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Rettungsschwimmer am Kinzigsee: Langenselbolder gewährt Einblicke in seinen Job

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Von: Jan Lucas Frenger

Seit Jahren stolzer Rettungsschwimmer: William Ölsner sorgt zusammen mit seinem Team für die Sicherheit der Badegäste am Kinzigsee in Langenselbold.
Seit Jahren stolzer Rettungsschwimmer: William Ölsner sorgt zusammen mit seinem Team für die Sicherheit der Badegäste am Kinzigsee in Langenselbold. © Jan Lucas Frenger

Rettungsschwimmer William Ölsner sorgt gemeinsam mit seinem Team für die Sicherheit der Badegäste am Strandbad Kinzigsee in Langenselbold – und auch mit 65 hat er noch lange nicht genug.

Langenselbold – Ob im Schwimmbad oder am See: Beim vergnügten Planschen im kühlen Nass darf die Sicherheit selbstverständlich nicht zu kurz kommen. Am Strandbad Kinzigsee ist Rettungsschwimmer William Ölsner maßgeblich für das Wohlergehen der Badegäste verantwortlich. Der 65-Jährige ist dort ein echter Dauerbrenner, bereits seit 17 Jahren stürzt er sich dort hauptberuflich als Leiter eines fünf- bis achtköpfigen Teams bei Notfällen wagemutig ins Wasser. Zuvor war er jahrelang als Tauchlehrer aktiv, leitete sogar eine eigene Tauchschule in seinem Heimatort Langenselbold. Dabei verschlug es ihn auch immer wieder unter die Wasseroberfläche des Kinzigsees, den er daher wie seine Westentasche kennt. „Dank meiner Tauchausbildung bin ich bestens mit der Topologie des Gewässers vertraut“, erläutert Ölsner, der seit seinem 18. Lebensjahr mit dem Thema Rettungsschwimmen zu tun hat.

„Ich habe mich schon immer für alles, was mit Wasser und Menschen zusammenhängt, begeistert.“ Und das zeigt sich: Jahr für Jahr freuten sich die Stammgäste am Strandbad, sein vertrautes Gesicht zu sehen. Gerade diese zwischenmenschliche Komponente sei es, die der Rettungsschwimmer an seinem Beruf schätze. Auch wenn der Ton, wie Ölsner sagt, mittlerweile deutlich rauer geworden ist.

Langenselbold: Rettungsschwimmer am Kinzigsee immer häufiger unter Beschuss

Insbesondere im Zusammenspiel mit Alkohol komme es immer häufiger zu Auseinandersetzungen mit Badegästen, bei denen sich die Rettungsschwimmer mitunter heftige Beleidigungen anhören müssten. Von solchen Anfeindungen lässt sich Ölsner jedoch nur wenig beeindrucken. „Ich versuche, immer ruhig zu bleiben und eine Distanz zu den Gästen zu wahren“, erläutert er.

Ölsner lässt sich nicht auf Diskussionen ein, er fährt am Kinzigsee eine klare Linie: „Wer nicht hört, muss das Strandbad leider verlassen. Bei dem See handelt es sich nun mal um ein offenes Gewässer, mit teils starken Winden und Strömungen“, erläutert der 65-Jährige. Vielen Menschen sei das jedoch nicht bewusst – immer wieder würden Anweisungen des Badepersonals bewusst ignoriert, die eigenen Kräfte überschätzt. Dabei kann es schnell zu bedrohlichen Situationen kommen. Allein im Jahr 2020 sind laut Statistiken der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Deutschland rund 378 Menschen beim Baden in Seen, Schwimmbädern oder Flüssen ertrunken. Bedingt durch die Corona-Pandemie fielen Schätzungen der DLRG zufolge 2020 zudem Schwimmkurse für rund 20  000 Anfänger aus. Diese könnten aufgrund des Mangels an Bädern jedoch nicht einfach nachgeholt werden, hieß es. Deutschland entwickelt sich daher zunehmend zu einem Land, in dem immer weniger Kinder lernen, sich richtig und effektiv über Wasser zu halten.

