Das Unvollendete: Aus dem Langenselbolder Dreieck sollte laut der Stadtverwaltung Langenselbold ein Kreuz werden. Die blauschraffierten Auf- und Abfahrten müssten dazu neu gebaut werden. Damit käme man von der A 66 direkt in den Gewerbepark. Foto: PM

Langenselbold

Neue Autobahnauffahrten für Selbolder Gewerbepark wichtig

Langenselbold. „Die neuen Gewerbegebiete von Langenselbold und Erlensee werden in den nächsten 30, 40 und 50 Jahren zusammenwachen“, prophezeit Langenselbolds Bürgermeister Jörg Muth (CDU). Er rät dazu, sich darauf vorzubereiten und eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Planer schauen Jahrzehnte voraus. Vor 50 Jahren sind die ersten Weichen gestellt worden für das Netz aus Fernstraßen, wie man es heute vor den Toren der Gründaustadt vorfindet. Nun baut Langenselbold zwei Gewerbegebiete in der Größenordnung von 35 Hektar, was beileibe kein Pappenstiel ist. Im Frühjahr kommenden Jahres soll der Bebauungsplan rechtskräftig sein.

Es wird Jahrzehnte dauern, bis der „Gewerbepark West“ und der Businesspark Langenselbold-West erschlossen sein werden. Bürgermeister Muth warb am Dienstag im Bauausschuss des Selbolder Stadtparlaments dafür, schon jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Zeit drängt. Der Investor des neuen Gesundheitszentrums, Teil des Gewerbeparks, will loslegen.

Ballungsraum: Weil die Gründaustadt auf 34 Hektar Gewerbe neu ansiedelt, soll das Langenselbolder Dreieck (Bild) langfristig mitwachsen. Foto: Mike Bender

Langfristig muss Muths Auffassung an der Verkehrsinfrastruktur nachjustiert werden. Natürlich entstehen mit dem Gewerbepark und dem Businesspark schon bald neue Straßen in Langenselbold. So wird das Gebiet an die ehemalige B 40 und heutige Kreisstraße 854 zwischen Erlensee und Langenselbolder Dreieck angeschlossen.

Die Alte Straße, heute ein Wirtschaftsweg, wird dazu vom Tegut-Kreisel an ausgebaut und unterder A 45 durchgeführt. Hier kommt Langenselbold eine Entwicklung im benachbarten Erlenseer Gewerbegebiet zu gute, in dem Lidl ein Zentrallager baut.

Mithilfe der weiteren A 45-Unterführung in der verlängerten Robert-Bosch-Straße beziehungsweise des Langenselbolder Weg, soll man quasi im Ringverkehr durch die Gewerbegebiete rollen können. Dazu muss auch die Ravolzhäuser Straße im Bereich des Stadttorkreisels ausgebaut werden, um dem gesteigerten Verkehrsaufkommen gerecht zu werden.

Ein Herz für Frösche: Weil Kröten an der A 45 unterwegs sind und sich hier auch fleißig vermehren, wird es entlang der Autobahn einen zehn Meter breiten Grünstreifen vom oberen „Fortpflanzungsgewässer“, vulgo Löschteich von Möbel Höffner (hellgrün schraffiert), nach Süden geben. Von der neuen Biotopfläche (dunkelgrün) wird es durch die Trasse der neuen Straße nach Erlensee sichere Tunnel als Querungshilfe für die Tiere ins angrenzende Wäldchen geben. Foto: PM

Während sich der Bauausschuss vornehmlich mit der Abarbeitung der Stellungnahmen und Einwände zum Bebauungsplan beschäftigte und das Paket auch zum Erörtern an die Stadtverordnetenversammlung weiterreichte, sprach Muth von einem wichtigen Schritt, der jetzt schon in Angriff genommen werden müsste. Es geht um den Ausbau des Langenselbolder Dreiecks. Es sei nicht vollständig.

Es sei der Bau von zusätzlichen Auf- und Abfahrten notwendig, um den zukünftigen Verkehrsströmen gerecht zu werden. Der Lidl wird ja auf Erlenseer Gemarkung gebaut. „Wir haben vorgeschlagen, zusätzliche Auf- und Abfahren auf die A 45 zu schaffen, damit der Verkehr in Richtung Norden und Süden fließen kann“, sagte Muth.

„Den Bau dieser beiden Auf- und Abfahrten habe ich dem Regionalverband vorgeschlagen. Wir haben sie in den Kommunalgesprächen zur Fortschreibung des regionalen Flächennutzungsplanes eingebracht“, so das Stadtoberhaupt. Hintergrund sei, dass der Plan in der Fortschreibung für das Jahr 2020 berücksichtigt werde und in der überörtlichen Verkehrswegeplanung Eingang finde.

Breit genug: Die Brücke unter der A 45 an der Alten Straße nimmt problemlos zwei Fahrbahnen auf, weil in den 1960er Jahren vorausschauend geplant worden ist. Foto: Torsten Kleinerüschkamp

„Es ist natürlich ein dickes Brett, das man bohren muss, um diese Autobahn-Zufahrten und -Abfahrten bauen zu können“, sagte Muth. „Wir müssen hierfür einen Zeitrahmen von zehn bis 15 Jahren einplanen.“ Durch die möglichen zusätzlichen Auf- und Abfahrten zur A 45 werde der überörtliche Verkehrsfluss in Langenselbold geregelt. „Der innerörtliche Verkehrsfluss wird daran teilhaben und ein Teil des Aufkommens nach Norden und Süden verteilen“, so der Bürgermeister.

Planer Thomas Egel hofft, dass Hessen Mobil entsprechend dem Langenselbolder Wunsch aktiv wird. „Das Langenselbolder Dreieck ist ein Kreuz mit drei Seiten. Die vierte Seite fehlt, nämlich die Verbindung von Erlensee auf die Autobahn 45.“ Egel äußerte sich zufrieden darüber, dass der Gutachter das Thema aufgenommen habe und ein Wink mit dem Zaunpfahl für Hessen Mobil werde. „Dieser wichtige Punkt ist aber nicht kurzfristig umsetzbar“, so Egel.

Drei Krötentunnel

Neu im beabsichtigten Bebauungsplan für den „Gewerbepark Langenselbold West“ ist ein zehn Meter breiter Grünstreifen entlang der A 45, und zwar vom Feuerlöschteich von Möbel Höffner bis zur Unterführung der Alten Straße, die ja vom Wirtschaftsweg zur Straße ausgebaut werden soll.

Einem joggenden Mitglied der Umweltschutzorganisation BUND war vor geraumer Zeit in jenem Gebiet eine kapitale, aber bisher unbekannte Frosch-Population aufgefallen. Der entsprechende Einwand der Naturschützer findet Berücksichtigung im Planwerk.

In der Ergänzung des Aufstellungsbeschlusses wird jetzt auf den Lebensraum der erst kürzlich entdeckten Tiere Rücksicht genommen. Der Feuerlöschteich von Möbel Höffner wird in den Planungen für den Amphibienschutz als „wichtiges Fortpflanzungsgewässer“ berücksichtigt. Der für die Amphibienwanderung vorgesehene zehn Meter breite Grünzug entlang der A 45 endet am Waldgebiet im Süden. Durch die Trasse der neu zu bauenden Straße zu Lidl beziehungsweise zur Kreisstraße 854 sollen drei Krötentunnel hindurchführen. Diese so genannten „Amphibiendurchlässe“ sind im südlichen Bereich zwischen Amphibien-Grünstreifen und dem Wald vorgesehen, wohin die Tiere wandern.

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