchterung.Damit kommt der Verein Stadtmarketing Langenselbold ins Spiel, der mit im Boot bei der Vereinsgemeinschaft ist. Das Stadtmarketing veranstaltet nämlich in diesem Jahr den Langenselbolder Kultursommer. Viele Bürger gingen davon aus, dass Kulturtage und Kultursommer ein und dasselbe sind. Doch dem ist nicht so.

"Kulturfeuerwerk“, "Culture Clash“ und Poetry SlamVorsitzende Christin Mohn hat bei der Sitzung mitgeteilt, dass das Programm bereits in Grundzügen steht. Und es kann sich mit über 20 Programmpunkten sehen lassen. Geboten werden unter anderem ein „Kulturfeuerwerk“, ein „Culture Clash“ für und mit Flüchtlingen und ein Poetry Slam. Teils sind auch schon bekannte Veranstaltungen eingebettet wie Marktbrunnenfest, Oldtimertreffen oder Weinfest.Nachdem der Stadtmarketing-Verein so rege war – bis Mitte Februar soll das von Mai bis Oktober reichende Programm definitiv festgezurrt sein –, hatte nun die Vereinsgemeinschaft in einer Konferenz vor der Jahreshauptversammlung versucht, einen zusammenhängenden Termin über vier Tage für die Kulturtage zu finden.Tiefschlag bei Treffen Das Treffen erwies sich für Landmann und seinen Vorstand als Tiefschlag. Ihnen wurde nämlich schlagartig klar, dass es von Mai bis Oktober keinen einzigen viertägigen Terminblock gab, an dem das Schlossareal, die Herrnscheune, Stucksaal und Klosterberghalle noch frei waren. Alles war belegt, entweder durch die Planung des Stadtmarketings oder anderer Veranstalter. Das Spiel von Hase und Igel war schon längst entschieden, bevor die Vereinsgemeinschaft überhaupt erst mit der konkreten Planung beginnen wollte.Der Kompromiss-Vorschlag von LVG-Vorstandsmitglied Gerhard Gross, die viertägigen Kulturtage vorerst auf zwei Tage zusammenzuschrumpfen und eben erst im kommenden Jahr die vier Tage anzubieten, wurde mehr oder weniger gebilligt, zumal der Vereinsgemeinschaft nichts anderes mehr übrig bleibt.Faschingszeit abwartenBei einer vorsichtigen Interpretation dieser Nachricht – über diesen Punkt wurde nicht abgestimmt – kann man davon ausgehen, dass es nunmehr erst einmal zwei Kulturtage gibt und im kommenden Jahr vier Kulturtage – wenn sich der Verein nicht vorher auflöst oder mit dem Verein Stadtmarketing Langenselbold fusioniert. Landmann will jetzt erst einmal die Faschingszeit abwarten, um sich danach mit dem Vorstand über das weitere Vorgehen zu beraten.Bürgermeister Muth plädierte dafür, das Positive zu sehen, und weniger die Probleme. Die Politik habe das Geld zur Verfügung gestellt. Nun gelte es, das Projekt mit Leben zu füllen. Sowohl Stühle für die Möblierung als auch Lampions für die Beleuchtung gebe es in ausreichender Zahl. Außerdem stünde der Bauhof mit Manpower und Geräten parat. Es sei nicht schlimm, wenn anfangs Fehler gemacht würden. Muth appellierte an das Miteinander.Vergangenheit könnte Verein einholenNegative Entwicklungen aus der Vergangenheit könnten jetzt wie ein Bumerang wieder zurück kommen. Ursprünglich hatten die Vereine in den 80er und 90er Jahren in ihren turnusgemäßen Zusammenkünften am Anfang des Jahres die Termine gemeinschaftlich festgelegt.Nachdem die Stadt unter Ex-Bürgermeister Heiko Kasseckert (CDU) diese Aufgabe an sich gezogen hatte, damit stets zum Jahresanfang bereits eine fertige Terminplanung vorliegt, hatten die versammelten Vereine keine Aufgabe mehr. Warum soll man sich auf Termine verständigen, die bereits an anderer Stelle festgezurrt worden sind. Dann wurde die LVG als Ausrichter des Stadtfestes gefunden. Weil das letzte Stadtfest finanzielle Probleme verursachte und Vereine nachzahlen mussten, war die Begeisterung in der Vereinswelt gebremst.LVG straucheltWeil man an ein Stadtfest im Zuge der Konsolidierung nicht mehr denken konnte, strauchelte die LVG, die Mitgliederzahlen bröckelten, und nach einer Interimszeit, in der sich kein Vorstand mehr fand, ließ sich Landmann beknien, 2014 den Vereinsvorsitz noch einmal zu übernehmen.

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