Die insgesamt vier Tafeln zum Gedenken an die während des NS-Regimes deportierten beziehungsweise ermordeten Langenselbolder Juden sind bereits fertiggestellt. Unser Bild zeigt die Tafel, die an der Stirnseite des Standorts stehen wird (links). Schauten sich den geplanten Standort im Schlosspark an (von links): Bürgermeister Jörg Muth mit Fritz Schüßler, Dr. Manfred Keil und Helmut Urban, die zu den Initiatoren des Gedenkprojekts zählen (rechts). Foto: Lars-Erik Gerth/Archivfoto: Torsten Kleinerüschkamp

Langenselbold

Selbolder Juden: Die Gedenktafeln sind bereits fertig

Langenselbold. Die ersten Planungen für das Projekt zur Erinnerung an die während der Zeit des NS-Regimes in Selbold verfolgten, deportierten und später ermordeten 120 Mitbürger jüdischen Glaubens reichen in das Jahr 2017 zurück.

Von Lars-Erik Gerth

Zunächst, so Dr. Manfred Keil am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Heimatmuseum, habe man eine Mauer an der Stelle vor dem Rathaus gedacht, von wo aus die Langenselbolder Juden in die Konzentrationslager abtransportiert wurden. Nach reiflicher Überlegung, so der erste Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde, sei man dann aber auf die Idee gekommen, die Erinnerung an die ermordeten Mitbürger jüdischen Glaubens mit einer Stele mit vier Gedenktafeln wachzuhalten.

In Absprache mit der Stadt und dem Förderkreis des benachbarten Schlosses entschied sich die Interessengruppe „Gedenkstätte für getötete Langenselbolder Juden“, die sich aus Mitgliedern der Stolpersteingruppe und des Geschichtsvereins zusammensetzt, für einen Standort im Schlosspark. Dieser befindet sich zwischen Rathaus und Schloss, unweit der Bronzefigur des Selbolder Mönchs.

Nochmals 5000 Euro fällig

Bereits im Februar wurden die Maße der Gedenkstätte vermessen. Mit dabei waren auch zwei Vertreter der Rincker Glocken- und Kunstgießerei aus Sinn (Lahn-Dill-Kreis), die vom Geschichtsverein damit beauftragt wurde, die vier Gedenktafeln aus Bronze herzustellen. „Die Tafeln sind seit einigen Wochen fertig. Auf ihnen sind die 120 Namen der verfolgten und ermordeten Selbolder Juden mit Geburtsdatum und der Straße, in der sie gewohnt haben, verewigt“, konnte Dr. Keil nun berichten.

Die Tafeln sind jeweils 1,85 Meter hoch und 90 Zentimeter breit. Die Kosten dafür belaufen sich laut Helmut Urban auf knapp 15 000 Euro. „Die Firma Rincker wird auch die Aufstellung der Tafeln vornehmen“, konnte der Schatzmeister des Geschichtsvereins außerdem berichten. Für den Sandsteinblock, an dem die vier Tafeln befestigt werden, werden laut Urban nochmals 5000 Euro fällig. Diese Arbeiten soll die heimische Steinmetzfirma Wurm übernehmen. Großer Dank von Seiten der Initiatoren geht an die Selbolder Firma Stephan Platt Bau-GmbH, die für das Betonfundament sorgen wird. „Die Firma spendet uns die Kosten, die dafür anfallen würden“, teilte Helmut Urban mit.

Dr. Manfred Keil und Fritz Schüßler von der Stolpersteingruppe bedankten sich außerdem beim gestern ebenfalls anwesenden Bürgermeister Jörg Muth (CDU), denn die Stadt wird das Projekt voraussichtlich mit 3000 Euro bezuschussen. Darüber wollte der Magistrat in seiner Sitzung gestern Nachmittag noch beraten. „Ich gehe aber davon aus, dass es da keine Einwände geben wird“, war Muth gestern Vormittag überzeugt. Das Stadtoberhaupt lobte zudem die Initiatoren für ihren Einsatz und strich die Wichtigkeit dieser Erinnerung an die in der NS-Zeit entrechteten, verfolgten und schließlich ermordeten 120 Selbolder Mitbürger jüdischen Glaubens heraus.

Groß ist bei den Initiatoren auch die Freude über die bisher große Resonanz auf die Spendenaktion zur Finanzierung des Gedenkprojekts. „Zur Deckung aller Kosten fehlen uns nun, wenn wir die 3000 Euro der Stadt dazunehmen, noch rund 2000 Euro. Wir hoffen, dass wir diesen Betrag auch noch durch Spenden werden decken können“, setzt Dr. Manfred Keil weiter auf die Spendenbereitschaft der Selbolder Bevölkerung.

Aber nicht nur die Bürger, sondern auch der Main-Kinzig-Kreis (2000 Euro), die Sparkassenstiftung (500 Euro) und die VR Bank Main-Kinzig-Büdingen (400 Euro) haben das Projekt mit Spenden unterstützt. Ein unerwarteter Geldregen kam zudem im Juli aus Wiesbaden, als Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mitteilte, das das Land eine Förderung in Höhe von 4500 Euro aus Lottomitteln zur Verfügung stellen werde. Der Beginn der Baumaßnahme für die Errichtung der Stele soll nun laut den Initiatoren nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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