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Benjamin Schaaf zieht erstes Zwischenfazit als Erster Stadtrat der Gründaustadt

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Von: Lars-Erik Gerth

Bereitet die Arbeit als Erster Stadtrat und Kämmerer auch in schwierigen Zeiten noch Freude: Benjamin Schaaf (links) im Gespräch mit HA-Redakteur Lars-Erik Gerth.
Bereitet die Arbeit als Erster Stadtrat und Kämmerer auch in schwierigen Zeiten noch Freude: Benjamin Schaaf (links) im Gespräch mit HA-Redakteur Lars-Erik Gerth. © Axel Häsler

Die Begleitumstände seiner ersten 14 Monate als Erster Stadtrat und Kämmerer waren und sind keineswegs einfach. Das gilt zunächst für die äußeren Einflüsse mit der Pandemie und aktuell den zu erwartenden Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auch auf Langenselbold (Stichwort: Flüchtlingswelle). Aber auch innerhalb der Stadtverwaltung hätte der Start für Benjamin Schaaf in seiner neuen Position durchaus leichter sein können.

Langenselbold – Schaafs vorherige Stelle, die Leitung des städtischen Amtes für Finanzen, wird erst zum 1. April neu besetzt. Dann wird der 41-jährige Verwaltungsfachwirt genau 15 Monate in Doppelfunktion tätig gewesen sein. „Der Start in mein neues Amt hätte sicherlich einfacher sein können. Aber die Aufgaben bereiten mir weiterhin viel Freude. Und wir haben in der Finanzverwaltung ein tolles Team, dem ich auch an dieser Stelle ein großes Dankeschön für seinen großen Einsatz sagen möchte“, weist Schaaf im HA-Gespräch auf die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Amt für Finanzen hin. Dies gilt nicht zuletzt für die kommissarische Leiterin Annett Hecktor, die diese Aufgabe noch neben ihren Tätigkeiten als Kassenverwalterin und Leiterin der Vollstreckungsstelle wahrnimmt.

Dank an Mitarbeiter in seinen beiden Fachämtern

Dass die Personaldecke in der Finanzverwaltung numerisch auf Kante genäht ist, verhehlt der Erste Stadtrat nicht. Deshalb sei er auch sehr froh darüber, dass nun doch noch ein Nachfolger für ihn als Amtsleiter gefunden werden konnte. „Wir alle hatten nicht gedacht, dass die Suche so schwierig werden würde. Wir mussten die Stelle gleich mehrfach ausschreiben“, erinnert Schaaf an den problematischen Findungsprozess. Dieser sei im Übrigen kein Selbolder Phänomen, denn auch anderen Kommunen im Kreis falle es immer schwerer, Leitungspositionen neu zu besetzen.

Dessen ungeachtet freue er sich nun auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Mann an der Spitze der Finanzverwaltung. Dadurch erhofft sich der Erste Stadtrat auch mehr Spielraum für das zweite Fachamt, das sich in seiner Verantwortung befindet: das Ordnungsamt. „Ich bin sehr froh, dass wir auch dort ein tolles Team mit Amtsleiter Michael Juracka an der Spitze haben“, so Schaaf, der sich in den kommenden Monaten nun auch mehr in den Bereichen Sicherheit und Ordnung einbringen möchte.

So sei auch diesbezüglich viel durch die nun schon zwei Jahre anhaltende Pandemie überlagert worden. Das gelte beispielsweise für das Sicherheitsprojekt „Kompass“ des hessischen Innenministeriums, das in Selbold im November 2019 gestartet wurde. „In dessen weiterem Prozess steht nun die erste Sicherheitskonferenz an. Eigentlich hätte sie auch schon stattfinden sollen. Es ist aber vorgeschrieben, sie in Präsenz abzuhalten. Deshalb war sie bisher verschoben worden. In diesem Jahr dürfte sie nun aber stattfinden“, informiert Schaaf über eines der anstehenden Projekte im Bereich Sicherheit und Ordnung.

Städtischer Haushalt 2022 im Fokus

Derzeit steht aber zweifellos weiterhin der städtische Haushalt für das laufende Jahr im Zentrum von Benjamin Schaafs arbeitsreichem täglichem Pensum. So fand am Mittwochabend (2. März) die erste Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses statt, in der es um die Beratungen des Zahlenwerks geht, das Schaaf in den letzten Wochen gemeinsam mit den Mitarbeitern der Finanzverwaltung aufgestellt hatte.

Bekanntlich weist dies ein Defizit in Höhe von 4,2 Millionen Euro aus, das jedoch durch die in den vergangenen drei Jahren erwirtschafteten Überschüsse geschlossen werden kann. Stand jetzt, so Schaaf, sei die finanzielle Handlungsfähigkeit Langenselbolds nicht gefährdet. Entsprechend sieht die Etatvorlage des Magistrats auch keine Veränderungen bei den Hebesätzen von Grund- und Gewerbesteuer vor. Doch sei weiterhin Vorsicht geboten.

„Die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, dass wir gerade bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer immer wieder mit Überraschungen rechnen müssen“, erinnert Schaaf nicht zuletzt an die Rückzahlungen in Millionenhöhe an Thermo Fisher, den größten Gewerbesteuerzahler in der Gründaustadt. Dies schlug sich auch in seinen Ausführungen bei der Einbringung des Haushalts nieder, in denen es unter anderem hieß: „Die Abhängigkeit von der Gewerbesteuer entscheidet weiterhin über Erfolg oder Misserfolg der städtischen Haushaltswirtschaft und ist nahezu unbeeinflussbar.“

Viele Unwägbarkeiten

Und mit dem Ukraine-Krieg und den zu erwartenden Millionen an Flüchtlingen in Richtung Westen konnte man auch noch nicht rechnen, als Schaaf am 21. Februar den Etatentwurf im Stadtparlament vorstellte. Dennoch gibt sich der Erste Stadtrat weiterhin zuversichtlich, was die finanzpolitische Handlungsfähigkeit der Gründaustadt anbetrifft.

Nur Positives kann er zudem über die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Timo Greuel (SPD) sagen. Sie hatte sich auch bereits bewährt, als dieser Erster Stadtrat und Kämmerer gewesen ist, während Benjamin Schaaf die Leitung des Amtes für Finanzen innehatte. „Wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen und sehen Vieles ähnlich. Natürlich muss ich als Kämmerer vor allem auf die finanzielle Lage unserer Stadt achten, während Timo Greuel Projekte wie beispielsweise die neue Multifunktionshalle im Blick hat. Aber wir teilen das Ziel, Langenselbold voran und sicher durch diese nicht einfache Zeit zu bringen“, so Schaaf abschließend.

Von Lars-Erik Gerth

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