"Das ganze Leben ist für uns alle ein Marathon", sagt Joey Kelly. Am Donnerstagabend hing das Publikum in der Langenselbolder Klosterberghalle an seinen Lippen. Foto: TAP

Langenselbold

Krasser Typ: Extremsportler Joey Kelly in der Klosterberghalle

Langenselbold. Kelly, der Mann der Extreme, startete auch seinen Vortrag in der Klosterberghalle extrem. Vom Ultramarathon durch den ‧Death Valley bei 50 Grad im Schatten wechselten die Bilder, die auf der Leinwand hinter ihm abliefen, ins andere Extrem:

Von Kerstin Biehl

Südpol, eisiger Wind, 40 Grad Minus. Der Protagonist dieser unwirklichen Szenerie: Joey Kelly. Eisern, entschlossen, mental stark. Am Donnerstagabend war er anlässlich des 125-jährigen Sektions-Jubiläums des Hanauer Alpenvereins in die Gründaustadt gekommen.

Warum dieser Mann derart extrem ist? Eine Frage, auf die Kelly selbst keine richtige Antwort hat. Aber er erzählt, wie er zum Extremsport gekommen ist. Eine Wette mit der Schwester, die an einem Triathlon teilnahm, war ausschlaggebend. „Das kann ich auch“, habe er gesagt, sich angemeldet – „und total abgekackt. Aber genau das hat mich gepackt. Dann wollte ich es wissen.“ Von da an wurden die Herausforderungen immer größer. Immer extremer.

Dass Extremwettkämpfe wie Ultramarathons oder Wüstenmarathons für seinen Körper nicht das Beste sind, weiß der 46-Jährige sehr wohl. „Ich empfehle den Halbmarathon. Der ist gesund“, sagt er. Und, dass es wichtig sei, Bewegung zur Gewohnheit werden zu lassen. Dass es nie zu spät sei, damit anzufangen. „Besser fett und fit als schlank und schlapp. Denn wenn man sich bewegt, ist das Leben noch schöner. Man hat mehr Energie. Ist happier.“

Von Nord nach Süd

2010 durchquerte Kelly Deutschland von Nord nach Süd. Ohne Geld. Ohne Nahrung. Denn: „Hunger ist nur eine Hysterie des Körpers.“ Gegessen hat er freilich doch. Beeren. Schnecken. Oder einmal einen totgefahrenen Hasen. Seine Unterkunft bestand aus einer Plane aus dem Baumarkt. Sie hat ihn vor Nässe und Kälte geschützt.

Nach 18 Tagen kam er auf der Zugspitze an. 15 Kilo leichter. „Aber glücklich“, wie er beteuert. Das untermalt das Foto, das im Hintergrund eingeblendet wird. Kelly steht am Gipfelkreuz der Zugspitze. Sein Gesichtsausdruck: erschöpft, aber zufrieden. Deshalb ist er zwei Jahre später nochmals losgelaufen. Da hat er nur noch 15 Tage gebraucht. Am 8. August 2020 will er seine nächste Extremtour unternehmen. Um 8.08 Uhr startet Joey dann am Münchner Marienplatz zu einem Lauf über die Alpen. Das Ziel: Venedig. „Wer Lust hat mitzukommen, kann sich gerne bei mir melden“, sagt er. Und meint es ernst.

Auch der Kelly Family räumt Joey in seinem Vortrag einen großen Teil ein. „Keine Angst, ich singe nicht“, scherzt er und kokettiert damit, in längst vergangenen Bravo-Umfragen stets als der unbeliebteste der Kelly Familie abgeschnitten zu haben. 18 Jahre habe die Familie auf der Straße um ihre Existenz gekämpft. „Wir waren die ersten zehn, zwölf Jahre immer Pleite. Aber trotzdem hatten wir alles. Uns. Als Team. Ein no limits Team, das fest daran glaubte, es eines Tages zu schaffen.“

Vater Kelly habe seinen Kindern immer wieder gesagt, dass Glück kein Zufall sei, dass man vielmehr darum kämpfen müsse. Das scheint vor allem Joey bis ins Extreme verinnerlicht zu haben. Denn kämpfen will er immerwieder. Sich mit anderen messen. Aber vor allem mit sich selbst.

Immer neue Herausforderungen

Immer wieder sucht er neue Herausforderungen, setzt sich neue Ziele. „Ziele sind etwas ganz Wichtiges. Denn ich muss wissen, für was ich das alles tue“, sagt er. Wie damals, als er quer durch die USA reiste. Komplett ohne Geld. Und tatsächlich nach zwei Wochen und zwei Tagen in New York ankam. Mit über 400 Dollar plus in der Hosentasche. „Man muss einfach nur Ideen haben. Mutig sein. Dann schafft man so viel.“ Heute lebt Joey zwischen Sport und der Kelly Family.

Er ist ein Motivator. Für seine Familie und sein Publikum. Streut Lebensweisheiten wie etwa „Gib mehr, als Du nimmst. Menschen die geben gewinnen.“ Oder: „Das ganze Leben ist ein Marathon.“

Übernächsten Sommer will er mit seinen beiden Söhnen im VW Bulli von Alaska nach Kap Hoorn fahren. Ohne Sprit und ohne Geld starten. „Ich plane acht Wochen ein.“ Unrealistisch würden diejenigen sagen, die Kelly nicht kennen. Optimistisch wohl die, die seine Vorträge gehört haben. Und seine Freunde? Für die sind Kellys Pläne inzwischen realistisch.

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