Das Schloss Langenselbold ist ein Aushängeschild. Nicht jede Kommune hat solche repräsentative Räume zu bieten. Thomas Egel – hier im Großen Salon – sorgt mit dem Förderkreis dafür, dass die historischen Gebäude erstklassig bleiben beziehungsweise werden. Foto: Kleine-Rüschkamp

Langenselbold

Schloss: Förderkreis hält das historische Kleinod in Schuss

Langenselbold. Dank der Arbeit des Förderkreises Schloss Langenselbold sind die historischen Gebäude gut in Schuss. Der Bausubstanz und dem denkmalpflegerischen Zustand gibt Thomas Egel, Chef des Förderkreises, die Schulnote „gut“. Seit seinem Bestehen hat der Verein für das Schloss rund eine halbe Million Euro eingeworben.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Egel ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Förderkreises Schlosses Langenselbold. In einem Gespräch mit unserer Zeitung, sagte der 57-Jährige wie er zu dem verantwortungsvollen Posten gekommen ist und welche Aufgaben es in der Zukunft gibt.

Thomas Egel ist 1984 nach Langenselbold gezogen. Geboren ist er „im tiefen Westerwald“, wie er sagt. Genauer gesagt in Altenkirchen. Den Städteplaner und Landschaftsarchitekten hat es damals in die Gründaustadt verschlagen, als der Ingenieur in der Bauverwaltung der Stadt Hanau eine Stelle antrat. „Und das schöne Langenselbold hat mich dazu verführt, hier zu wohnen“, sagte er. „Das Freizeitangebot, der Kinzigsee, die Landschaft und der Ort waren ausschlagend“, sagte er.

VorstandsteamDer Ingenieur war von 1984 bis 1991 bei der Stadt Hanau beschäftigt. „Dann habe ich in ein Ingenieurbüro gewechselt. Und 1997 habe ich mich erst in Hanau und dann in Langenselbold selbständig gemacht“, so Egel. Seit zehn Jahren ist sein Firma unter dem Namen Planungsgruppe Thomas Egel in der Gründaustadt ansässig.

Egel wurde vor zwei Jahren angesprochen, ob er es sich vorstellen kann, Chef des Förderkreises zu werden. Und er konnte es sich vorstellen. Einschränkend wies Egel im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass der Vorstand gleichberechtigt aus drei Personen besteht. Neben ihm, der für das Organisatorische, technische Fragen und die Kontakte zu Behörden und Verwaltungen zuständig ist, kümmert sich Rainer Habermann um die Öffentlichkeitsarbeit und Alexandra Klemmer um die Finanzen.

Schnittmenge zur StadtverwaltungDer demographische Wandel der Gesellschaft ist auch beim Förderkreis angekommen. „Was vor 20 und mehr Jahren noch funktioniert hat, geht heute nicht mehr, weil der Alterschnitt der Mitglieder immer höher wird. Früher war es üblich, Decken und Wände von Ehrenamtlichen abbrechen zu lassen. So etwas kann man heute niemandem mehr zumuten“, sagte er. Dafür bekomme man heute keine Leute mehr zusammen. Das gelte auch für die Garten- und Parkpflege.

Egel sieht den Förderkreis als Schnittmenge zur Stadtverwaltung. „Unsere Aufgabe ist es, die Stadt in der Unterhaltung des Schlosses und der Parkanlage zu unterstützen. Wir sind der einzige Verein in der Stadt Langenselbold, der Geld mitbringt, um Verwaltungsaufgaben der Stadt zu unterstützen, in diesem Falle der Stadt als Eigentümerin des Schlosses zu helfen.“

Über 280 MitgliederDer Förderkreis bekomme aber kein Geld von der Stadt. Es sei genau umgedreht: „Wir geben der Stadt vielmehr Geld“, so Egel. Der Förderkreis habe seit seinem Bestehen allein durch Spenden zirka 250 000 Euro gesammelt. Dazu kämen auch noch Zuwendungen von der Sparkasse, dem Kreis oder Denkmalbehörden. Schließlich müsse man noch die Arbeitsleistung der Mitglieder berücksichtigen. Unter dem Strich müssen zirka 500 000 Euro zusammen gekommen sein, die der Förderverein in das Schloss gesteckt habe.

„Das Schloss war einmal so marode, dass die Erhaltung mit eigenen städtischen Mitteln nicht zu bewältigen war. Deshalb wurde der Förderkreis gebildet. An der Erhaltung des Schlosses besteht nach wie vor ein großes Interesse. Wir haben über 280 Mitglieder. Das ist nicht gerade wenig“, sagte er.

Grundunterhaltung obliege der StadtUnlängst habe der Förderkreis die Sandsteintreppe und den Stucksaal saniert. Jetzt sei die Restaurierung der historischen Seidentapeten geplant. Für die Sandsteintreppe gab es damals einen Zuschuss von 1000 Euro von der Stadt. Ferner habe der Förderkreis Baumpflanzungen bezahlt.

Die Grundunterhaltung obliege der Stadt. Sie sorge zum Beispiel für den Betrieb der Heizung oder das Funktionieren der Feuermelder. Aber die Innenausstattung, wie sie einem Schloss gezieme, gehöre nicht zu den originären Aufgaben der Stadt. Sie könnte beispielsweise sagen: Statt Seidentapeten komme ein schlichter Putz an die Wand. Der Förderverein sorge dafür, dass die Fragen des klassischen Denkmalschutzes berücksicht werden. „Wir stellen immer wieder bei unseren Führungen fest, dass nur wenige Besucher – vor allem Neubürger – das Schloss gar nicht kennen“, so der Vorsitzende. In diesem Jahr soll das Angebot für die kostenlosen Schlossführungen noch ausgedehnt werden. Die Führungen werden auch gerne für Gruppen angeboten. Die Details sind der Homepage zu entnehmen.

Finger in die Wunde legen„Jährlich gibt es Begehungen mit den Denkmalschutzbehörden“, hieß es weiter. Die Vertreter stellten den Langenselboldern stets ein gutes Zeugnis aus, was auch als Lob für die gute Arbeit des Förderkreises gewertet werden könne.

Die Mitglieder des Förderkreises legten auch „den Finger in die Wunde“. So gab es Kritik daran, dass die Wiese des Schlossparks stellenweise hässliche, braune Flecken beziehungsweise Kahlstellen aufweise durch intensive Nutzung für Event-Aktivitäten.

Vorgaben des DenkmalschutzesEine kommende Baustelle ist die Aufwertung des Schlossparks. Neben den bereits kommunizierten Projekten überlege der Verein derzeit, ob die Fugen des Mauerwerks der Ballettschule genau so saniert werden wie das bereits am Domizil des Heimat- und Geschichtsvereins auf der anderen Seite des Parks in der Vergangenheit geschehen sei.

„Da geht es um richtig viel Geld, weil Vorgaben des Denkmalschutzes berücksichtigt werden müssen“, so Egel. Da gehe es zum Beispiel um die Frage der Farbe des Fugensandes und woher er komme. Die Verfugung des Museums habe 15 000 bis 20 000 Euro gekostet.

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