Als fairer Verlierer erwies sich Tobias Dillmann (rechts), der in der Klosterberghalle zu den ersten Gratulanten des Wahlsiegers Timo Greuel zählte.Foto: Scheiber

Langenselbold

Bürgermeisterwahl: Timo Greuel in allen Bezirken über 60 Prozent

Langenselbold „Mit diesem klaren Wahlsieg habe ich wirklich nicht gerechnet. Er ist für mich ein großer Ansporn für meine Arbeit als Bürgermeister, die ich dann am 1. Juni aufnehmen werde“, war dem künftigen Selbolder Stadtoberhaupt im Telefonat mit dem HA die Überraschung über seinen triumphalen Sieg weiterhin anzumerken.

Von Lars-Erik GerthGemeinsam mit seinen Unterstützern und vielen SPD-Bürgermeistern aus der Region sowie Landrat Thorsten Stolz feierte Greuel den großen Erfolg am Sonntagabend im Schützenhaus an der Gründauhalle. Jedoch „nur“ bis 0.30 Uhr, denn gestern war für den amtierenden Ersten Stadtrat wieder Arbeitsalltag im Rathaus angesagt. Sein Wahlsieg kann durchaus als erdrutschartig bezeichnet werden, denn der Sozialdemokrat lag in allen 13 Wahlbezirken und auch in den zwei Briefwahlbezirken mehr als deutlich vor seinem Konkurrenten Tobias Dillmann (CDU). Das beste Ergebnis fuhr Greuel im Wahlbezirk II (Klosterberghalle) mit stolzen 75,18 Prozent ein. Insgesamt übersprang er in vier Wahlbezirken die 70-Prozent-Marke.

Die niedrigste Zustimmung erhielt der designierte Bürgermeister mit 61,55 Prozent im ersten Briefwahlbezirk. Aber auch hier lag er mehr als deutlich vor dem Selbolder CDU-Parteichef, der in diesem Teilbereich mit 38,45 Prozent immerhin sein bestes Resultat verbuchen konnte. Bei den Wahlbezirken kamen sich die Stichwahlkandidaten in der Gründauschule (Wahlbezirk 5) am nächsten, wo der Sozialdemokrat mit 62,81 gegenüber 37,19 Prozent aber auch noch sehr deutlich in Front lag.

Greuel und Dillmann bekennen sich zur Großen Koalition

So ganz war bei Tobias Dillmann die Enttäuschung über die klare Niederlage noch nicht verflogen, als ihn der HA am Montagvormittag telefonisch erreichte. Zu hoch wollte er die Wahlschlappe dann aber doch nicht hängen, als er den Titel eines Zarah-Leander-Schlagers zitierte: „Davon geht die Welt nicht unter“. Entsprechend richtet sich sein Blick schon auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr, bei der die CDU ihre Position als Nummer eins in der Gründaustadt unbedingt verteidigen möchte. „Wir werden die Wahl im Vorstand und mit den Mitgliedern besprechen und analysieren, daraus unsere Schlüsse für den anstehenden Wahlkampf zur Kommunalwahl ziehen“, kündigte der Vorsitzende der Selbolder Christdemokraten bereits an.

Wie bereits am Wahlabend, so bekannten sich Greuel und Dillmann auch am Montag zur großen Koalition. SPD-Parteichef Bernd Kaltschnee hatte ebenfalls bereits klargestellt, dass die Sozialdemokraten zu den Vereinbarungen mit der CDU stünden, die nun das Vorschlagsrecht für die Neubesetzung der Position des Ersten Stadtrats hat. Wen die Christdemokraten für die Nachfolge von Timo Greuel in diesem Amt nominieren werden, steht noch nicht fest. Klar ist nur, dass To-bias Dillmann, der gestern wieder an seinen Arbeitsplatz in Frankfurt zurückkehrte, für die zweite hauptamtliche Stelle im Magistrat nicht zur Verfügung steht.

Gratulation von Dillmann

Jener, der 1996 die Reihe der sozialdemokratischen Langenselbolder Bürgermeister jäh unterbrach, meldete sich derweil mit seinem Statement aus dem Krankenstand zu Wort. Eine fiebrige Grippe verhinderte nämlich, dass Heiko Kasseckert (CDU) am Sonntagabend in der Klosterberghalle den Eingang der Wahlergebnisse mitverfolgen konnte.

Er teilte seine Einschätzung des für seine Partei so enttäuschenden Wahlausgangs per E-Mail mit: „In der Demokratie gilt es, Mehrheitsentscheidungen anzuerkennen. Ich gratuliere Timo Greuel zu seiner Wahl. Damit geht zunächst einmal eine Ära der CDU nach fast zweieinhalb Jahrzehnten zu Ende. Eine Zeit, in der sich unsere Stadt unter der Handschrift der CDU vorbildlich und erfolgreich entwickelt hat. Als Christdemokrat bin ich da-rüber sehr enttäuscht. Als Bürger und Lokalpatriot wünsche ich Herrn Greuel, dass er bei der Weiterentwicklung unserer Stadt eine glückliche Hand beweist. Wir und ich bieten die Unterstützung dazu an.“

​​Respektsbekundung von Greuel

Und zu seinem unterlegenen Parteifreund merkte der frühere Bürgermeister und heutige Landtagsabgeordnete an: „Bei Tobias Dillmann möchte ich mich für sein großartiges Engagement herzlich bedanken. Er hat einen aufreibenden Wahlkampf geführt und aus meiner Sicht alle Voraussetzungen fürdieses wichtige Amt mitgebracht. Als stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung stehen wir immer noch in der Verantwortung und werden als CDU diese Verantwortung auch wahrnehmen.“

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