Auch wenn vieles um den Sandstein „Hermekruk“ rätselhaft bleibt, plädiert Dr. Keil dafür, das Monument als Gedenkstein für einen Verunglückten zu sehen. Foto: Kleine-Rüschkamp

Langenselbold

Sandstein-Denkmal "Hermekruk" gibt Rätsel auf

Langenselbold. Dr. Manfred Keil erforscht das Rätsel um das Sandstein-Denkmal „Hermekruk" in Langenselbold. Doch nach wie vor ist der Sinn des über 500 Jahre alten Denkmals noch nicht 100-prozentig erschlossen.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Dr. Manfred Keil, Vorsitzender des Langenselbolder Vereins für Geschichte und Heimatkunde, erforscht mit Irene Staeves (Gelnhausen) das Rätsel um das Sandstein-Denkmal „Hermekruk“. Das stattliche 2,50 Meter hohe Relikt steht seit 2014 vor dem Langenselbolder Heimatmuseum.

Die Publikation soll laut Dr. Keil Anfang 2017 in „Die Hessische Heimat“ erfolgen. Keil stellte unserer Zeitung die jüngste Manuskript-Version zur Verfügung. Nach wie vor hat sich der Sinn des über 500 Jahre alten Denkmals noch nicht 100-prozentig erschlossen, wenn man die eingemeißelte Jahreszahl 1507 zu Grunde legt.Eher als „Rastplatz“ als Aufruf für ReisendeIn seinem Fazit über die „Anatomie eines 500-jährigen Denkmals“ – so der Untertitel der Untersuchung – heißt es: „Aus welchem Anlass und unter welchen Umständen das Denkmal 'Hermekruk' geschaffen wurde, ist dem Stein mit seiner Inschrift aus heutiger Sicht nicht zu entlocken. Der von verschiedenen Heimatforschern beziehungsweise Autoren hartnäckig favorisierten Theorie eines Gedenksteines für den Gelnhäuser Consul und Bürgermeister Hermann Krug kann aber nicht gefolgt werden“, folgert Dr. Keil.Auch dass Hermann Krugs Epitaph in der Gelnhäuser Kirche den gleichen Kielbogen mit Kreuz getragen habe, sei für einen gesicherten Beweis dieser Herkunftstheorie nicht ausreichend, heißt es weiter in „Der Selbolder 'Hermekruk'“. Die Stele wäre schon eher als „Rastplatz“, als Aufruf für Reisende zu einem „Gebet“ oder als „Schutzmal“ für die Tiere auf der Weide zu verstehen, meint der Autor.Sinnspruch ist rätselhaftRätselhaft sei aber der in Initialen eingemeißelte Sinnspruch „GOT GNADE DER SELE, AM“. „Er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gedenkstein für einen Verunglückten, für wen und warum bleibt vorerst noch ein Geheimnis“, folgert Dr. Keil.„Ein weiteres Rätsel geben uns die beiden Schleifrillen an der linken Seite des Denkmals auf. Vergleichbare Rillen finden sich in Deutschland an sakralen Orten wie Kirchen und Steinkreuzen, aber auch an ägyptischen Tempeln. Dienten sie zum Schleifen von Werkzeugen, zum Entschärfen, zum Gewinnen von heilkräftigem Steinmehl oder einem anderen Zweck? Es gibt viele interessante Deutungen, aber noch keine Beweise. Offensichtlich sind aber die Mulden an der linken Fläche des 'Hermekruk' durch das Schleifen von Werkzeugen entstanden, so wie die Schleifmulden am Steinbruch von Gebel el Silsila in Ägypten und an der Bartenwetzerbrücke in Melsungen,“ so der Autor weiter.Legende eines unbehauenen SandsteinblocksZur Geschichte der Standorte schreibt Dr. Keil über die Legende eines unbehauenen Sandsteinblocks. Der Stein solle dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa in Höhe des Langenselbolder Weinberges den Weg versperrt haben.„Als keiner der kaiserlichen Reiter in der Lage war, den Stein zu bewegen, trat ein junger Isenburger Ritter, ein Sohn des Grafen, hervor und schob den Stein mühelos zur Seite. Davon sehr beeindruckt verlangte Barbarossa eine weitere Tat von dem jungen Isenburger, nämlich er solle den Stein so weit tragen, wie er nur kann und das so markierte Gelände gehöre dann ihm. Dies ließ sich der junge Mann nicht entgehen. Er nahm den riesigen Sandsteinblock und trug ihn (oder warf ihn) bis zu einem Hang, wo er liegen blieb. So weit die Legende von 'Kraft Isenburg'“ (Schleucher), heißt es in der Untersuchung weiter.Stein soll Landwirt im Weg gewesen seiErwiesen sei jedoch die Geschichte des behauenen Steins in den Kinzigwiesen von Langenselbold, etwa 300 Meter südlich der Straße westlich des Betteweges (heute: Weg zum Segelflugplatz in Richtung Auebrücke). Die Flur heißt heute „Hinter der Betthecke“.Der Stein soll einem Landwirt im Weg gewesen sein, weshalb er ihn vergraben habe. 1910 wurde der Stein wieder ausgebuddelt und an einem Platz an der Fernstraße umgesetzt, wo er mit einem Zaun eingefriedet worden war. 1968 erhielt der Sandstein wegen Straßenbauarbeiten ganz in der Nähe abermals einen neuen Platz.Laut Dr. Keil gibt es noch zahlreiche Fragen, die offen sind:

  • Wie lange lag der Rohling von seinem Bruch bis zu seiner Bearbeitung?
  • Aus welchem Steinbruch stammt der Rohling (Langenselbold, Gelnhausen, Meerholz, Büdingen)?
  • Wann wurde er behauen, ist das gemeißelte Datum auch das der Bearbeitung?
  • Wo wurde er behauen?
  • War der Acker am Betteweg sein erster Standort?

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