Mit Spannung war der Auftritt von Ministerpräsident Volker Bouffier in der Langenselbolder Herrnscheune erwartet worden. Foto: Axel Häsler

Langenselbold

Europawahl: Volker Bouffier macht Wahlkampf in Langenselbold

Langenselbold. Es war reichlich frisch am Dienstagabend in der Herrnscheune, in welche die Christdemokraten zu ihrer Europawahlkampfveranstaltung mit Ministerpräsident Volker Bouffier und Sven Simon, dem Spitzenkandidaten der hessischen CDU für den Wahlgang am 26. Mai, geladen hatten.

Von Lars-Erik Gerth

Etwas mehr als 100 Gäste fanden sich ein, die vor allem gespannt darauf waren, wie sich Bouffier nach seiner abgeschlossenen Hautkrebsbehandlung präsentieren würde. Pünktlich um 19 Uhr traf er dann auch gut gelaunt ein. Die Besucher mussten sich allerdings noch über eine Stunde gedulden, bevor der Ministerpräsident selbst des Wort ergriff.

Denn nach der Begrüßung durch Walter Arnold, den Vorsitzenden des CDU-Bezirksverbandes Osthessen, gab es zunächst eine lockere Talkrunde mit Srita Heide, die auf Platz vier der hessischen CDU für die Europawahl kandidiert, Sven Simon und dem Selbolder CDU-Bürgermeisterkandidaten Tobias Dillmann. Dieser schloss sich die über weite Strecken sachliche, dann aber auch kämpferische Rede von Simon an, der vor allem kritisierte, dass in Sachen Europäische Union immer nur das Negative in der Vordergrund gestellt werde.

Gegen Europagegner

„Dabei wird immer vergessen, dass wir ‧unseren Wohlstand diesem vereinten Europa verdanken und wir mit nationalen Alleingängen nicht weit kommen. Wir sollten unsere europäischen Werte wie Demokratie, Freiheit und Frieden selbstbewusst verteidigen und endlich wieder geschlossener auftreten“, warb Simon nachhaltig für ein gemeinsames Europa. Zugleich erinnerte er daran, dass es die CDU gewesen sei, die immer für dieses ‧Projekt Europa gekämpft habe. Dabei nannte er insbesondere Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, die den Weg für die deutsch-französische Freundschaft nach jahrhundertelanger Erbfeindschaft gelegt hätten, der dann auch zum geeinten Europa geführt habe.

Es lohne sich, für dieses Europa zu kämpfen, um insbesondere zu verhindern, dass dessen Gegner am 26. Mai eine Blockademehrheit erhielten. Entsprechend griff er Parteien wie die AfD an, die zur Wahl antreten würden, obwohl sie die EU und deren Parlament abschaffen wollten. „Es ist deshalb eine Richtungs-, wenn nicht gar eine Schicksalswahl, denn wir müssen eine solche Blockade verhindern. Deshalb ist es wichtig, dass wir möglichst viele Menschen erreichen, dass sie zur Wahl gehen und für ein starkes Europa votieren.“

Das konnte Volker Bouffier, als er dann um 20.15 Uhr endlich selbst verbal in Aktion trat, nur unterstreichen. Auch er betonte die Bedeutung dieser Wahl und bedauerte zugleich, dass sich viele noch desinteressiert zeigten. „Viele sind der Meinung, das gehe uns nichts an. Aber das ist falsch. Ich muss nur daran erinnern, dass wir in Hessen weit mehr als 50 Prozent unserer Produkte exportieren und zwar in überwältigendem Maße in EU-Staaten.

Das vereinigte Europa hat sehr viel zu unserem heutigen Wohlstand beigetragen. Das müssen wir in den kommenden elf Tagen noch möglichst vielen Menschen vermitteln“, so der Ministerpräsident. Er erinnerte auch daran, dass er selbst zur ersten Generation gehöre, die nicht in einen Krieg ziehen musste. Auch dies hänge ganz entscheidend mit der Errungenschaft des vereinten Europas zusammen, das man auf keinen Fall preisgeben dürfe.

Flammender Appell

Zu Bouffiers aufgeräumtem und gut gelauntem Auftritt passte dann aber auch der Satz: „Wir brauchen im Wahlkampf aber auch einen Schuss Fröhlichkeit, um damit auch zu verdeutlichen, dass ein gemeinsames Europa für eine gute Zukunft steht.“ Wie wichtig es sei, dass möglichst viele, auch junge Menschen am 26. Mai zur Wahl gehen, zeigt für Bouffier das Beispiel Großbritannien.

„Damals sind viele nicht zur Volksabstimmung gegangen, weil sie der Meinung waren, dass die EU nichts mit ihnen zu tun hat. Das Chaos, für das die Tories in den vergangenen anderthalb Jahren gesorgt haben, zeigt, wie falsch sie damit liegen. Viele, gerade junge ‧Leute bedauern heute, dass sie damals nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. Entsprechend müssen wir jetzt dafür werben, dass viele am 26. Mai zur Wahl ‧gehen und mit ihrer Stimme für ein gemeinsames Europa votieren“, so Bouffiers abschließender flammender Appell, der bei den Anwesenden für hörbare Begeisterung sorgte.

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