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Nach CDU-Palastrevolte: Heck legt Amt als Fraktionsvize nieder

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Patrick Heck fühlt sich als Opfer einer Inszenierung. Der aus dem Amt gedrängte Parteichef sieht seine Ägide positiv. Foto: Kleine-Rüschkamp
Patrick Heck fühlt sich als Opfer einer Inszenierung. Der aus dem Amt gedrängte Parteichef sieht seine Ägide positiv. Foto: Kleine-Rüschkamp

Langenselbold. Wie geht es nun weiter im Langenselbolder Stadtverband? Wird nach dem Aufstand gegen Parteichef Patrick Heck der Riss noch größer, der mitten durch die Partei geht? Was sagt der 29-jährige Heck dazu, dass er sein Amt an Gerhard Mohn verloren hat?

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Zunächst einmal hat sich das Personalkarussell nach der turbulenten Jahreshauptversammlung des CDU-Stadtverbandes weiter gedreht. Viele Positionen im Vorstand sind per Akklamation neu besetzt worden (siehe weiterer Artikel). Nun hat auch Patrick Heck seinen Rücktritt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender erklärt. „Verständlicherweise kann nach solch einem Hinterhalt keine Vertrauensbasis mehr zum Fraktionsvorsitzenden bestehen“, erklärte der Gestürzte.

Heck will aber Stadtverordneter bleiben und sich von einem „solch inszenierten Grabenkampf nicht entmutigen“ lassen. Er möchte weiterhin das „von Steffi Gerk“ und ihm „geschriebene Kommunalwahlprogramm umsetzen“. Gerk hatte bei der Versammlung am Freitag signalisiert, nicht mehr für den neuen Vorstand zur Verfügung zu stehen.

Polarisierung sei Teil des politischen Geschäftes„Ich war gerne Stadtverbandsvorsitzender. Es war kein Prestigeamt, sondern von der ersten Minute an ein Arbeitsauftrag, den ich mit meinem Vorstand gerne erfüllt habe. Die Messlatte für den neuen Vorstand liegt jetzt enorm hoch“, so der Geschasste am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zu dem Vorwurf, polarisierend zu wirken, entgegnete der aus dem Amt Getriebene nun: „Mein Kurs war ambitioniert und arbeitsintensiv, das hat viel Arbeit für alle Beteiligten bedeutet und das wiederum hat nicht jedem gefallen. Wer aber erfolgreich sein will, der muss auch etwas dafür tun und wer 'Mehr' verspricht, muss auch 'Mehr' leisten. Eine gewisse Polarisierung ist und bleibt immer ein Teil des politischen Geschäftes“, sagte er.

Bürgermeisterwahl 2020Heck, dem mangelnde Integrationsfähigkeit vorgeworfen worden ist, sagte dazu: „Wir haben durch die regelmäßige Vorstandsarbeit, Mitgliederversammlungen und die vielen neuen Veranstaltungsformate über mehrere Jahre hinweg einen breiten Rahmen geschaffen, in den sich jeder Interessierte einbringen konnte. Ein Kritiker, der sich nicht in die Vorstandsarbeit einbringt, aber herausnimmt, als Richter über andere urteilen zu können, hat meines Erachtens ein Glaubwürdigkeitsproblem“, so der ehemalige Parteichef.

Auf die Frage, ob Heck selbst bei der im Jahr 2020 anstehenden Direktwahl seinen Hut als Langenselbolder Bürgermeisterkandidat in den Ring werfen will, ging er dezidiert nicht näher ein, sagte aber: „Die Entscheidung über eine Kandidatur steht aktuell noch nicht an. Die Bürger sehen und wissen am Wahltag aber, wer sich für sie einsetzt, wer präsent ist“.

Vom Defizit ins PlusDer 29-Jährige sieht gleichwohl, dass die Langenselbolder CDU in puncto Bürgermeisterwahl 2020 noch nicht den Kopf in den Sand stecken muss. „Eine Chance besteht selbstverständlich immer“, findet er. Zum Vorwurf, die Politik vernachlässigt, der Wirtschaftlichkeit aber großen Raum eingeräumt zu haben, sagte Heck: „Wir haben die Kasse des Stadtverbandes mit einem Defizit nach dem Bürgermeisterwahlkampf 2014 übernommen und stehen heute deutlich im Plus. Dies ist beachtlich, da wir nicht nur gespart, sondern strategisch in die Parteiarbeit vor Ort investiert haben. Nach dem ich Roger Sievers im letzten Jahr als Schatzmeister gewinnen konnte, haben wir begonnen, eine neue Finanzstrategie zu entwickeln“. Er bekräftigte, dass sogar „die Einrichtung einer CDU-Geschäftsstelle finanziell durchaus möglich“ gewesen wäre.

Bewusst dramatisiert und inszeniertZum Vorwurf, hauptsächlich als „Festausschuss“ fungiert zu haben, entgegnete der Angegriffene: „Da hat sich jemand schlicht zu unsachlichen Äußerungen hinreißen lassen“. Zahlreiche von ihm initiierte Veranstaltungen – wie „Kita der Zukunft“, „Faire Rente“, „Mehr Sicherheit“ oder Bürgerbefragungen hätten nichts mit einem „Festausschuss“ zu tun. „Dass wir über die politische Arbeit hinaus auch im Eventbereich gut aufgestellt waren, spricht eher für meinen Vorstand statt dagegen“, so Heck weiter.

Der ehemalige Parteichef sieht im Übrigen keine Zerrissenheit der Langenselbolder CDU. „Wir diskutieren im Stadtverband und der Fraktion das ein oder andere Thema auch mal etwas intensiver, das stimmt. Dies bedeutet aber nicht gleich, dass man zerstritten ist. Hier wurde bewusst dramatisiert und inszeniert“, so Heck gegenüber unserer Zeitung.

Argumente statt PostenMit einem zerrissenen Stadtverband wären die Projekte der letzten Monate niemals möglich gewesen. „Wer es auf Zerrissenheit anlegt, der wird sie am Ende auch bekommen“, vermutet er.

„Die Inszenierung vom Freitag war sicher alles andere als zielführend und hat dem Stadtverband geschadet“, so Heck. Es gehe im politischen Geschäft um die besten Argumente im Interesse der Bürger und nicht um die meisten Posten. Dass die CDU gestärkt aus diesem Abend gehe, halte er für „höchst fragwürdig“.

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