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Nachts nimmt das Sicherheitsgefühl bei den Selboldern ab

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Von: Lars-Erik Gerth

Die von Tim Pfeiffer vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass es für ein Drittel der Selbolder einen Ort in der Stadt gibt, an dem sie sich unsicher fühlen.
Die von Tim Pfeiffer vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass es für ein Drittel der Selbolder einen Ort in der Stadt gibt, an dem sie sich unsicher fühlen. © Lars-Erik Gerth

Ein Aspekt der Ergebnisse der Sicherheitsbefragung im Rahmen der Kompass (Kommunalprogramm Sicherheitssiegel)-Initiative spricht dafür, dass das Thema „Sicherheit“ bei den Selboldern einen größeren Stellenwert besitzt: Mit fast 30 Prozent Rücklauf an Fragebögen liegt die Gründaustadt unter den bisher knapp 35 hessischen Kommunen, die an dem Projekt des Innenministeriums teilnahmen, auf einem hervorragenden zweiten Platz. Nur in Bad Soden war die prozentuale Beteiligung der Bevölkerung höher.

Langenselbold – Tim Pfeiffer von der Professur für Kriminologie des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Gießener Justus-Liebig-Universität, die die Umfrage vorgenommen und ausgewertet hat, stellte die Ergebnisse am Montagabend (2. Mai) in der Klosterberghalle vor. Anwesend waren dabei nicht nur Vertreter der Selbolder Parteien sowie der Polizei, sondern beispielsweise auch die drei ehrenamtlichen Seniorensicherheitsberater. Ursula Linke, Michael Bednarski und Volker Roth sind die Anlaufstellen für die Selbolder Senioren, wenn sie Hilfe und Beratung in Sachen Sicherheit benötigen.

Gute Ergebnis: Fast 30 Prozent Rücklauf an Fragebögen

Wie Pfeiffer zu Beginn erläuterte, wurden nicht alle 13 199 Personen ab 14 Jahren, die ihren Haupt- und Nebenwohnsitz in der Gründaustadt haben, per Brief gebeten, an der Umfrage teilzunehmen. Viel mehr wurden 3740 Bürger zufällig ausgewählt. Und von diesen füllten genau 1085 Frauen und Männer die Fragebögen aus.

Pfeiffer stellte in seinem rund einstündigen Vortrag nicht die Ergebnisse sämtlicher Fragen vor, sondern pickte sich signifikante Punkte heraus. Zunächst betrachtete er die Aspekte der so genannten Kriminalitätsfurcht. Für den affektiven Bereich (emotionale Ebene) nannte er das Resultat, dass sich 34,4 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage nachts unsicher fühlten, wenn sie in der eigenen Wohngegend zu Fuß unterwegs sind. Tagsüber gaben hingegen nur 3,4 Prozent an, dass sie sich unweit ihres Zuhauses unsicher fühlten.

Selbolder rechnen vor allem mit Sachbeschädigungen

Bei der kognitiven oder deliktsbezogenen Kriminalitätsfurcht wollten die Studenten von den Befragten wissen, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass ihnen eine oder mehrere der aufgeführten neun Straftaten widerfahren könnten. Der Bereich Schachbeschädigung erhielt dabei in der Kategorie „Wahrscheinlich“ mit 30,8 Prozent den höchsten Wert, gefolgt von „Pöbelei“ (26,3), Einbruch (18,7) und Diebstahl (14,4). Die Taten, die die Befragten für am unwahrscheinlichsten hielten, waren: Sexueller Angriff (98,0 Prozent), Terroranschlag (96,6), Körperverletzung (95,9), sexuelle Belästigung (95,8) und Raub (90,2). Pfeiffer erläuterte, dass die Zahlen gegenüber den anderen Kommunen nicht signifikant abweichend ausgefallen seien. Positiv bewerteten die Studenten unter kriminalpräventiven Gesichtspunkten, dass 23,5 Prozent der teilnehmenden Selbolder angaben, dass sie bereits einen Einbruchsschutz installiert hätten, um sich persönlich sicherer zu fühlen. Denn durch technische Sicherungsmaßnahmen könne es durchaus gelingen, „Täter von einer Tatbegehung abzubringen“.

Die Befragung ergab auch, dass es in der Gründaustadt einige Bereiche gibt, in denene Bürger befürchten, Opfer von Kriminalität zu werden. Diese werden von der Wissenschaft als „Angstorte“ bezeichnet. Laut Pfeiffer seien in Selbold 31 verschiedene Orte genannt worden. Bürgermeister Timo Greuel hakte an dieser Stelle jedoch ein und erläuterte, dass mehrfach ein- und dieselbe Gegend, an der sich die Befragten besonders unsicher fühlten, mit verschiedenen Bezeichnungen versehen wurden. So seien der Wasserspielplatz 25-mal und der Park Gründauaue 23-mal genannt worden, dies müsse aber als ein Bereich gesehen werden. Ähnlich sei es bei Jüdischer Friedhof (acht Nennungen) und „Rentnerschnellweg“ (elf).

„Angstorte“: Bahnhof mit meisten Nennungen

Wenig überraschend, so Pfeiffer, sei der Bahnhof (25) am häufigsten als Angstort genannt worden. Denn auch in den meisten anderen Kompass-Kommunen sei es jeweils das Gelände am Bahnhof gewesen, das die meisten Nennungen erhalten hat.

Nach der Präsentation der Ergebnisse der Umfrage wird das Kompass-Projekt in naher Zukunft mit der ersten Sicherheitskonferenz fortgesetzt. In dieser soll darüber diskutiert werden, welche Rückschlüsse aus der Befragung zu ziehen sind und welche Maßnahmen vorgenommen werden könnten. Zu der Konferenz lädt die Stadt ein. Zu den Teilnehmer können Vertreter von Vereinen, Schulen, Behörden oder Institutionen wie Senioren- und Präventionsrat zählen.

Von Lars-Erik Gerth

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