Kinzigsee Langenselbold: Rettungsschwimmer-Team hat alles im Blick

Auch Ölsner beobachtet diesen Trend mit Sorge. Der Rettungsschwimmer sieht für die bedenkliche Entwicklung allerdings nicht ausschließlich die Pandemie verantwortlich: „Ich habe schon etliche Gespräche mit Eltern zu dem Thema geführt. Bei vielen ist das Interesse, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen, nicht mehr so groß.“ Gleichwohl habe die Pandemie mit Sicherheit ihren Teil dazu beigetragen, das Problem weiter zu verschärfen, so der Rettungsschwimmer.

Der Selbolder und sein Team sind daher rund um die Uhr im Schichtbetrieb mit wachsamen Augen, Ferngläsern und Walkie-Talkies am ganzen See unterwegs. „An der Rettungsstation sind mit mir in der Regel noch drei weitere Kollegen im Einsatz, da ich auch häufig mit dem Boot auf dem See unterwegs bin. Der Rest vom Team verteilt sich dann auf die zahlreichen Hochsitze, die wir rund um den See positioniert haben“, erläutert der 65-Jährige. Und das ist auch notwendig. „Zu guten Zeiten haben wir hier zwischen 4500 und 6000 Badegästen am Tag.“

Personalmangel: Rettungsschwimmer am Kinzigsee in Langenselbold gesucht

Leider, so Ölsner, sei es in seiner Branche mitunter immer schwieriger, fähiges Personal zu finden. „Wir suchen ständig Verstärkung. Es kommen auch nicht mehr so viele junge Kollegen nach“, moniert er. Viele Bewerber hätten zudem eine falsche Vorstellung vom Arbeitsalltag eines Rettungsschwimmers. „Die kommen hier an und denken, sie sitzen für ein paar Stunden am Tag entspannt in der Sonne.“

Die Realität sieht jedoch oftmals anders aus. Neben den körperlichen Strapazen, die mit mehrstündiger Arbeit in der prallen Sonne einhergingen, verlange der Beruf auch psychisch einiges ab. „Schwere Notfälle nehmen einen natürlich mit“, sagt Ölsner. „Daher ist es wichtig, den Job ganz klar vom Privaten zu trennen. Wenn ich abends aus dem Strandbad gehe, versuche ich, alles hinter mir zu lassen. Das gelingt mir zum Glück ganz gut.“ Als Rettungsschwimmer muss man laut dem 65-Jährigen daher immer den „richtigen Spirit mitbringen“. „Du brauchst einfach einen Bezug zum Wasser. Praktische Erfahrung ist in dem Beruf das A und O.“

Langenselbolder Rettungsschwimmer: Auch mit 65 noch nicht genug vom Kinzigsee

Trotz seines inzwischen stolzen Alters steht für den Langenselbolder fest: Er macht weiter als Rettungsschwimmer am Kinzigsee. „Ich möchte diesen Beruf noch so lange ausüben, wie es mir möglich ist“, sagt der 65-Jährige. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der Badebetrieb am Strandbad pandemiebedingt seit nunmehr zwei Jahren ruht. Doch wie schafft es ein Rettungsschwimmer überhaupt, sich während einer solchen Zeit fitzuhalten?

„Ich gehe jede Woche mehrmals ins Schwimmbad und ziehe meine Bahnen. Das ist wichtig, denn wer rastet, der rostet“, erläutert Ölsner. Als Angestellter der Stadt Langenselbold sorge er in den Wintermonaten, in denen der Badebetrieb ohnehin ausgesetzt ist, zudem dafür, dass am Kinzigsee alles sauber und ordentlich bleibe. „Langweilig wird mir hier nicht so schnell“, sagt der 65-Jährige und lacht. Er ist optimistisch, dass das Strandbad diesen Sommer für den Badebetrieb geöffnet wird. Und wenn es so weit ist, werden er und sein Team wieder bereit sein, um Leben zu retten. (Jan Lucas Frenger)

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