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Eindeutige Präferenz für Neubau der Selbolder Kläranlage

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Von: Lars-Erik Gerth

Die 1988 errichtete Kläranlage ist in die Jahre gekommen: Die Maschinentechnik hätte man laut Firma Unger Ingenieure, die die Machbarkeitsstudie erstellt hat, bereits vor 15 Jahren erneuern müssen. Nun steht ein Neubau im Raum, der nördlich der bisherigen Anlage erfolgen könnte.
Die 1988 errichtete Kläranlage ist in die Jahre gekommen: Die Maschinentechnik hätte man laut Firma Unger Ingenieure, die die Machbarkeitsstudie erstellt hat, bereits vor 15 Jahren erneuern müssen. Nun steht ein Neubau im Raum, der nördlich der bisherigen Anlage erfolgen könnte. © Axel Häsler

Dass die im Jahr 1988 in Betrieb genommene Langenselbolder Kläranlage ein Sorgenkind und den gesteigerten Anforderungen der Abwasserentsorgung und -reinigung insbesondere mengenmäßig nicht mehr gewachsen ist, ist für die Selbolder Politik keine Neuigkeit mehr. Bereits 2018 wurde im Auftrag der Stadt eine Untersuchung zur Anlagenbelastung durch die Planungsgemeinschaft Häfner-Oefner vorgenommen.

Langenselbold – Das damalige Gutachten ergab, dass die Kläranlage überlastet und den zu bewältigenden Abwassermengen schon kaum mehr gewachsen ist. So wurde bereits vor drei Jahren festgestellt, dass die rechnerische Maximalbelastung von 18 000 Einwohnergleichwerten (EWG) mit 19 100 klar überschritten war.

Die mittlerweile von der Stadt bei der Firma Unger Ingenieure in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zum weiteren Vorgehen in Sachen Selbolder Kläranlage machte bei ihrer Präsentation im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss deutlich, dass sich die Stadtverordneten nun mit einem größeren Projekt auseinandersetzen müssen.

Besichtigung vor Ausschusssitzung

Zunächst hatten sich die Ausschussmitglieder am Dienstag vor Ort bei einer Besichtigung über den aktuellen Stand der Kläranlage unweit des Kinzigsees informiert. Anschließend stellte Marcus Peter Stein von Unger Ingenieure in der Klosterberghalle die ausführliche Machbarkeitsstudie vor.

Dabei beleuchtete er die drei „Ertüchtigungsvarianten“, die sich aus der intensiven Prüfung der bestehenden Anlage ergeben hatten. Als erste Variante setze der Bestandsausbau „auf den Einsatz von platzsparenden Membranbioreaktoren, wobei durch den Verzicht auf die Nachklärung und das zweite Belebungsbecken Raum geschaffen würde, um auf eine anaerobe Schlammstabilisierung (Faulung) umzurüsten“, so die Ausführungen in der Studie.

Drei Varianten stehen zur Disposition

Die zweite Variante umfasst Bestandsausbau und Erweiterungsfläche und setze weiter „auf bewährte Technik und löst das Defizit in der Biologie durch Anhebung der Bauwerkskronen der Belebung.“

Als klarer Favorit der Fachfirma erwies sich die dritte Variante, der Neubau auf der Erweiterungsfläche. Dieser löse das Problem der Anlagenüberlastung und alle verfahrenstechnischen und baulichen Defizite durch den Bau einer neu bemessenen Anlage auf der nördlichen Erweiterungsfläche. Zudem wäre dort auch die Erweiterung der Anlage um eine vierte Reinigungsstufe möglich.

Der Unger-Fachbereichsleiter Abwasserreinigung Lutz Härtel stellte dazu klar, dass diese vierte Reinigungsstufe auf jeden Fall kommen werde, da die Europäische Union darauf dränge. Eine solche Erweiterung würde laut Härtel zwischen sechs bis sieben Millionen Euro kosten.

Investitionskosten Neubau: 28,1 Millionen Euro

Bereits zuvor war klar geworden, dass mit dem Neubau der Kläranlage ein finanziell keineswegs leichtgewichtiges Projekt auf die Stadt zukommen wird. Denn allein die Investitionskosten für den Neubau belaufen sich auf rund 28,1 Millionen Euro. Das ist allerdings weniger, als für den Bestandsausbau nötig wären. Hier kommen Unger Ingenieure auf eine Hausnummer in Höhe von 28,6 Millionen Euro. Variante 2 würde hingegen „nur“ 23,5 Millionen Euro kosten.

Stein legte in seinem Vortrag klar da, dass der Neubau den anderen Varianten bezüglich Planungssicherheit, Betrieb, gesetzlicher Vorgaben und Nachhaltigkeit vorzuziehen sei. So fielen auch die zukünftigen Investitionen geringer aus als bei den Bestandsvarianten.

Maschinentechnik hätte vor 15 Jahren ertüchtigt werden müssen

Auf Nachfrage von Bürgermeister Timo Greuel (SPD), wie weit man denn mit der 33 Jahre alten Kläranlage hinter den Möglichkeiten der Ertüchtigung wäre, wurde Stein deutlich. Die Maschinentechnik hätte bereits vor 15 Jahren ertüchtigt werden müssen, um den damaligen Anforderungen gerecht zu werden.

Dass Langenselbold in absehbarer Zeit nicht an einer neuen Kläranlage vorbeikommen wird, wurde an diesem Abend mehr als deutlich. Und dass sich die Stadtverordneten bei ihrer Entscheidung nicht lange Zeit lassen können, wurde ebenfalls klar. Denn in der Machbarkeitsstudie ist auch der lange Zeitrahmen genannt, der für einen Neubau erforderlich ist: „Für die Gesamtdauer bis zur Fertigstellung der Planungs-, Vergabe- und Baumaßnahmen wird ein Umsetzungszeitraum von etwa 77 Monaten (etwa sechseinhalb Jahre) veranschlagt.“

CDU und FDP beteiligen sich nicht an Abstimmung

Entsprechend schlug Ausschussvorsitzender Stefan Bollé (Grüne) vor, dem Stadtparlament zu empfehlen, den Magistrat zu beauftragen, den Neubau der Kläranlage weiter zu verfolgen. Die Mehrheit aus SPD und Grünen stimmte dafür, während sich Oliver Schmidt für die Freien Wähler enthielt. Die Vertreter von CDU und FDP nahmen an der Abstimmung nicht teil, da sie es bei so einem wichtigen und kostenintensiven Projekt für notwendig erachteten, dieses Thema zunächst in ihren Fraktionen zu beraten.

Von Lars-Erik Gerth

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