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Greuel: „Vorplanung für neue Multifunktionshalle läuft seit September“

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Von: Lars-Erik Gerth

Zurzeit ist die Klosterberghalle die größte Halle in Langenselbold. Für den Spiel- und Trainingsbetrieb der Selbolder Vereine wird aber eine neue Multifunktionshalle gebraucht.
Zurzeit ist die Klosterberghalle die größte Halle in Langenselbold. Für den Spiel- und Trainingsbetrieb der Selbolder Vereine wird aber eine neue Multifunktionshalle gebraucht. © Axel Häsler

Dass die letzte Zusammenkunft der Stadtverordneten in diesem Jahr am Abend des Nikolaustages (6. Dezember) stattfand, sorgte keineswegs für eine friedfertige, vorweihnachtliche Stimmung in der Hessentagshalle. Vielmehr spiegelte die temperaturmäßige Kühle im Ausweichquartier des Langenselbolder Stadtparlaments das dort derzeit vorherrschende Klima wider. Nach der dreistündigen Sitzung ließ sich problemlos feststellen, dass sich die Fronten zwischen Rot-Grün und der Opposition weiter verhärtet haben.

Langenselbold – So warf schon früh am Abend der SPD-Stadtverordnete Ralf Hesseling CDU, Freien Wählern und FDP vor, mit ihren Anträgen, „Blockadepolitik“ zu betreiben. Denn diese Vorlagen könnten größtenteils mit Anfragen oder bereits im Magistrat geklärt werden und müssten gar nicht ins Parlament. Schon im Vorfeld der Sitzung hatte SPD-Chef Jürgen Schonlau der Opposition ebenfalls vorgeworfen, „sinnlose Anträge zu stellen, die eigentlich mit einer Anfrage an die Verwaltung hätten ausreichend geklärt werden können“. Das ließen CDU, Freie Wähler und FDP erwartungsgemäß nicht auf sich sitzen und warfen wiederum Rot-Grün und auch Bürgermeister Timo Greuel (SPD) Ideen- und Tatenlosigkeit beziehungsweise fehlende Transparenz vor.

Rot-Grün lehnt Antrag und Änderungsantrag ab

Einer der Punkte, bei denen die verhärteten Fronten deutlich wurden, betraf den Neubau einer Mehrzweck- oder Multifunktionshalle. Die CDU hatte einen Antrag dazu eingebracht, um, wie es ihr Stadtverordneter Roger Sievers in der Begründung ausführte, das Projekt „zeitnah umzusetzen“. Denn fehlende Trainings- und Spielmöglichkeiten würden die Selbolder Vereine vor immer mehr Probleme stellen. Sievers erinnerte zudem daran, dass Timo Greuel im Bürgermeisterwahlkampf 2019/20 erklärt habe, dass er, wenn er gewählt werde, den Neubau einer solchen Halle zur Chefsache machen wolle. „Doch im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen ist nun auf einmal nur noch von einem höchstens mittelfristigen Ziel die Rede“, kritisierte der CDU-Stadtverordnete.

Ähnlich sah es auch FDP-Chef Christof Sack, der für seine Fraktion die Dringlichkeit einer neuen Mehrzweckhalle betonte. Er brachte einen Änderungsantrag zur CDU-Beschlussvorlage ein, wonach aufgrund der Kürze der Zeit bis zu den Haushaltsberatungen die Verwaltung erst nach diesen die Ergebnisse der Prüfung möglicher Standorte sowie der Ermittlung von Größe, Bedarf und Kosten einer solchen Halle vorstellen sollte.

Scharfe Kritik der Opposition

Scharf fiel auch die Kritik von Jürgen Heim aus. Der Stadtverordnete der Freien Wähler ätzte, dass sich bei der offensichtlich nicht mehr vorhandenen Dringlichkeit der neuen Halle nun zeige, was von den Wahlversprechen von Timo Greuel und der SPD zu halten sei. „Anscheinend ist das Projekt nun gar nicht mehr so vordringlich, sondern nur noch mittel- bis langfristig nötig“, stellte Heim entrüstet fest.

Zunächst quittierte der Bürgermeister die Äußerungen aus den Reihen der Opposition immer wieder mit Kopfschütteln, ehe er selbst ans Rednerpult trat und den Sachstand klarstellte.

Hörbar emotional richtete er seine Worte zunächst an die Adresse von CDU, FW und FDP: „Sie wollen den Eindruck erwecken, als hieße es hier: Still und starr ruht der See. Mitnichten, meine Damen und Herren!“ Dem Vorwurf der Tatenlosigkeit entgegnete er dann mit der Aussage, dass die Vorplanung der Multifunktionshalle bereits Anfang September begonnen habe. Er skizzierte im Verlauf seiner Ausführungen auch den vorgesehenen weiteren zeitlichen Ablauf. Spätestens im zweiten Quartal des neuen Jahres sollen Gespräche mit den Vereinen und anderen möglichen Nutzern geführt werden. Diese sollen dazu dienen, die „gewünschten Nutzungen und die daraus folgenden baulichen Anforderungen an Raumflächen, -höhen und -ausstattungen von Böden, Wänden und Decken festzustellen“. Auch werde die Verwaltung das Raumprogramm auf optionale weitere Nutzungen wie beispielsweise Gastronomie und Freiflächen überprüfen.

Bürgermeister: Von Stillstand kann kein Rede sein

Parallel zu den technischen Planungen sollen laut Greuel auf Grundlage von vergleichbaren und realisierten Multifunktionsgebäuden und der abgeschätzten Gebäudegrößen erste Kosten ermittelt werden, sodass „Aussagen für die Mittelbereitstellung im Haushalt möglich sind“.

Wenn die wichtigsten Punkte geklärt seien, könnten dann im dritten Quartal 2022 „ein oder mehrere Standortvorschläge gemacht und ein erster Bauzeitenplan für die Abstimmung in den Gremien und den Vereinen erstellt werden“. Konservativ geplant gehe die Stadt davon aus, dass die Planungsleistungen „europaweit ausgeschrieben werden müssen und gegen Mitte 2023 die Vergabe der Leistungen erfolgen und mit der Planung begonnen werden“ könne.

Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte 2027 denkbar

Laufe alles nach Plan, sei Ende 2024 mit dem Vorliegen der Baugenehmigung und für Mitte 2025 mit dem Spatenstich zu rechnen. „Bei Annahme von zwei Jahren Bauzeit würde die Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte 2027 liegen“, so Greuel weiter, der abschließend feststellte: „Diese Terminschiene lässt sich auf der Zeitachse nach vorne stellen, soweit das Planungsrecht dem Vorhaben nicht entgegensteht oder parallel zum Vorhaben geschaffen werden kann. Zudem muss die Finanzierung der Multifunktionshalle gesichert werden.“

CDU und FDP blieben trotz Greuels Ausführungen bei ihren Anträgen, die jeweils von der an diesem Abend nur hauchdünnen Mehrheit von SPD und Grünen (von ihren 20 Stadtverordneten fehlten zwei) abgelehnt wurde.

Von Lars-Erik Gerth

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