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Haben in den vergangenen Tagen nur wenig geschlafen: Frank Simon, Geschäftsführer der Langenselbolder Firma Siro-Plast (links) und sein Auftraggeber Holger Nowak präsentieren die ersten Schutzvisiere.

SARS-COV-2-PANDEMIE

Langenselbolder Firma Siro-Plast produziert von Studenten entwickeltes Schutzvisiser

Die Produktion im Unternehmen Siro-Plast läuft auch am Wochenende. Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier entstünden Tragebügel für Wassereimer. Weit gefehlt: In rekordverdächtiger Zeit ist ein Utensil entwickelt worden, das einem im Corona-Alltag vielfach begegnen dürfte.

Von Michael Müller

Studenten der Fachhochschule in Frankfurt haben das Projekt angeschoben. Ihre Idee: Der Bedarf an Schutzausrüstungen ist nicht alleine durch Einwegmasken zu decken. Gesucht wurde nach einer wiederverwendbaren Alternative. Gefunden wurde das Schutzvisier – bestehend aus einer Halterung und einer Klarsichtfolie.

Hochschule stellt finanzielle Mittel zur Verfügung

„Faceshield“ nennt sich das Ganze in bestem Neudeutsch, und es soll nach Willen der Studenten jene schützen helfen, „die jeden Tag ihr Bestes geben, um die Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten“. Die Hochschule stellte Geld zur Verfügung, ein Unternehmen (Protection Impuls UG) wurde gegründet.

Eine gute Idee ist das eine, die Umsetzung das andere. Zumal wenn alles sehr schnell gehen soll. Die „Faceshield“-Gründer fanden den Weg nach Langenselbold zu Siro-Plast und Frank Simon. Der Alzenauer ist Geschäftsführer des Unternehmens, das seit über 50 Jahren technische Spritzgießteile und Extrusionsprodukte für die Gebrauchsgüterindustrie und die Autobranche herstellt.

Frank Simon berichtet, dass es normalerweise zwei bis vier Wochen dauert, um nach einem solchen Auftrag ein funktionstüchtiges Werkzeug für die Produktion betriebsbereit zu haben. In diesem Fall aber seien es gerade einmal zwei Tage gewesen, bis das Werkzeug fertig war. „Mein Team und ich haben in den letzten Tagen nur wenig geschlafen“, sagt Frank Simon.

2000 Stück werden pro Tag produziert

Seitdem werden die Haltebügel produziert. 2000 Stück jeden Tag – im Schichtbetrieb. Simon erklärt: „Das Werkzeug wurde aus Stahl gefertigt, aber aus Zeitgründen nicht gehärtet.“ Aus diesem Grund betrage die Lebensdauer „nur“ 100 000 Halterungen, was etwa 50 Produktionstagen entspricht. Das reicht, um in Ruhe ein zweites – gehärtetes – Werkzeug herzustellen, das dann zwei Millionen Teile auswerfen kann.

„Auch diesen Auftrag haben wir von der Protection Impuls bereits erhalten“, sagt Simon. „Gemeinsam können wir sehr stolz auf das sein, was in der kurzen Zeitschiene realisiert wurde.“ Nicht nur die rasche Umsetzung, auch die kommerzielle Ausgestaltung des Vertrages unterscheide sich wesentlich von den normalen Geschäftsaktivitäten. Frank Simon stellt klar: „Hier geht es nicht um Profit, wir sehen hier unsere soziale Verantwortung im Vordergrund.“

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