Gischt, Schaum, Sturmgebrüll am Kinzigsee: Sebastian Gux hebt ab. Fotos: Axel Häsler

Langenselbold/Rodenbach

Dieser Rodenbacher surft auch bei Sturmböen auf dem Kinzigsee

Langenselbold. Wenn der Wind mit 100 Stundenkilometern über den Kinzigsee fegt, dann ist Sebastian Gux in seinem Element. Wenn wie am stürmischen Rosenmontag Wellen auf den Strand klatschen, ist es ein bisschen so wie an der Ostsee. Hier wie dort hat ein mächtiger Wind an allen Elementen gerüttelt.

Von Torsten Kleinerüschkamp und Axel Häsler

Wenn Böen Kräuselteppiche über das Gewässer im Kinzigtal vor sich hertreiben, dann gerät der 20-Jährige in Hochstimmung. „Ich bin ein leidenschaftlicher Windsurfer“, sagt der Rodenbacher.

Man glaubt es ihm. Schließlich steckt er an diesem Tag in einem dicken Neoprenanzug anstatt daheim im warmen Zimmer zu sitzen, um Kräppel zu schmausen und an einer warmen Kaffeetasse zu nippen. Schließlich ist es kalendarisch noch Winter. Wer wagt sich da schon bei Windstärke 10 auf einen See? Eigentlich gilt für ihn das Motto „Nur Fliegen ist schöner“. Mit diesem Slogan warb einmal Opel vor vielen Jahrzehnten für seinen Sportwagen GT.

Sturm bringt perfekte Trainingsbedingungen

Sprünge und Salti sind bei solch einem Sturmgebraus kein Problem für ihn. Dank Sturmtief „Bennet“ kann der junge Mann, der im vergangenen Jahr sein Abitur in Gelnhausen gemacht hat, richtig gut trainieren. „Das klassische Windsurfen, also nur geradeausfahren, wurde mir schon bald zu monoton. Deshalb begann ich mit der Disziplin 'Freestyle Windsurfing', bei der man gesprungene Manöver und Drehungen im Flachwasser praktiziert“, berichtet er.

Der Kinzigsee ist für den Rodenbacher Trainingsrevier. „Ich bin in nur zehn Minuten von Rodenbach nach Langenselbold gefahren.“ Da er leider nicht am Meer oder an einem richtig großen See wohnt, ist dennoch die Gründaustadt mit seinem Kinzigsee eine gute Basis für ihn, um seinen Zielen näher zu kommen. „Ich möchte ein professioneller Windsurfer in der noch jungen Disziplin Freestyle werden“, sagt er. Im vergangenen Jahr hat er seinen ersten Wettkampf bei der „European Freestyle Pro Tour“ absolviert. Dort in Holland belegte er einen 17. Platz.

Mutter bringt Mittagessen

Er trainierte für sein Debüt nicht nur auf dem Kinzigsee, sondern auf der griechischen Insel Karpathos sowie in Spanien, Portugal und Brasilien. Weil es für einen jungen Sportler essenziell wichtig ist, ein gutes Umfeld zu haben, wird Sebastian Gux von seinen Eltern und auch seinem Verein, dem Windsurfclub Kinzigsee (WSC), unterstützt.

Zur Halbzeit des stürmischen Trainings bringt die Mutter ein Mittagessen zu den Gestaden des Kinzigsees. „Über die Jahre hat mich neben meinen Eltern auch besonders der Surfshop-Besitzer Jürgen Wolf vom Kinzigsee unterstützt und natürlich auch alle anderen Windsurfer vom Kinzigsee“, so der Wassersportler.

Teurer Sport

Gux hat sich für die Disziplin Freestyle entschieden, weil das gewöhnliche Windsurfen seiner Schilderung nach schon ein bisschen aus der Mode geraten ist. Vor 30 Jahren war Surfen auch in Langenselbold noch ein angesagter Sport. So langsam kommen aber die Pioniere dieses Sports in die Jahre. „Die jungen Leute fehlen“, sagt der junge Mann. Dem Windsurfclub Langenselbold geht es da nicht anders.

Es gibt noch einen Wermutstropfen. Dass ein Sportgerät in vielen Disziplinen richtig teuer ist, ist allgemein bekannt. Das gilt auch für die Sparte Freestyle beim Windsurfen. Das Brett kostet rund 2400 Euro, das Segel und der Mast je 700 Euro und die Gabel 600 Euro. Dann kommt dann noch der Neoprenanzug und anderes hinzu. Wie viele Sportler ist der junge Mann deshalb auf Sponsorensuche. Es ist ja nicht nur die Ausrüstung, die bezahlt und up to date gehalten werden muss, sondern es fallen auch erhebliche Kosten für Wettkampfgebühren und Reisen in entlegene Gefilde an.

Wunschort für Studium: Kiel

Zum Surfen ist Sebastian Gux eigentlich über seine Schwester gekommen. Seit etwa sieben Jahren trainiert er regelmäßig auf dem Kinzigsee, an sehr vielen Wochenenden. Der junge Mann hat aber nicht nur eine sportliche Perspektive, sondern er möchte nach seiner einjährigen Auszeit nach dem Abi ein Studium aufnehmen. Er liebäugelt mit den Fächern „Erneuerbare Energien und Wasserschutz“.

Dreimal darf man raten, wo er am liebsten studieren möchte? „In Kiel!“ Die Schwester übrigens, die ihm das Surfen schmackhaft gemacht hat, steigt aber nicht mehr auf das Brett – Bretter, die für Sebastian aber die Welt bedeuten.

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