Mit Demos und Warnstreiks hatten Belegschaft und IG Metall in den letzten 21 Monaten gegen die bevorstehende Verlagerung von nun 80 Arbeitsplätzen von Selbold an die Thermo-Standorte in Ungarn und Schottland protestiert. Archivfoto: Lars-Erik Gerth

Langenselbold

Thermo Fisher: Tarifkommission empfiehlt Annahme des Kompromisses

Langenselbold. Der Konflikt zwischen Betriebsrat und der Geschäftsführung von Thermo Fisher scheint sich dem Ende zu nähern. Das letzte Wort über den ausgehandelten Kompromiss, der unter anderem den Erhalt von 20 der ursprünglich 100 Arbeitsplätze vorsieht, haben die IG-Metall-Mitglieder in der Belegschaft.

Sie entscheiden an diesem Freitag über die Verhandlungsergebnisse. Dies teilte gestern Robert Weißenbrunner, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, mit.

IG mit hohen Abfindungen zufrieden

Er berichtete außerdem, dass die die betriebliche IG- Metall-Tarifkommission bei der Firma Thermo Fisher am Wochenende intensiv über die Verhandlungsergebnisse beraten und die Annahme empfohlen habe. „Auch wenn kein Sozialtarifvertrag abgeschlossen wurde, so können wir festhalten, dass sowohl der Erhalt von 20 Arbeitsplätzen als auch die überdurchschnittlich hohen Abfindungsregelungen nur aufgrund der vielfältigen betrieblichen und öffentlichen Aktionen möglich waren“, erklärte Weißenbrunner zu den Beratungen vom Wochenende.

Er erinnerte zugleich an die „breite Unterstützung aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik“, welche die Selbolder Belegschaft von Thermo erfahren habe. Die Tarifkommission sei aber laut Weißenbrunner weiterhin der Auffassung, dass der vorgesehene Personalabbau „eine unternehmerische Fehlentscheidung“ sei und „ausschließlich der kurzfristigen Profitgier des Konzerns“ diene.

Deutliche Kritik an Verlagerung bleibt bestehen

„Wir sehen erhebliche Risiken für die Prozesssicherheit und die Kundenbeziehungen sowie vielfältige Problemstellungen in der Umsetzung der Verlagerungen. Wir haben erhebliche Zweifel, ob die vorgesehenen Maßnahmen wie geplant umgesetzt werden können und in der Folge die vom Konzern erwarteten Ziele damit erreicht werden“, machte der IG-Metall-Bevollmächtigte seine weiter vorhandenen Bedenken deutlich.

Unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen sehen Betriebsrat und Gewerkschaft jedoch mit den erzielten Verhandlungsergebnissen ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. „Mit den überdurchschnittlich hohen Abfindungsregelungen konnte eine unserer zentralen Sozialtarifforderungen in den Regelungen durchgesetzt werden“, so Weißenbrunners Resümee. Allerdings habe man keine „mittelfristige Standort- und Beschäftigungssicherung“ erreichen können. Es bleibe deshalb zu befürchten, dass es „über kurz oder lang zu weiteren vergleichbaren Personalabbaumaßnahmen kommen kann“.

IG geht von künftigen Protesten aus

Thermo-Betriebsrat und IG Metall sind sich jedoch sicher, „dass es uns bei vergleichbaren Maßnahmen des Konzerns auch zukünftig gelingen wird, Protest und Widerstand erneut zu organisieren. Die IG-Metall-Tarifkommission hat daher einstimmig beschlossen, den IG-Metall-Mitgliedern bei Thermo Fisher zu empfehlen, die erhobenen Sozialtarifforderungen zurückzuziehen und dies zur Abstimmung zu stellen“.

Damit würde der Weg für die Annahme des Kompromisses freigemacht. Da bereits 25 der betroffenen 80 Thermo-Mitarbeiter selbst gekündigt haben oder ihre befristeten Jobs ausgelaufen sind, sind jetzt noch 55 Arbeitnehmer am Standort Selbold von betriebsbedingten Kündigungen betroffen, die noch in diesem Jahr erfolgen werden. leg

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