Manfred Kapp, Axel Häsler, Timo Greuel und Tobias Dillmann stellen sich in Langenselbold zur Wahl. Archivbilder: Mike Bender

Langenselbold

Bürgermeisterwahl in Selbold: Fragen an die Kandidaten - Teil 2

Langenselbold. Die Stadt Langenselbold wählt am Sonntag, 19. Januar, einen neuen Bürgermeister. Amtsinhaber Jörg Muth tritt nach zwölf Jahren nicht mehr an.

Sollte im ersten Wahlgang keiner der vier Bewerber die absolute Mehrheit erreichen, gibt es am Sonntag, 2. Februar, eine Stichwahl mit den zwei Bewerbern, die im ersten Durchgang die meisten Stimmen erhalten haben. In einer zweiteiligen Serie beantworten die vier Kandidaten heute Fragen zu den Themen Ärzteversorgung/Bildungspolitik vor Ort/Kinzigsee. Im ersten Teil war es um die Bereiche Bauen/Wohnen/Finanzen gegangen.

Eine Faktenüberprüfung wurde seitens der Redaktion nicht vorgenommen.

Mehrere Hausärzte haben 2019 ihre Praxis geschlossen, außerdem mangelt es an Fachärzten. Ein Gesundheitszentrum ist zwar geplant, aber aktuell fehlen die Ärzte. Wie wollen Sie kurzfristig neue Ärzte dafür gewinnen, sich in Langenselbold niederzulassen?

Tobias Dillmann (CDU):Das Thema Ärzteversorgung steht oben auf meiner Agenda. Ich will eine gute medizinische Versorgung in unserer Stadt. Deswegen stehe ich schon seit rund einem Jahr im regen Austausch mit Fachärztin Katrin Fitzler und konnte sie mit diesem Thema als Referentin für die letzte Bürgerversammlung gewinnen. Wir werden also überlegen müssen, mit welchen Maßnahmen wir uns von anderen Kommunen abheben. Das können bauliche Angebote sein. Moderne, helle, barrierefrei zugängliche Gebäude, ergänzende Angebote, etwa im Bereich Rehabilitation, aber auch gezielte Erleichterungen für Ärzte. Darunter fallen Angebote günstiger Praxisräume, gute technische Infrastrukturen, Betreuungsangebote etc.​​

Timo Greuel (SPD): Langenselbold ist eine attraktive Stadt und ein guter Standort für Ärzte. Junge Ärzte suchen heute weniger die Einzelpraxis von früher. Sie wollen sich in Gemeinschaftspraxen in modernen Gebäuden mit einem modernen Arbeitsumfeld niederlassen. Mit dem geplanten Gesundheitszentrum stellen wir gerade die richtigen Weichen. Diesen Weg will ich fortsetzen. Gemeinsam mit den Hausärzten möchte ich die Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung intensivieren und bürokratische Hürden überwinden.

Axel Häsler (unabhängig): Wie es die neuerliche Entwicklung zeigt, geht es nun mit Riesenschritten voran, das Gesundheitszentrum entstehen zu lassen. Die Stadtparlament hat den Weg zum Bau des Vorhabens beschlossen. Der Investor des Zentrums, Wolfgang Herdt​, sowie die Ärztin Katrin Fitzler haben bekannt gegeben, dass sie mit mehreren Ärzten in Verhandlung stehen, die schon bereitstehen, um in das neue Gesundheitszentrum, das in zwei Jahren bereits fertiggestellt sein soll, einzuziehen. Die alten Praxen sind nicht mehr zeitgemäß. Kurzfristig wird es daher schwer werden, dennoch Ärzte zu finden, die jetzt in die alten Praxen einziehen. Ich könnte mir vorstellen, den Ärzten mit den Mieten entgegenzukommen, um vielleicht so doch einen Anreiz zu schaffen.

Manfred Kapp (Freie Wähler):Allein und ohne Kollegen in der Praxis zu arbeiten, das widerspricht den Vorstellungen vieler junger Ärztinnen und Ärzten. Sie wollen Zusammenarbeit im Team, geregelte Arbeitszeiten und eine vernünftige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir sollten deshalb Zusammenarbeit und kooperative Strukturen nach besten Kräften und mit geeigneten Räumlichkeiten unterstützen. Der Bürgermeister muss dies zu einer persönlichen Angelegenheit machen. In den nächsten Jahren erhoffe ich die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums in Langenselbold.

Durch die Neubaugebiete sind zahlreiche junge Familien in die Gründaustadt gezogen. Was muss Ihrer Meinung nach getan werden, um für eine gute Versorgung mit Kita- und Hort-Plätzen zu sorgen. Und wo würden Sie als Bürgermeister den Schwerpunkt in der Bildungspolitik vor Ort setzen?

