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Selbolder setzen mit Mahnwache Zeichen gegen „Spaziergänge“

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Von: Lars-Erik Gerth

Für Solidarität und Demokratie und gegen Egoismus und Hass setzten die Teilnehmer an der ersten Selbolder Mahnwache gegen die „Montagsspaziergänger“ ein Zeichen.
Für Solidarität und Demokratie und gegen Egoismus und Hass setzten die Teilnehmer an der ersten Selbolder Mahnwache gegen die „Montagsspaziergänger“ ein Zeichen. © Axel Häsler

Für Demokratie, Humanismus und Solidarität statt Egoismus, Hetze und Leugnen der Corona-Pandemie setzten am Montagabend (24. Januar) etwa 120 Teilnehmer ein Zeichen. Sie waren dem Aufruf der Gruppe „Hand aufs Herz Langenselbold“ zu einer Mahnwache gefolgt, die als Antwort auf die „Spaziergänge“ gedacht war.

Langenselbold – SO zogen auch an diesem Montag (24. Januar) wieder „Spaziergänger“ durch die Selbolder Innenstadt. Zuletzt waren es dabei immer über 300 Teilnehmer gewesen. Diesmal lag die Zahl laut Ordnungsamtsleiter Michael Juracka jedoch unter der 300er Marke. Inoffizielle Schätzungen beliefen sich auf etwa 270 „Spaziergänger“. Laut Juracka habe es weder bei der Mahnwache noch beim „Spaziergang“ Zwischenfälle gegeben. SPD-Chef Jürgen Schonlau, der an der Mahnwache teilnahm, berichtete, dass es zu keiner Begegnung zwischen Teilnehmern beider Veranstaltungen gekommen sei. Die „Spaziergänger“ seien in knapper Entfernung am Rathaus vorbeigelaufen.

In einer anschließend veröffentlichten Mitteilung ging die Gruppe „Hand aufs Herz Langenselbold“ auf die Beweggründe für die Mahnwache ein. So hätten zuletzt immer mehr Bürger „Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass es seit Wochen jeden Montag viele Auswärtige nach Langenselbold treibt, um dort zusammen mit Langenselbolder Bürgern gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung und Behörden mit einem sogenannten ‘Spaziergang’ zu protestieren“. Laut der Gruppe „Hand aufs Herz“ wüssten die Teilnehmer, dass es sich um nicht genehmigte Demonstrationen „unter häufiger Missachtung aller Corona-Schutzmaßnahmen“ handele. Diese Spaziergänge würden in den sozialen Medien organisiert und häufig finde man unter den dort agierenden Mitgliedern Rechtsradikale, Nazis, Corona-Leugner und sonstige Verschwörungstheoretiker. Mit dabei seien aber auch Bürger ohne diesen Hintergrund, die einfach nur Vorbehalte gegen eine Impfung haben und „sich dabei – vielleicht unbewusst – mit diesen Radikalen solidarisieren“.

Vorbild für Gründung war „Hand aufs Herz“ aus Gelnhausen

Dies habe nun zur Gründung einer Bürgerinitiative geführt. Schnell sei man sich dabei einig gewesen, sich in Anlehnung an den Verein „Hand aufs Herz“ in Gelnhausen „Hand aufs Herz Langenselbold“ zu nennen, da die Ziele identisch seien. Laut Mitteilung der Gruppe habe diese mittlerweile knapp 300 Mitglieder. Aus dieser Gruppe sei nun die Idee entstanden, mit einer Mahnwache vor dem Selbolder Rathaus auf die „Spaziergänger“ zu antworten, um „ein deutliches Zeichen für Solidarität und Demokratie statt Egoismus und Hetze zu setzen“.

Mit Plakaten forderten die Teilnehmer Solidarität, Toleranz und Respekt vor der Demokratie ein und machten Front gegen Corona-Leugner.
Mit Plakaten forderten die Teilnehmer Solidarität, Toleranz und Respekt vor der Demokratie ein und machten Front gegen Corona-Leugner. © Axel Häsler

Die Organisatoren Martin Ferch und Werner Fromm verdeutlichen in einer Erklärung die Ziele der Mahnwache: „Wir wollen mit dieser Mahnwache ein starkes und friedliches Signal aus Langenselbold senden. Es geht nicht zuletzt um den Schutz unserer Demokratie vor Verfassungsfeinden.“

Verständnis für Menschen mit Angst vor Impfung

Es gehe ihnen aber ausdrücklich auch um jene Menschen, die Angst hätten, sich impfen zu lassen und sich deswegen den sogenannten „Spaziergängen“ anschlössen. „Wir sagen diesen Menschen, dass es nie zu spät ist, der Wissenschaft zu vertrauen. Mit deren Einsatz und dem Willen, den Menschen zu helfen, wurde millionenfaches Sterben durch das Coronavirus verhindert“, sind Ferch und Fromm überzeugt.

Sie kritisieren jene, die im Netz zu den „Spaziergängen“ aufriefen und sich als Corona-Leugner entpuppten, als „falsche Propheten des Internets“, die nicht bereit seien, „die Errungenschaften unseres Landes anzuerkennen“. Diese würden alles schlechtreden und jene Menschen beschimpfen, die sich tagtäglich für diese Gesellschaft einsetzten – egal ob Polizei, Feuerwehr, medizinisches Personal oder Rettungskräfte.

Gegen diesen im Internet und bei Corona-Demos geäußerten Hass und die Ablehnung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie machten die Teilnehmer an der Mahnwache auch mit Plakaten Front, auf denen „Solidarität und Demokratie statt Egoismus und Hetze“ oder „Die Anfänge sind längst vorbei, gegen Nazis überall“ zu lesen war.

Appell an „wirkliche Spaziergänger“

Die Bürgerinitiative „Hand aufs Herz Langenselbold“ appelliert an die „wirklichen Spaziergänger“, nicht mit Rechtsextremisten auf die Straße zu gehen, sondern den Dialog mit Menschen zu suchen, die „euch wirklich helfen wollen“. Faschismus, Egoismus, Hass und Hetze seien keine Optionen. Stattdessen solle man sich beraten und impfen lassen. Das sei die einzige Option, „schneller und mit weniger Opfern aus dieser Pandemie zu kommen, um unser gewohntes Leben in Freiheit möglichst bald wieder aufnehmen zu können“, schreiben die Organisatoren der Mahnwache in ihrer Mitteilung.

Laut ihrer Presseerklärung habe unter den Teilnehmern am Montagabend große Einigkeit darüber geherrscht, dass diese Veranstaltung wiederholt werden müsse, um „ein noch deutlicheres Zeichen zu setzen“.

Von Lars-Erik Gerth

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