Markus Garcia arbeitet seit vier Jahren beim Busunternehmen Heuser in Langenselbold. Für den Erhalt der Firma will er kämpfen. 311 Unterschriften hat er an zwei Tagen in Eigenregie gesammelt. Foto: Zeh

Langenselbold

Busfahrer kämpft gegen Viabus

Langenselbold. Immer wieder geht er auf und ab, raucht noch eine letzte Zigarette. Die Aufregung ist Markus Garcia anzumerken. In ein paar Minuten wird er mit Landrat Thorsten Stolz sprechen, ihm 311 Unterschriften übergeben. Damit will er bewirken, dass die Busbetreiberfirma Heuser den Linienverkehr in Langenselbold behält.

Von Sebastian Zeh

Die Kollegen setzen große Hoffnungen in ihn: „Ich bin der Capitano, meine Mannschaft verlässt sich auf mich“, sagt Garcia. Die Initiative hatte er selbständig ergriffen. „Ich habe viel über den Fall in der Zeitung gelesen. In unserem Betrieb geht es um 30 Arbeitsplätze – da wollte ich nicht tatenlos zugucken“, sagt er. An zwei Tagen spricht er daher Fahrgäste auf die geplante Vergabe mehrerer Langenselbolder Buslinien an den Betreiber Viabus (wir berichteten) an. „Man hat sofort gemerkt – die Leute wollen das nicht“, berichtet der 42-Jährige. 311 Unterschriften sammelt er am Ende. „Hätte ich ein paar Tage weiter gemacht, wären es bestimmt 1000 geworden.“ Eine Kopie ging auch an den Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert (CDU).

Traditionsfirma kann mit Zahlen von Viabus nicht mithalten

Dann kommt Stolz in den Warteraum, begrüßt seinen Gast mit einem festen Händedruck – und hört sich anschließend geduldig die Sorgen des Busfahrers an. „Die Firma Heuser gibt es in Langenselbold seit 87 Jahren. Aber mit den Zahlen, die Viabus vorgelegt hat, können wir nicht mithalten“, sagt Garcia. Eine solche Vergabe könne man nicht losgelöst sehen von den Arbeitsplätzen, die betroffen seien. Und er hat eine klare Hoffnung: „Sie sind doch der Big Boss im Main-Kinzig-Kreis, ich hoffe, dass Sie sich für uns einsetzen.“

Stolz schmunzelt bei der Bezeichnung. „Ich bin leider nicht der Big Boss, auch ich muss mich an die bestehenden Vergaberichtlinien halten“, sagt er in ruhigem Ton. Dass Kasseckert ebenfalls eine Ausfertigung der Unterschriften erhielt, sei aus seiner Sicht sinnvoll. „Er ist hierfür die richtige Adresse, denn die Vergaberichtlinien kommen vom Land Hessen.“ Garcia nickt, bleibt aber hartnäckig. „Ich kann dennoch nicht verstehen, dass man nicht bei dem bleibt, was man hat. Wir sind in der Stadt gut vernetzt, die Leute sind mit unserem Service zufrieden“, sagt er. Ob Viabus diesen Standard aufrechterhalten könne, weiß er nicht. „Die momentanen Meldungen aus Bayern sprechen dagegen.“

Stolz:Rein politisch bin ich bei Ihnen"

„Fairerweise muss man natürlich sagen, dass ein Betreiberwechsel zu Beginn immer zu Problemen führt“, antwortet Stolz. Aber: „Rein politisch bin ich bei Ihnen und wenn ich eine Wahl gehabt hätte, hätte ich sie sicherlich im Sinne der regionalen Betriebe getroffen.“ Das allerdings sei rechtlich gesehen nicht machbar, da die einzuhaltenden europäischen Richtlinien klar festlegten, wie die Entscheidung zu treffen sei. „Andernfalls hätte Viabus hohe Schadenersatzforderungen stellen können“, so der Landrat.

Weiterhin, so Stolz, hätte neben dem Preis auch das Qualitätskonzept eine Rolle gespielt. Allerdings waren die Verhältnisse klar: 70 Prozent Preis, 30 Prozent Service. „Das kann ich nicht verstehen“, sagt der Busfahrer. „Die Qualität ist doch bei uns das Wichtigste. Wenn die nicht stimmt, fahren die Leute auch nicht mehr mit dem Bus.“ Der Wettbewerb gegen Viabus wirke auf ihn wie David gegen Goliath.

Knallharter Wettbewerb durch Ausschreibung

„Ich bin da voll bei Ihnen“, erwidert Stolz. Das Prinzip der Ausschreibung bedinge einen knallharten Wettbewerb: „Selbst hier im Main-Kinzig-Forum müssen wir die Stromversorgung alle zwei Jahre neu ausschreiben. Dabei gibt es keine Gewähr, dass die Kreiswerke den Zuschlag erhalten – obwohl sie im direkten Umfeld sitzen.“

Überrascht zeigt sich Stolz, als Garcia mitteilt, dass er die Aktion ganz alleine getragen hat. „Ich habe einen Brief vom Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer erhalten, die haben sich allerdings wenig konkret geäußert“, erzählt der Landrat. Kein Wunder, immerhin vertritt der Verband auch Viabus. „Entschuldigen Sie den Ausdruck, aber der Verband hat da auch einfach keinen Arsch in der Hose“, kommentiert Garcia.

Landrat möchte nichts versprechen

Seinen Standpunkt hat er dem Landrat klargemacht. Und Stolz verspricht ihm, die Unterschriften an die Vergabekammer weiterzuleiten, welche die letztendliche Entscheidung im Vergabeverfahren treffen wird. „Ich kann Ihnen allerdings nicht versprechen, dass sie einen Einfluss auf das Ergebnis haben wird“, sagt Stolz.

Sichtlich erleichtert verlässt Garcia das Büro des Landrats. Er hat alles getan, was er konnte, sagt er. „Jetzt muss ich abwarten, wie es ausgeht.“ Der 42-Jährige hofft weiter. Für seine Firma, in der er gerne arbeitet. Und für seine Kollegen, seine Mannschaft.

Das könnte Sie auch interessieren