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Auch die wenigen Besucher tragen Mundschutz. 

Maifeier ins Wasser gefallen

Wegen Corona und Regen geht es auf dem Baumwieserhof viel ruhiger zu als sonst

  • vonThomas Seifert
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Seit gut 20 Jahren ist der Baumwieserhof 5 der Familie Reichert ein Anziehungspunkt am Maifeiertag, am Vatertag und an Fronleichnam. Wanderer, Ausflügler, Spaziergänger und Radfahrer besuchen das Hoffest, bei dem es Deftiges und Schmackhaftes vom Grill, Pommes Frites und Crepes gibt.

„Für viele Selbolder und Bürger umliegender Gemeinden gehört das Hoffest zum 1. Mai dazu, mehrere hundert Besucher waren nicht die Ausnahme, sondern die Regel – wenn das Wetter mitspielte“, berichtet Uwe Reichert. In den vergangenen Jahren wurden regelmäßig Shuttlebusse mit festem Fahrplan von allen Haltestellen – außer dem Bahnhof Langenselbold – zum Baumwieserhof eingesetzt. 

„Dieses Angebot war vor allem bei älteren Bürgern sehr beliebt, denn wir liegen ja schon etwas außerhalb der Stadt“, sagt Uwe Reichert. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Kein Hoffest, keine Musik, keine Festzeltgarnituren – nur der große Schwenkgrill ist aufgebaut, die Friteuse angeworfen und der Crepes-Wagen vorgefahren. 

Mühe hat sich leider nicht gelohnt

Die Männer hinter dem Grill sowie Tochter Lara bei den Crepes tragen entweder Plastikschutzschilde oder Mundschutz.

„Auch für uns gilt: Mundschutz und Abstand halten, Essen nur auf Abholung, kein Verzehr vor Ort oder Würstchen nur im Stehen und mit zwei Meter Distanz zum nächsten Besucher“, erläutert Uwe Reichert. Auf auffälligen Schildern wird auf die Regeln hingewiesen, mit Absperrband sind die Wartezonen gekennzeichnet und die Männer hinter dem Grill sowie Tochter Lara bei den Crepes tragen entweder Plastikschutzschilde oder Mundschutz. Alles wie vorgeschrieben, darauf legt Uwe Reichert Wert. 

Doch die Mühe und viele Vorbereitungsarbeit hat sich nicht gelohnt. Als der Reporter zur besten Mittagessenszeit auf dem Baumwieserhof vorbeischaut, steht gerade eine einzige Kundin, eine Radfahrerin, am Verkaufswagen und kauft sich eine Bratwurst. Ansonsten stehen Reichert, seine Töchter und seine Helfer untätig herum. „Bis vor einigen Minuten hat es hier noch aus wie aus Kübeln gegossen, kein Wunder, dass keiner hier rauskommt“, stellt der Festwirt resigniert fest. „Bei gutem Wetter sind hier im Hof und auf der großen Wiese alle aufgestellten Garnituren besetzt“, fügt Lara Reichert hinzu. Doch Petrus spielt in diesem Jahr nicht so mit, wie die Menschen es nach dem grandiosen April erwartet hatten, statt Sonne pur nur wolkenverhangener Himmel bei kühlen 12 Grad und immer wieder Regen. 

Keine Wiederholung an Fronleichnam

Auf auffälligen Schildern wird auf die Regeln beim Baumwieserhof hingewiesen, mit Absperrband sind die Wartezonen gekennzeichnet.

Gerade will sich der Reporter vom Hof machen, als doch noch zwei Gäste eintrudeln. Der eine ist ein guter Bekannter „und ein Stammgast bei den Hoffesten seit vielen Jahren. Der Uwe hat mit seiner Mannschaft im vergangenen Jahr auch meinen 70. Geburtstag ausgerichtet“, erzählt der ehemalige Kreislandwirt und Ehrenpräsident des Hessischen Bauernverbands, Friedhelm Schneider. Er ist von seinem Hof in Niedergründau schnell mit dem Auto gekommen, um sich „Essen to go“ zu holen – Bratwürste und Pommes Frites stehen bei den Schneiders heute auf dem Speiseplan. 

Ungeachtet des wenig erfreulichen Verlaufs des Maifeiertags auf dem Baumwieserhof mit zuletzt rund 1000 Besuchern wird Uwe Reichert die Veranstaltung an Fronleichnam künftig nicht mehr anbieten. „Hier in der Gegend wird das irgendwie nicht gefeiert, das sieht zum Beispiel in Mittelhessen ganz anders aus. Es lohnt sich nicht, deshalb streichen wir diesen Tag“, kündigte der Mann vom Schwenkgrill an.

Keine Festzeltgarnituren, keine Musik, kein Hoffest: Aufgrund der Corona-Krise ist in diesem Jahr alles anders bei Familie Reichert in Langenselbold.

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