Ausführungsphase: Erst am Sonntag wird die Gedenkstätte zur Erinnerung an die deportierten Juden enthüllt. Foto/Archivfoto: Torsten Kleinerüschkamp

Langenselbold/Rodenbach/Ronneburg

Gedenkstätte für deportierte Juden auf Schlossplatz eingeweiht

Langenselbold. Der ehemalige Schlossplatz ist nun nach einer Umgestaltung wieder in Betrieb genommen worden. An einer Stelle, die früher ein Ort des Schreckens war, ist nun eine Gedenkstätte entstanden.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Es hat alles wunderbar geklappt. Auch die Finanzierung hat bis auf Heller und Pfennig funktioniert“, ist Dr. Manfred Keil froh. „Bis Sonntag werden noch das Pflaster verlegt, die Randbepflanzung angelegt und ganz zum Schluss die Bronzetafeln angebracht,“ sagt der Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold. ​

Die Gedenkstätte, die an die ermordeten Langenselbolder Juden erinnert, wird am Sonntag, 24. November, eingeweiht. Beginn des Festaktes ist um 13.30 Uhr im Großen Salon des Schlosses.Die Stele, die im Anschluss an die Feierstunde enthüllt wird, steht auf dem Platz vor dem Schloss. Von hier, dem einstigen Sammlungsort, wurden einst die Langenselbolder Juden in die Vernichtungslager der Nazis transportiert.74 Jahre nach Kriegsende erhält Langenselbold eine Gedenktafel, die an alle 120 in der Nazizeit verschleppten beziehungsweise ermordeten jüdischen Langenselbolder Mitbewohner erinnert. Die Gedenkstätte ist über Spenden finanziert worden.

Bekannte Firma arbeitete an dem Mahnmal

Das Mahnmal ist dem Anlass entsprechend hochwertig aus Bronzeguss und Sandstein ausgeführt. Die Kosten waren einst mit 10 000 Euro beziffert worden.Die Stolpersteingruppe des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold hatte das Projekt angestoßen, geplant und gemanagt. Die Kosten der Bauarbeiten hat teilweise die Stadt Langenselbold übernommen. Der Langenselbolder Bauunternehmer Stefan Platt hat außerdem beispielsweise auf eigene Kosten das Erdfundament gegossen. Die Firma ist in Langenselbold nicht unbekannt. So hat sie zum Beispiel schon den Mönch Rabenuld zwischen Rathaus- und Schlossgebäude hergestellt.

Bronzetafel erinnert an die Deportierten

Die akademische Feier am Totensonntag wird von Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule mitgestaltet, teilte der Geschichtsverein mit. Es werden im Großen Saal die Namen der Opfer verlesen, die auf den Bronzetafeln vermerkt sind. Die Tafeln informieren auch über die einstigen Wohnadressen der Deportierten.

Die Feier wird begleitet von Musikstücken. Anschließend wird im Schlosspark die Gedenkstätte offiziell eingeweiht. Die Bronzetafeln sind von Firma Kunstguss Rincker in Sinn in Auftrag gegeben und hergestellt worden. Im Zuge der Planung waren Vertreter der Firma Rincker im Februar vor Ort. Das Terrain vor dem Rathaus diente laut Geschichtsverein während der Deportationen als Sammelplatz zum Abtransport von Langenselbolder Juden.

Sicherheit für die Gedenktafel

Die Gedenktafel soll mehr als 1,20 Meter breit und etwa 1,20 Meter hoch werden. Die zwei Tafeln bestehen zu 90 Prozent aus Kupfer und zu zehn Prozent aus Zinn. Als Material für die als Mauer ausgeführte Art der Befestigung soll Sandstein verwendet werden, der dem Sandstein des Rathauses beziehungsweise des Schlosses ähnelt. Beton als Baumaterial soll nicht eingesetzt werden, weil er von seiner Optik als nicht stimmig erachtet worden wurde. Die Bronzetafeln sollen diebstahlsicher auf dem Unterbau befestigt werden.

Lichter sollen das Mahnmal erstrahlen

Außerdem besteht der Wunsch, das Mahnmal nachts anzustrahlen. Dafür soll moderne LED-Technik verwendet werden. Die Gedenktafel ist für den Geschichtsverein eine Fortsetzung der Arbeit der Stolperstein-Gruppe. Sie hat Stolpersteine auf den Bürgersteigen vor Häusern in Langenselbold verlegen lassen, um auf Adressen beziehungsweise Wohnhäuser von jüdischen Mitbürgern hinzuweisen, die direkt von Langenselbold in die Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden. Die Bronzetafeln verweisen auch auf jene Langenselbolder Juden, die vorher geflohen sind, aber meist dennoch der Shoah nicht entkommen konnten.

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