Die Selbolder Altbürgermeister Heiko Kasseckert (links) und Jörg Muth (rechts) , hier mit dem ehemaligen CDU-Bürgermeisterkandidaten Tobias Dillmann, wehren sich gegen den Vorwurf, mit der Nichtannahme ihrer Mandate ein Täuschungsmanöver begangen zu haben.
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Die Selbolder Altbürgermeister Heiko Kasseckert (links) und Jörg Muth (rechts) , hier mit dem ehemaligen CDU-Bürgermeisterkandidaten Tobias Dillmann, wehren sich gegen den Vorwurf, mit der Nichtannahme ihrer Mandate ein Täuschungsmanöver begangen zu haben.

Selbolder Altbürgermeister weisen Vorwurf zurück

Kasseckert und Muth sehen in Mandatsverzicht kein „Täuschungsmanöver“

  • Lars-Erik Gerth
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In seinen Leserbriefen in den Ausgaben der Langenselbolder Zeitung vom 16. und 20. April hatte der Langenselbolder Walter Barthel insbesondere die beiden Altbürgermeister Heiko Kasseckert und Jörg Muth kritisiert und ein Täuschungsmanöver vorgeworfen. Diesen Vorwurf weisen sie nun zurück.

Langenselbold – Die ehemaligen Stadtoberhäupter hatten im Rahmen der Kommunalwahl am 14. März auf der Liste der CDU zur Neuwahl der Selbolder Stadtverordnetenversammlung kandidiert. Die Bürger gaben ihnen jeweils so viele Einzelstimmen, dass es für den Einzug ins Stadtparlament gereicht hätte. Jörg Muth wurde mit 2304 Stimmen auf die dritte Position nach vorne gewählt. Mehr Stimmen als das 2020 abgetretene Stadtoberhaupt erhielten auf der Liste der Christdemokraten lediglich John Philipp Prinz von Isenburg (2491) und Tobias Dillmann (2348). Heiko Kasseckert erreichte mit 1993 nur knapp hinter der Spitzenkandidatin Monika Duderstadt (1999) immerhin Rang fünf.

Muth und Kasseckert verzichteten jedoch darauf, ihr Mandat anzunehmen. In diesem Zusammenhang warf ihnen Walter Barthel in seinem zweiten Leserbrief „ein offensichtliches Täuschungsmanöver“ einer „zerstrittenen Partei“ vor. Außerdem führte er aus: „Wenn Wähler die Form des Kumulierens nutzen und damit ihre Wunschkandidaten direkt benennen, ist es umso enttäuschender, wenn diese absagen. Es bestand wohl gar nicht die Absicht, das Amt anzutreten.“

Dem Vorwurf eines „offensichtlichen Täuschungsmanövers einer zerstrittenen Partei“ traten nun Muth und Kasseckert in einer gemeinsamen Pressemitteilung „entschieden entgegen“. Richtig sei, dass sie für die CDU auf dem letzten und vorletzten Listenplatz kandidiert und mit ihrer Kandidatur deutlich gemacht hätten, dass sie „weiterhin die inhaltliche Arbeit der CDU Langenselbold unterstützen und die Flagge der Union hochhalten“.

Verweis auf die letzten beiden Plätze auf der CDU-Liste

„Personen geben Parteien ein Gesicht, und deshalb war es uns wichtig“, so Kasseckert und Muth, „mit unserer Kandidatur zu zeigen, dass wir die Arbeit und den Kurs der neuen Kandidaten teilen und dafür werben.“ Mit den Platzierungen auf der letzten sowie vorletzten Position auf der Liste der Selbolder CDU „sollte aber für Jedermann erkennbar gewesen sein, dass es nicht unsere Absicht war, direkt in die Stadtverordnetenversammlung einzuziehen“, erklären die beiden Altbürgermeister.

Gleichwohl seien sie an den Diskussionsprozessen, den Personalentscheidungen und der inhaltlichen Ausrichtung der Partei beteiligt und gestalteten die Politik der CDU in Langenselbold mit. In diesem Zusammenhang freuten sie sich darüber, dass es „nach einer schwierigen Phase der innerparteilichen Ausrichtung gelungen ist, zum Ende des vergangenen Jahres wieder Geschlossenheit herzustellen“.

Sie hätten sich für den 14. März ein besseres Ergebnis erhofft, als die CDU ein Minus von 13,4 Prozent hinnehmen musste. Zumal die Christdemokraten „wesentlich und erfolgreich“ zur Entwicklung der Stadt in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten beigetragen haben. Letztlich hätten aber offenbar die Unstimmigkeiten in der Partei zu dem schlechten Ergebnis beigetragen, „was es zu respektieren gilt“.

Beide wollen weiter beratend der Fraktion zur Seite stehen

Die Entscheidung der neuen Fraktion, die „Rolle einer konstruktiven Opposition“ einzunehmen, sei richtig. Auch aus dieser Rolle könne inhaltlich gute Arbeit in Langenselbold geleistet werden. Dafür seien die innerfraktionellen Weichen gestellt. „Von einer Wählertäuschung kann also keine Rede sein.“ Dies könne man laut Kasseckert und Muth allerdings bei Kandidaten, die hauptamtliche Funktionen wie Bürgermeister oder Stadtrat begleiten, durchaus anders sehen. Deren Kandidaturen auf den vordersten Plätzen würden von den Amtsinhabern niemals angenommen. „Gleichwohl ist es legitim, dass auch sie sich zu ihrer Partei bekennen“, was Muth und Kasseckert zu ihrer Zeit auch getan haben.

Abschließend betonen sie in ihrer Stellungnahme, dass sie von dem großen Zuspruch, der ihnen jeweils zuteilwurde, „überrascht und dankbar für die Anerkennung und das Vertrauen“ seien. Sie hoffen „auf Verständnis und bedauern, wenn es Enttäuschungen gegeben haben sollte“.

Von Lars-Erik Gerth

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