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Am Selbolder See gibt es seit über 17 Jahren Ärger mit den Gänsen

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Von: Lars-Erik Gerth

Die Nilgänse schwimmen nicht nur im See, sondern verunreinigen vor allem Sand und Liegewiese.
Die Nilgänse schwimmen nicht nur im See, sondern verunreinigen vor allem Sand und Liegewiese. © Axel Häsler

Rund um den Kinzigsee drehte sich die Bürgerversammlung am Montag (11. Juli) in der mit nur 30 Besuchern schwach besetzten Klosterberghalle. Immerhin verfolgten im Schnitt 211 Personen den Livestream im Internet, für den die Trickfilmkinder GmbH des Maintalers Boris Kreuter verantwortlich zeichnete. Die erstmalige Übertragung einer Selbolder Bürgerversammlung verlief störungsfrei und kann durchaus als Erfolg gewertet werden.

Langenselbold – Dass das zweite Thema des Abends, die Solaranlagen auf städtischen Liegenschaften, am Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung nur kurz gestreift werden konnten, lag vor allem daran, dass gleich vier Referenten für den Komplex Kinzigsee aufgeboten wurden. Das nahm sehr viel Raum ein, da zu den jeweiligen Vorträgen auch gleich Fragen aus dem – vor allem mit Stadtverordneten und anderen Kommunalpolitikern besetzten – Publikum gestellt werden konnten.

In seiner Begrüßung hatte Parlamentschef Bernd Kaltschnee (SPD) gerade deren großes ehrenamtliches Engagement gewürdigt, ohne das eine funktionierende Demokratie auf kommunaler Ebene gar nicht möglich wäre. Bürgermeister Timo Greuel (SPD) rechtfertigte anschließend nochmals die Entscheidung, das Freibad 2020 zu öffnen und das Strandbad geschlossen zu lassen. „Wir hätten überhaupt nicht kontrollieren können, ob die Tausenden von Besuchern die Coronaregeln am Kinzigsee einhalten“, so Greuel. 2021 war die Badesaison dann ausgefallen, weil im Mai das Stahlseil der Tauchplane gerissen war und damit die Plane selbst ebenso unbrauchbar wurde.

Einbau der neuen Tauchwand war sehr aufwendig

Der Vortrag von Constantin Dörr vom Bauamt beschäftigte sich dann auch ausführlich mit der Komplexität des Einbaus der neuen Tauchwand beziehungsweise des neuen Stahlseils. Diese Arbeiten erfolgten – wie berichtet – im Juni und waren zusammen mit der in der vergangenen Woche erfolgten „Impfung“ des Teils des Kinzigsees, der für das Strandbad genutzt wird, die Voraussetzungen für die am Montag erfolgte Saisoneröffnung 2022.

Die Behandlung des Wassers mit Chemikalien ist notwendig, um dem hohen pH-Wert des Sees und dem damit verbundenen Algenwachstum entgegenzuwirken. Dies hatte nämlich in den 1990er-Jahren dazu geführt, dass der Kinzigsee nicht mehr als Strandbad genutzt werden konnte. Daran erinnerte der Hydrologe Steffen Zober in seinem sehr ausführlichen Vortrag über die Entwicklung des Kinzigsees in den vergangenen vier Jahrzehnten.

Ausführlich ging Steffen Zober auf die Entwicklung des Kinzigsees in den letzten 40 Jahren ein.
Ausführlich ging Steffen Zober auf die Entwicklung des Kinzigsees in den letzten 40 Jahren ein. © Axel Häsler

Zober ist bereits seit 1999 mit dem See vertraut, als er die ersten Untersuchungen vornahm. Im Rahmen der Überlegungen, wie man den Kinzigsee wieder zumindest teilweise als Strandbad nutzen könnte, sei man 2004 zum einen auf die „Impfung“ mit kohlensaurem Magnesiumkalk und Eisendreichlorid gekommen. Und zum anderen auf das Einziehen einer Tauchwand, um den Teil, der für den Schwimmbereich genutzt und geimpft wird, von jenem zu trennen, der unbehandelt bleibt und entsprechend einen deutlich höheren pH-Wert aufweist.

Erst waren es die Kanada- und Grau-, jetzt sind es die Nilgänse

Seit der Kinzigsee wieder teilweise als Strandbad genutzt wird, nahm allerdings ein anderes Problem immer mehr zu, über das der städtische Biologe Matthias Wissel im Rahmen der Bürgerversammlung berichtete. Bereits 2005 hatten sich verstärkt Kanada- und Graugänse am benachbarten Ruhlsee niedergelassen beziehungsweise vermehrt. Über den Damm seien sie dann immer wieder in großer Zahl zum Kinzigsee gewandert und hätten dort ihren Kot auf Strand und Liegewiese hinterlassen.

Ralf Möbius hatte eine Frage zum Komplex Naturschutz.
Ralf Möbius hatte eine Frage zum Komplex Naturschutz. © Axel Häsler

„Und seit 2013 haben wir nun vor allem mit den Nilgänsen zu tun, deren Population stetig wächst und die für Verunreinigung auch im Bereich des Strandbads sorgen“, so Wissel. Zur Eindämmung des Problems konnte er darüber berichten, dass es der Stadt im Mai gelungen sei, bei der Jagdbehörde zu erwirken, dass ein Teil der Gänse jetzt auch außerhalb der Schonzeit (nicht jedoch während der Brut- und Setzzeit) geschossen werden darf. Pro Jahr belaufe sich deren Zahl nun auf 210. Aufgrund der Nähe zum Naturschutzgebiet, zu dem der Ruhlsee gehört, werde das Problem aber nicht komplett zu lösen sein. Entsprechend soll der Bauhof während der Badesaison täglich schauen, ob aufgrund des Gänsekots eine Reinigung nötig ist.

Sanitätsgebäude soll saniert und erweitert werden

Über die Planungen zu Sanierung und Erweiterung des Sanitärgebäudes informierte anschließend Norbert Mikulla, ehe Nina Jakob über Maßnahmen berichtete, die zur Attraktivitätssteigerung des Strandbads beitragen sollen. Unter anderem wurden so Spielgeräte und ein neues Volleyballnetz angeschafft, außerdem zwei neue Rettungsschwimmer eingestellt, 15 Bäume gepflanzt und der Strand mit 800 Tonnen neuem Sand versehen.

Von Lars-Erik Gerth

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