Das Tablett ist leer, der Rollladen heruntergezogen: Sind wenig Gäste am Kinzigsee, bleibt der Pavillon meist geschlossen. Für den privaten Betreiber rechnet sich ein Verkauf von Eis, Würstchen und Pommes an solchen Tagen nicht. Foto: Torsten Kleinerüschkamp

Langenselbold

Kinzigsee: Kiosk in der Kritik - Wirt rechtfertigt sich

Langenselbold. „Wenn wir kein Geld haben, dann brauchen wir wenigstens gute Ideen“: Mit diesem Bonmot soll einst Oskar Lafontaine aufgewartet haben. Mit dem Spruch des von der SPD zur Partei Die Linke konvertierten Spitzenpolitikers kann man gut die Lage Langenselbolds beschreiben.

Von Torsten KleinerüschkampDie Stadt will ihren defizitären Kinzigsee flott machen, der nach mehrheitlichem Bürgervotum in kommunaler Hand bleiben soll. Gesucht ist ein Kompromiss, der die Kluft zwischen Wunsch und Realität möglichst weit schrumpfen lässt. Ein Kompromiss, der möglichst wenig kostet, aber die Freizeiteinrichtung günstiger im Unterhalt für die Stadt macht. Mehr Besucher, mehr Einnahmen: Diese Rechnung ist das Ziel. Es gibt allerdings infrastrukturelle „Problemzonen“.

Eine der bemängelten und oft inkriminierten Schwachstellen des Kinzigssees soll das Catering sein, die schnelle Verpflegung mit Getränken. Eis, Pommes, Würstchen und anderen Happen. Als Ärgernis ist eingekreist: der Pavillon auf dem Strandbadgelände. Der Kiosk soll zu oft geschlossen sein, öffnet nur an wirklich gut besuchten Tagen. Der Pavillon wird in Privatregie betrieben, und zwar vom Kinzigsee-Restaurant Villa Aurora. Der private Betreiber pocht auf Wirtschaftlichkeit, weil er ja als Unternehmer kalkulieren muss.

„Die Diskussion ist überall gleich“

„Wir öffnen natürlich den Pavillon immer dann, wenn hier genügend Leute sind“, sagt Franco Capone und stellt sich als Inhaber der Villa Aurora vor. Heute ist der Kiosk zu. Er ist das Eigentum des Restaurantbetreibers. „Es sind ja heute vielleicht nur 20 Leute hier am See“, sagt der Gastronom an diesem Wochentag in der ersten Sommerferienwoche. An jenem Mittwoch ist es spätnachmittags zwar sonnig, aber recht kühl. Also kein Wetter für eine gute Besucherzahlen am Kinzigsee.

Wenn der Pavillon geschlossen ist, können Strandbadbesucher ersatzweise zum Beispiel Nudeln, Pizza und Salat auf der Terrasse zum Mitnehmen ordern, berichtet Capone. „Im Pavillon verkaufen wir alles mögliche – Getränke, Brat-, Rindswurst, Pommes und Eis“, sagt der Mann. „Wir sind seit 22 Jahren hier“, ergänzt er. „Wir haben auch ein Lokal am Kahler See. Die Diskussion ist überall gleich“, erklärt er.

Vertrag soll neu verhandelt werden

„Die Kritik daran, dass der Pavillon mal öffnet und dann wieder nicht, gibt es zu Recht“, sagt Alexander Kempski gegenüber unserer Zeitung. Laut dem stellvertretenden Amtsleiter der Liegenschaftsverwaltung will die StadtLangenselbold mit dem Eigentümer und Betreiber des Pavillons in neue Vertragsverhandlungen treten. „Ende des Jahres soll der Vertrag zwischen der Stadt und dem Restaurantbetreiber neu verhandelt werden“, sagt Kempski.

Zum Ende dieser Saison wollen wir sehen, wie es weitergeht“. Einstweilen hat die Stadt laut Kempski eine zusätzliche Stromleitung zum Pavillon gelegt, „damit die Fritteusen aufgerüstet werden können“.

Preise seien Standard

Zur Kritik an angeblich zu hohen Preisen, zum Beispiel für drei Euro für die Portion Pommes, sagt Capone: „Die Preise sind normale Standardpreise.“ Diese Preise würden auch an Verkaufsbuden anderer Seen verlangt. „Qualität kostet Geld“, betont er. Man haben sich in der Region umgeschaut und die Preise verglichen. „Jeder will Geld verdienen. Wenn die Stadt aber jemanden findet, der mit seinem Bus kommt und Pommes Frites für 1,50 Euro zu verkaufen, dann sage ich nur 'Welcome'. Aber in Deutschland kann man diesen Preis nicht machen. Die Ware kann man nicht verschenken“, sagt Capone. „Sie arbeiten ja auch nicht umsonst“, betont er.

Capone äußert Verständnis für die Lage Langenselbolds: „Für die Stadt ist das auch nicht einfach“, findet er. „So ein Besuch des Kinzigsees geht richtig ins Geld“, rechnet eine Langenselbolder Mutter vor. Der Besuch mit zwei Erwachsenen (Eintritt pro Nase vier Euro), zwei Jugendlichen (Eintritt je 2,30 Euro) und einer Parkgebühr von zwei Euro kostet erst einmal 14,60 Euro. Wer dann noch viermal Pommes à drei Euro und vier Eis Magnum Classic à drei Euro ordert, der ist schon mit 38,60 Euro dabei. Sie vergleicht das Angebot mit dem Meerhofsee der Stadt Alzenau. Dort koste das Parken nichts, der Eintritt für Erwachsene belaufe sich nur auf 3,50 Euro, und auch der Kiosk habe immer offen.

Lob für das Engagement der Stadt

Die Stadt Langenselbold bietet vor dem Hintergrund des Bürgerentscheids im Februar und den Ergebnissen der Arbeitsgruppen der Fraktionen zur Steigerung der Attraktivität des Sees neuerdings Events unter den Mottos „Familienfest“ und „Kinzigsee live in Concert“ an. Die beiden Debütveranstaltungen sind erfolgreich über die Bühne gegangen. Ein weiteres „Familienfest“ folgt an diesem Sonntag, 14. Juli, von 11 bis 17 Uhr. Für Sonntag, 17. August, steht dann „Kinzigsee live in Concert“ auf dem Programm.

Erstmals hat die Stadt für diese Veranstaltung auch ein umfangreiches Verpflegungsangebot organisiert, so beispielsweise Kaffee, Kuchen, Gegrilltes und Cocktails. Capone lobt dieses Engagement der Stadt ausdrücklich. Er fand die zusätzlichen Veranstaltungen der Stadt „super und sehr gelungen“. „Wenn viel los ist im Strandbad, schaffen wir das Catering auch nicht alleine“, sagt er. „Ich bin auch begeistert, je mehr Gäste kommen, umso besser ist das für alle.“ Eigens zur neuen Saison stellt die Stadt auch zahlreiche neue Parkplätze zur Verfügung, geschaffen durch Grundstücksankäufe.

Jene, die am Langenselbolder Kinzigsee arbeiten, ‧hören allerhand über die Wünsche der Gäste, über jenes, was fehlt, was man kaufen, leihen oder einfach nur nutzen möchte. Genannt wurden in einer kuriosen Liste unter anderem auch Federballspiel, Badeinsel, Volleyball, Sonnenschirme, Taucherbrillen, Luftpumpe, Tretboot, Luftmatratzen, Schließfächer und last but not least Babywindeln.

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