Auch das „Bocksgehörn“ im Osten der Kinzigaue zählt zu den Bereichen des Selbolder Stadtwalds, für die bereits ein Nutzugsverzicht gilt. Die Grünen würden die Prozessschutzflächen aber gerne noch erweitern.
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Auch das „Bocksgehörn“ im Osten der Kinzigaue zählt zu den Bereichen des Selbolder Stadtwalds, für die bereits ein Nutzugsverzicht gilt. Die Grünen würden die Prozessschutzflächen aber gerne noch erweitern.

Revierförster widerspricht Argumentation der Ökopartei

Grüne für mehr Langenselbolder Wald unter Nutzungsverzicht

  • Lars-Erik Gerth
    vonLars-Erik Gerth
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Bereits im Juni 2019 hatten die Grünen einen Antrag ins Langenselbolder Stadtparlament eingebracht, mit dem sie die Waldfläche, die unter Nutzungsverzicht stehen soll, von 6,6 auf zehn Prozent erweitern wollen. Das wären 44,6 statt bisher 29,6 Hektar Wald.

Langenselbold – Der Umwelt-, Energie- und Landwirtschaftsausschuss (UELA) empfahl nun in seiner Dezember-Sitzung dem Stadtparlament, die Beschlussvorlage abzulehnen. Diese Empfehlung erfolgte einmütig, denn die Grünen haben im UELA kein Stimmrecht. Nun befassen sich die Stadtverordneten am Montag, 25. Januar, in ihrer ersten Sitzung des Jahres erneut mit dem Thema.

Unabhängig vom Votum des Ausschusses hält es die Grünen-Fraktion nämlich weiter für sinnvoll, die Waldfläche, die unter Prozessschutz steht, auf zehn Prozent auszuweiten. Die weitere Ausweisung von Waldflächen, die unter Nutzungsverzicht stehen, ermögliche nach Ansicht der Grünen-Stadtverordneten Cornelia Hofacker und Guntrun Hausmann neben „direkten positiven Effekten für die Biodiversität auch die Erforschung artspezifischer Ansprüche an Waldlebensräume“.

Grüne dafür, Wald sich selbst zu überlassen

Generell sind die Grünen der Ansicht, dass es wirkungsvoll für den Schutz der Natur sei, „langjährig gewachsene Bäume zu erhalten und besser noch, den Wald mitsamt seines Totholzes, seiner Ursprünglichkeit und Artenvielfalt sich selbst zu überlassen“. Zudem würden für die Stadt Langenselbold durch die Ausweitung der Waldfläche, die unter Prozessschutz steht, Ökopunkte wirksam.

Revierförster Hans-Holger Rittershauß vom für Langenselbold zuständigen Forstamt Hanau-Wolfgang nahm auf Bitten des Selbolder Bauamts in der Ausschusssitzung Stellung zum Antrag der Grünen. Er sprach sich dabei eindeutig gegen eine weitere Ausweitung der Prozessschutzflächen im Selbolder Stadtwald aus. So sei es aus naturschutzfachlicher Sicht sinnvoller, die bereits bestehenden Flächen, die unter Nutzungsverzicht stehen, „wo irgend möglich zu vernetzen“.

Und dies sei durch die im Stadtwald angewandte naturnahe Forstwirtschaft wesentlich besser möglich, „als wenn weitere komplette Waldteile aus der Nutzung genommen werden, die dann wiederum nur Insellösungen“ darstellten, wie Rittershauß im UELA erklärte.

Revierförster: Stadtwald dient nicht nur der Naturschutzfunktion

Darüber hinaus sei zu bedenken, dass der Selbolder Stadtwald nicht nur der Naturschutzfunktion möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten als Lebens- und Rückzugsraum zu dienen habe. Er habe, so der Revierförster, nämlich ebenso die Funktion, Nutzholz zu produzieren. Entsprechend werde im Stadtwald eine multifunktionale Forstwirtschaft betrieben.

Der von den Grünen ins Feld geführten Ansicht, dass ein nicht bewirtschafteter Wald mehr Kohlendioxid binde, widersprach Rittershauß. So habe ein sich selbst überlassener Wald eine weitaus höhere, ständige Zerfallsrate als ein bewirtschafteter Wald. Und bei diesem Zerfall, so der Revierförster, werde laufend wieder CO2 freigesetzt. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es, so die Argumentation des Forstexperten, „kontraproduktiv, weitere flächige Stilllegungen zu betreiben“. So hingen am „Cluster Holz bundesweit über eine Million Arbeitsplätze“. Zudem müssten bereits Zweidrittel des in Deutschland benötigten Holzes importiert werden – „und das mit einer teilweise katastrophalen Ökobilanz“.

Die Selbolder Grünen teilen Rittershauß’ Ausführungen nicht, was sie bereits im Ausschuss deutlich machten. Entsprechend halten sie auch an ihrem Antrag fest, der nun am Montag im Stadtparlament erneut diskutiert wird, ehe die endgültige Abstimmung erfolgt.

Von Lars-Erik Gerth

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