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Leidenschaft Matchbox: Der Sonntagsfahrer

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Zu jedem Modell besitzt Peter Steiner die passende Matchbox-Schachtel im Original, natürlich auch zu diesem Mercedes 300 SE, gebaut in den Jahren von 1968 bis 1970. (Fotos: Kleine-Rüschkamp)
Zu jedem Modell besitzt Peter Steiner die passende Matchbox-Schachtel im Original, natürlich auch zu diesem Mercedes 300 SE, gebaut in den Jahren von 1968 bis 1970. (Fotos: Kleine-Rüschkamp)

Langenselbold. „Komm, Peter, wir gehen einkaufen“, sagt der Onkel. Komisch – eigentlich ist doch Sonntag? Der Onkel klingelt bei einem befreundeten Spielzeughändler in Bremerhaven. Und Peter bekommt eine „Privataudienz“, die er nie mehr vergisst.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Mit vier Matchbox-Autos kommt der Achtjährige vom Sonntagseinkauf nach Hause. So etwas prägt ein Leben lang. Der Begriff Sonntagsfahrer ist bei ihm positiv besetzt.

Eigentlich ist der Verwandte „schuld“, dass Peter Steiner heute ein leidenschaftlicher Matchbox-Sammler ist. Ob Jaguar E-Type, Rolls Royce Silver Cloud oder Ferrari Berlinetta: Peter Steiner hat sie alle.

Miniaturen im Schaukasten

Die Traumautos parken nicht vor der Haustüre, sondern stehen als Miniaturen im Schaukasten. Doch zum Fuhrpark gehören nicht nur Luxus-Karossen, sondern auch Lastwagen, Caravans oder Straßenbaumaschinen. Zu jedem Modell gibt es die kleine Schachtel – die Matchbox. Natürlich als Original.

Jungen lieben Matchbox-Autos. In den 50er, 60er und 70er Jahren dürfte es kaum einen Buben gegeben haben, der nicht auf Knien herumrutschte und davon träumte, einmal selbst so einen Mercedes 300 SE zu fahren. Steiner, Jahrgang 1959, hat da keine Ausnahme gemacht. Heute aber ist er Sammler. Er gehört zu einem kleinen Kreis ernsthafter Matchbox-Liebhaber, von denen es in Deutschland vielleicht sieben an der Zahl gibt. Der Wert eines der kleinen Wägelchen kann schon einmal in die Tausende gehen.

Die Farbe macht den Unterschied

Es macht nämlich schon einen gewaltigen Unterschied, ob die Karosserie eines Wohnwagens braunmetallicfarben ist oder hellgrünmetallic schimmert. Das braune Matchbox-Modell hat einen Sammlerpreis von 92 Euro, das grüne aber einen Wert von 1000 Euro, sagt der Langenselbolder, der bei Evonik in Hanau-Wolfgang im Repro-Center beschäftigt ist.

Weshalb es beim Wert von Matchbox-Autos solche gravierenden Unterschiede gibt, muss man wissen, wie die Spielzeugfabrik einst in England getickt hat.

Raritäten machen Sammler glücklich

Die ab 1953 von Lesney Products und Co. Ltd. in London produzierten Matchbox-Autos sind so erfolgreich, dass sie weltweit exportiert werden. Am Fließband der Firma stecken Arbeiter Einzelteile zu einem Ganzen zusammen. Sind beispielsweise in der Montagekiste für die Bereifung keine schwarzen Räder mehr vorrätig, kommt es vor, dass Beschäftigte eben in Eigenintiative graue Pneus einem Jaguar E Type anhefteten.

So entstehen bei Lesney Products und Co. Ltd. nicht vorgesehene Produkte mit Abweichungen. Und gerade solche „Fehlfarben“ können einmal oft sehr wertvoll werden, weil sie rar sind und bleiben. Und das ist der Stoff, der Sammler glücklich macht. Wenn dann auch noch der Erhaltungszustand stimmt, ist alles gebongt.

Kleines Glück für 59 Cent

Zu Steiners Stolz gehört ein original erhaltene und noch nicht geöffnete Blisterpackung eines 1966 produzierten M.G. 1100 der British Motor Company. Für den Markt in den Vereinigen Staaten von Amerika packte Matchbox seine Autos samt Schachtel in eine Blisterpackung. „59 Cent“ steht darauf. So viel kostete damals der kleine Morris in den USA.

Steiner lebt mit seiner Frau Katja Mühlchen seit 2004 in Langenselbold. Während Steiner in Bremerhaven geboren ist, ist Mühlchen gebürtige Hanauerin.

Autofan durch und durch

Ach so: Dass Steiner ein Autofan ist, muss nicht weiter extra betont werden. Er mag natürlich die großen Autos. Auf seiner Webseite hat er alle bisher von ihm gefahrenen Vehikel in Text und Bild veröffentlicht, immerhin 25 an der Zahl. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, was er mit den Autos erlebt hat und welche Marken er niemals wieder kaufen würde. Und als begeisterter Fotograf hat er natürlich alle seine Miniatur-Schätze katalogisiert und im Internet präsentiert. Er besitzt natürlich auch noch andere Fabrikate in verschiedenen Sammlungen, beispielsweise Corgy Toys oder Schuco.

3165 verschiedene Modelle

Auf seine ersten, an einem Sonntag in Bremerhaven gekauften Matchbox ist Peter mächtig stolz. „Jeden Abend, bevor ich ins Bett ging, habe ich die Autos exakt im Regal aufgestellt und geparkt“, erinnert er sich. Leider haben die ersten Wägelchen seine zahlreichen Umzüge nicht überdauert und verlieren sich im Laufe der Geschichte im Nichts. „Ich habe kein einziges Auto meiner Kindheit mehr“, bedauert er heute.

Die Gurus der Szene haben in den entsprechenden „Bibeln“ genau nachgezählt: Matchbox hat 3165 verschiedene Modelle gebaut bis zum klassischen Produktionsende 1969 der Reihe mit normalen Reifen (Regular Wheels). Der Erfolg der Hot-Wheels-Reihe von Mattel – Autos mit leichtlaufenden Reifen – läutet das Ende der Regular Wheels von Matchbox ein.

Spielzeug in Streichholzschachtelgröße

Doch zurück: Lesney Products und Co. Ltd. stellt 1962 eine Million Matchbox pro Woche her. In den Jahren danach wird der Ausstoß noch deutlich höher. Woher kommen aber nun die „Streichholzschachteln“ her? Dies ist einem englischen Gesetz zu verdanken, wonach englische Kinder nur Spielzeug mit in die Schule mitbringen durften, das in eine Streichholzschachtel passte. Jack Odell hatte als Leiter der Entwicklungsabteilung für seine Tochter Anne eine kleine grüne Dampfwalze gebaut. Die passte genau in eine Streichholzschachtel, und der Markenname war erfunden.

www.psteiner.de

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