Fasziniert von dem Roboter mit automatischem Greifarm ist auch der 14-jährige Joshua (Mitte) aus Freigericht, der mit seinem Vater zum Tag der Ausbildung von Thermo Fisher nach Selbold gekommen ist, um sich über technische Berufe zu informieren. Azubi Thorben erläutert ihnen, was der Roboter alles kann. Foto: Claudia Raab

Langenselbold

Roboter testen: Thermo Fisher sucht Azubis für technische Berufe

Langenselbold. „Es ist schwierig, junge Leute zu finden, die einen handwerklichen Beruf ergreifen wollen. Die meisten machen lieber Abitur“, bedauert Andrea Eimecke.

Von Claudia Raab

Das träfe mittlerweile nicht nur auf kleine Handwerksbetriebe, sondern ebenso auf mittelständische Industrieunternehmen zu, berichtet die Leiterin der Ausbildungsabteilung bei Thermo Fisher Scientific.

Deshalb veranstaltete das Unternehmen am Selbolder Standort erstmals einen Nachmittag der Ausbildung, um potenzielle Nachwuchskräfte über seine drei Ausbildungsgänge zum Industriemechaniker, Elektroniker und Technischen Designer zu informieren.

Gutes Angebot

Derzeit werden 16 junge Leute bei Thermo Fischer ausgebildet, zum 1. September 2019 sollen noch weitere sechs dazukommen. „Wir haben gute Arbeitsbedingungen, eine 35-Stunden-Woche, Gleitzeit, eine Super-Bezahlung nach IG Metall-Tarif und ein Ausbildungszentrum, in dem sie auf die Prüfungen vorbereitet werden. Sämtliche Auszubildende werden später bei uns übernommen“, betont Eimecke.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Langenselbold nach Ungarn und Schottland bezöge sich nur auf den kaufmännischen Bereich und die Verwaltung, in der Produktion hingegen würden noch weitere Mitarbeiter gebraucht, versicherte die Leiterin der Ausbildungsabteilung.

Von Lehrlingen programmiert

Im Ausbildungszentrum, das nur mit Schutzbrille betreten werden darf, zeigt Azubi Luca den interessierten Besuchern, wie man Drehmaschinen bedient. Er ist noch in der Grundausbildung, denn im ersten Lehrjahr werden in der Auswerkstatt sämtliche Grundtechniken eingeübt. Erst danach durchlaufen die angehenden Industriemechaniker im Rotationsprinzip sämtliche Abteilungen, bis sie zur Vorbereitung auf die Prüfungen wieder im Ausbildungszentrum geschult werden.

Ein paar Schritte weiter lenkt ein Roboter mit automatischem Greifarm und programmierbarer Steuerung die Blicke der Besucher auf sich. Programmiert wurde er von den Lehrlingen zum Elektroniker, die ihn jetzt stolz vorführen.

Rechtzeitig informieren

„Der Industrieroboter ist unsere neueste Errungenschaft, die von den Auszubildenden erst getestet werden darf, bevor er in die Produktion geht“, informiert Eimecke. Nebenan steht Bastian (zweites Lehrjahr) vor seinem selbstgebauten Steuerungskasten für einen Siemens Lastenaufzug. „Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht“, macht er den Umstehenden Mut.

„Ich wollte mir alles mal angucken, weil ich vielleicht einen technischen Beruf ergreifen möchte“, berichtet der 14-jährige Joshua aus Freigericht, der gemeinsam mit seinem Vater gekommen ist. Es sei gut, sich schon früh zu informieren, lobt Aaron und gibt zu, dass er nach der Schule nur wusste, dass er etwas Technisches machen wollte und erst durch eine Berufsberatung der Agentur für Arbeit den Weg zu Thermo Fischer gefunden habe.

Laura, die sich im dritten Ausbildungsjahr befindet, wusste zwar früh, dass sie etwas mit Design machen wollte, aber der Weg zum technischen Produktdesigner war ihr zunächst noch unbekannt. Jetzt reizt sie vor allem die Möglichkeit, dreidimensionale Projekte zu realisieren.

Kein Abitur erforderlich

Obwohl für die genannten Ausbildungsberufe ein qualifizierter Hauptschulabschluss oder ein Realschulabschluss, handwerkliches Geschick und technisches Verständnis ausreichen, waren auch Fachoberschüler und Gymnasiasten am Freitagnachmittag in die Werkshallen gekommen.

„Ich interessiere mich für das Ingenieurwesen und verschaffe mir jetzt einen groben Überblick. Gerade habe ich mein Abitur gemacht und weiß noch nicht, ob ich ein duales Studium oder erstmal eine Ausbildung anfangen möchte“, berichtet Kaitlyn aus Gründau.

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