Dr. Willi Heinrich (links) und Dr. Volker Janssen haben ihre gemeinsame Hausarztpraxis bereits im Juni 2019 geschlossen. Auch sie fanden trotz langer Suche keine Nachfolger.
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Dr. Willi Heinrich (links) und Dr. Volker Janssen haben ihre gemeinsame Hausarztpraxis bereits im Juni 2019 geschlossen. Auch sie fanden trotz langer Suche keine Nachfolger.

Neue Hausärzte in Langenselbold dringend gesucht

Innerhalb von zwei Jahren schließt in der Gründaustadt bereits die dritte Praxis

  • Lars-Erik Gerth
    vonLars-Erik Gerth
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Wenn Dr. Christiane Krampe-Lohrey und Dr. Andreas Krampe am 20. Juni ihre medizinische Tätigkeit nach 42 Jahren beenden werden, schließt innerhalb von zwei Jahren bereits die dritte Hausarztpraxis in der Gründaustadt. Im Juni 2019 schloss die Gemeinschaftspraxis von Dr. Willi Heinrich und Dr. Volker Janssen nach 35 Jahren ihre Pforten.

Langenselbold – Ende 2019 folgte die Hausarztpraxis von Dr. Herbert Sommer, der knapp drei Jahrzehnte in Selbold tätig gewesen ist. In allen drei Fällen suchten die Hausärzte vergeblich nach Nachfolgern.

„Die Situation wird für viele Patienten durch den Wegfall der dritten Praxis innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums sehr schwierig. Ich habe mit meiner Frau vergeblich versucht, einen neuen Hausarzt in Langenselbold oder in der näheren Umgebung zu finden“, berichtete ein Langenselbolder Bürger der Redaktion per E-Mail.

Ähnlich äußerten sich zwei Langenselbolderinnen in Telefongesprächen mit der LZ. Eine 77-jährige Leserin berichtete dabei von ihrem Telefonat mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, die eigentlich sicher stellen soll, dass „gesetzlich Versicherte durch niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten medizinisch versorgt werden“, wie auf ihrer Internetseite www.kvhessen.de zu lesen ist.

Greuel führt Gespräche mit Kassenärztlicher Vereinigung

„Da hieß es, ich könne doch nach Gelnhausen oder Bad Soden-Salmünster fahren, wenn ich in Langenselbold keinen neuen Hausarzt finde, wenn das Ehepaar Krampe Ende Juni aufhört. Das kann doch nicht die Lösung sein“, hielt die Seniorin mit ihrem Ärger über den wenig hilfreichen Ratschlag der KV nicht hinter dem Berg.

Gerade für ältere, nur noch eingeschränkt mobile Selbolder sei die Situation untragbar, „eine kleine Katastrophe“, wie eine andere Langenselbolderin am Telefon meinte.

Bürgermeister Timo Greuel (SPD) kann den Ärger der betroffenen Patienten nachvollziehen. Nach seinen Informationen seien 800 bis 1000 Patienten von der bevorstehenden Schließung der Gemeinschaftspraxis des Ehepaars Krampe betroffen.

Dr. Christiane Krampe-Lohrey und Dr. Andreas Krampe schließen nach 42 Jahren ihre Hausarztpraxis im Steinweg 13 zum 20. Juni.

„Wir sind weiterhin in Gesprächen mit der KV und hoffen, dass sich da noch etwas tut. Man muss allerdings wissen, dass, wenn das Ehepaar Krampe in Ruhestand geht, es dann allein im Altkreis Hanau 25 freie Arztsitze geben wird“, verdeutlicht Greuel die auch andere Kommunen im Westen des Kreises betreffende große Schwierigkeit, neue Ärzte für die Eröffnung oder Übernahme von Praxen zu gewinnen.

„Viele Mediziner ziehen heute ein Angestelltenverhältnis einfach vor, um auch einigermaßen überschaubare Arbeitszeiten zu haben“, nennt das Selbolder Stadtoberhaupt einen wichtigen Grund, warum es immer weniger gelingt, die Lücken beim ärztlichen Angebot nicht nur im Main-Kinzig-Kreis zu schließen.

Neues Gesundheitszentrum soll Ende 2022 fertig sein

Eine große Hoffnung setzt Greuel, wie bereits sein Vorgänger Jörg Muth (CDU), auf das neue Gesundheitszentrum, dessen Realisierung am Feuerwehrkreisel sich aufgrund der Pandemie verzögert und – Stand jetzt – Ende 2022 eröffnet werden soll. Dort wird das bereits bestehende neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) von Katrin Fitzler dann eine ganz wichtige Rolle spielen. Und die schon seit vielen Jahren in Langenselbold praktizierende Ärztin sei, so Greuel gestern im Telefonat mit unsrer Zeitung, im Gespräch mit Kollegen, um weitere Ärzte für das MVZ zu gewinnen.

Ende Januar hatte der Bürgermeister Anfragen von CDU und Freien Wählern zum aktuellen Stand in Sachen Gesundheitszentrum beantwortet. Dabei musste er einräumen, dass sich die im Dezember 2019 vom Investor Vital AG aufgestellten Prognosen nicht alle erfüllt hätten, da „die Corona-Pandemie auch für Ärzte und gesundheitliche Unternehmen zu enormen Problemen“ geführt habe. Mehrere Mietinteressenten hätten deshalb abgesagt, nachdem sie vor der Pandemie ihre feste Zusage gegeben hatten. Aber auch ohne Corona wird es zweifellos immer schwieriger, eine umfassende Ärzteversorgung zu gewährleisten.

Von Lars-Erik Gerth

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