Zentrale Lage für die mögliche Ansiedlung von Kreisverwaltungen: Zwei Grundstücke (rot umrandet) gibt es am Langenselbolder Bahnhof, die die Stadt in Abstimmung mit den Eigentümern dem Kreis anbietet. Das größere, als Parkplatz genutzte Areal gehört der Sparkasse und die kleinere und unbebaute Fläche ist im Eigentum der VR-Bank. Archivfoto: Axel Häsler

Langenselbold

Kreisfreiheit: Langenselbold wirft sein Eisen ins Feuer

Langenselbold. Die Gründaustadt positioniert sich im Rennen gegen die Konkurrenten Nidderau, Schöneck und Maintal. Langenselbold bietet dem Main-Kinzig-Kreis zwei konkrete Grundstücke an für den Bau von kreiseigenen Verwaltungsstellen.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Für die Aufnahme von zirka 200 Bediensteten ist der Kreis auf der Suche nach einer Fläche, um die derzeit in Hanau befindlichen Einheiten Führerscheinstelle, Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle, Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA), das Kommunale Center für Arbeit, die Kreisverkehrsgesellschaft und das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe neu unterzubringen.

Hintergrund ist die angestrebte Kreisfreiheit Hanaus („Huxit“), die bei einem Vollzug den Umzug der sechs genannten Verwaltungseinheiten notwendig macht. Natürlich schwebt über allem der Vorbehalt, ob überhaupt einmal die beabsichtigte Kreisfreiheit Hanaus genehmigt wird von der Landesregierung. Während in den Gremien Nidderaus und Schönecks noch über den Wunsch des Kreises diskutiert wird, geeignete Flächen genannt zu bekommen, ist Langenselbold schon einen Schritt weiter.

Bürgermeister: Standortqualität erfüllt

Das Parlament hatte den Haupt- und Finanzausschuss (HFA) beauftragt, aus einer Liste der Verwaltung den besten Vorschlag auszuwählen. Das hat der HFA nun einstimmig getan und aus einem von Bürgermeister Jörg Muth (CDU) vorgelegten Papier mit einem halben Dutzend Optionen einstimmig zwei Grundstücke für ideal befunden. Der Magistrat wird nun mit diesem Angebot auf den Kreis zugehen.

Muth selbst wies darauf hin, dass die vom Kreis geforderte Qualität des neuen Standortes von Langenselbold erfüllt wird. Wichtigster Standortfaktor für den Kreis seien der direkte Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr und der Anschluss an den Individualverkehr. Diese Forderung ist durch ein am Langenselbolder Bahnhof gelegenes Grundstück aus Sicht der Stadt Langenselbold gegeben.

Sparkassen-Gelände

Die Stadt Langenselbold, die wie Nidderau zum Mittelzentrum aufsteigen will, sieht durch die Aufnahme der Kreis-Verwaltungseinheiten und den Bau des beispielsweise ebenfalls geplanten Gesundheitszentrums einen Baustein auf dem Weg zur „Beförderung“. Mit einem Brief an Kommunen hatte der Kreis um Hilfe gebeten. Er sucht ein Gelände von zirka 7000 bis 8000 Quadratmetern, wobei zirka 1000 Quadratmeter für den Bau der Verwaltungsgebäude notwendig sind. Der größere Teil werde für Parkplätze benötigt.

Langenselbold hat unter den beiden Flächen ein Gelände in direkter Nähe zum Bahnhof in der Straße Am Erlenbruch ausgesucht. Das im Besitz der Sparkasse befindliche Gelände ist 7500 Quadratmeter groß. Es wurde laut Muth vor mehr als zehn Jahren von der Sparkasse gekauft. Hier sollte einmal die Zentralisierung der einzelnen Sparkassen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern stattfinden. Da es aber bei der Sparkasse keinen Konsens gibt über eine Zentralisierung und auch der „Huxit“ beziehungsweise die angestrebte Kreisfreiheit Hanaus eine Fusion unwahrscheinlicher macht, ist das Gelände für eine neue Nutzung denkbar. „Wir nutzen das Gelände momentan als zusätzliche Parkfläche für die Pendler am Bahnhof“, sagte Muth.

„Wir haben vor, dieses Grundstück zu teilen, und zwar in ein Grundstück mit 3500 oder 4000 Quadratmetern und einen kleineren Teil. Auf einem der Teile könnte das Bürogebäude in viergeschossiger Bauweise errichtet werden.

Auf der hinteren oder vorderen Hälfte könnte ein Parkdeck gebaut werden, wo man die erste oder zweite Ebene den Verwaltungsgebäuden zuordnen kann und die Ebenen drei und vier könnte die Stadt Langenselbold bauen, und zwar mit Zuschüssen vom Land Hessen, um dort das Pendlerangebot auszuweiten. Wir haben über 3000 Pendler am Langenselbolder Bahnhof, der ja barrierefrei ausgebaut werden soll“, sagte Muth.

VR-Bank-Gelände ebenfalls im Paket

Der Stadtbus hält mit mehreren Linien am Bahnhof und sichert die Verbindungen ans überregionale ÖPNV-Netz. Natürlich sei die angedachte Fläche für die Kreisverwaltungen sehr gut mit dem Zug zu erreichen. Über die A66 ist das Terrain ebenfalls gut über die Zufahrt Kinzigstraße und Birkenweiherstraße erreichbar. „Wir haben das momentan mit der Sparkasse so geregelt, dass die Stadt den Ertrag aus den Parkgebühren zur Hälfte mit der Sparkasse teilt.“ Zurzeit gibt es laut Muth 1200 Pendler-Parkplätze, die unverzichtbar seien.

Zudem gibt es noch ein kleineres Grundstück am Bahnhof, das sich im Besitz der VR-Bank befindet, das zirka2000 Quadratmeter groß ist und das an der Hasselbachstraße liegt. Es gehört ebenfalls zum Angebotspaket. Dieses Areal ist derzeit gänzlich ungenutzt und liegt brach.

Auch Maintal hat Interesse

Bei der Stadt Maintal besteht „weiterhin Offenheit und großes Interesse an der Ansiedlung von Verwaltungseinheiten des Main-Kinzig-Kreises“, wie es auf eine Anfrage unserer Zeitung heißt. „Zu den vom Kreis formulierten Flächen- und Raumbedarfen können wir jedoch leider keine städtischen Flächen anbieten. Wir sind gerade dabei, geeignete Privatgrundstücke zu finden.

Sollten die von uns vorgeschlagenen Flächen beim MKK auf Interesse stoßen, werden wir die weiteren Verhandlungen zwischen den privaten Eigentümern und dem Kreis unterstützen“, heißt es aus dem Rathaus. „Maintal bietet sich als künftig größte Kommune im Main-Kinzig-Kreis mit ausgezeichneter Infrastruktur als Standort für Verwaltungseinheiten des Kreises an“, rührt Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) die Werbetrommel für ihre Stadt.

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