Tobias Dillmann (CDU):Im Rahmen meiner „Mit-dem-Ohr-am-Bürger“-Tour konnte ich mit Hort-, Kita-Leitungen und jungen Familien, zu denen auch ich gehöre, gute Gespräche führen. Wir haben ein gutes Betreuungsangebot für alle Altersklassen, das ich gerne mit flexibleren Betreuungszeiten und mehr Mittagsessensplätzen erweitern möchte. Und auch in Zukunft mit hoch qualifizierten Erzieherinnen. Sollte es die Haushaltslage zulassen, ist auch eine Reduzierung der Gruppengröße für mich im Bereich des Möglichen. ​

Timo Greuel (SPD): In Langenselbold bewegen sich Kinderbetreuung und frühkindliche Erziehung auf einem hohen Niveau. Auch die Betreuung im Hortbereich ist sehr gut aufgestellt. Dazu hat auch der Ausbau der Betreuung an den beiden Grundschulen beigetragen. Ich möchte die Qualität in der Betreuung durch kleinere Gruppen noch steigern. Erzieherinnen und Erzieher leisten pädagogisch wertvolle Arbeit. Erzieher*innenausbildung und Lehrer*innenausbildung sollten deshalb in Zukunft gleichgestellt werden. Bildungspolitik ist Aufgabe des Landes.

Axel Häsler (unabhängig): Zurzeit ist die Zahl der Kitaplätze weitestgehend ausreichend. Sollten wie geplant, in Langenselbold in den nächsten Jahren etwa 700 neue Wohneinheiten entstehen und die Zahl der Einwohner um über 1000 Bürger steigen, darunter viele Kinder, wird die Kapazität der vorhandenen Kindergärten sehr schnell ausgeschöpft sein. Da liegt es nahe, dass die Errichtung eines weiteren Kindergartens notwendig wird. Zum Thema Bildungspolitik wäre es in meinen Augen wünschenswert, eine gymnasiale Oberstufe in Langenselbold zu installieren. Jedoch ist dies eine Kreisangelegenheit und fällt nicht in die Kompetenz des Bürgermeisters.

Manfred Kapp (Freie Wähler):Die Perspektive muss sein, dass der Ausbau der sozialen Infrastruktur dem Bau von Neubaugebieten immer einen Schritt voraus ist. Klagen über einen verspäteten Ausbau von Kita- oder Krippenplätzen darf es nicht geben. Bei der Betreuung der Schulkinder gilt es, die städtischen Horteinrichtungen noch stärker mit der Ganztagsangeboten der beiden Grundschulen zu verzahnen. Diese leisten bereits heute eine hervorragende Arbeit, werden sich aber in Richtung auf noch mehr Ganztagsschule weiterentwickeln. Dies zu unterstützen, ist in vielfältiger Hinsicht im Interesse der Stadt.

Nach dem Bürgerentscheid im Februar 2019 bleibt der Kinzigsee in städtischer Hand. Was würden Sie als Bürgermeister tun, um das Strandbad attraktiver zu machen, um auch mehr Besucher anzulocken?

Tobias Dillmann (CDU):Klar ist, das Strandbad bleibt in städtischer Hand. Es ist ja gerade für Familien mit Kindern ein Kleinod in der Region. Um dort mehr Einnahmen erzielen zu können, müssen wir aber attraktiver für Schwimmen und Freizeit sein. Nach meiner Vorstellung könnte eine schöne Flachwasserzone für Kleinkinder mit neuen Spielgeräten entstehen. Mehr Schattenplätze und mehr Duschen sowie sanitäre Anlagen im gesamten Strandbad sind ebenfalls notwendig und sollten durch ein verbessertes Kioskangebot, Spielmöglichkeiten für Jugendliche und Erwachsene sowie durch besondere Familieneventtage ergänzt werden.

Timo Greuel (SPD): Ich möchte, dass noch mehr Menschen die Attraktivität unseres Badesees entdecken und gerne wiederkommen. Deshalb habe ich bereits für das neue Jahr über die politischen Gremien eine weitere Veranstaltungsserie am Kinzigsee initiiert. Sie soll gegen Ende der Badesaison 2020 stattfinden. Die CDU hat jedoch darauf bestanden, dass dieses Projekt davon abhängig gemacht wird, dass bis zum 30. April 2020 insgesamt 20 000 Euro Sponsorengelder generiert werden. Ob das gelingen kann, bleibt abzuwarten.

Axel Häsler (unabhängig): Auf dem Gelände des Strandbads fehlt es an sportlichen Möglichkeiten und Attraktionen, die über das Baden hinausgehen. Im Nichtschwimmerbereich könnten eine oder zwei schwimmende Spielburgen/Badeinseln für verschiedene Altersgruppen errichtet werden. Eine Flachwasserzone für kleine Kinder kann ebenso im Nichtschwimmerbereich entstehen. Diese könnte baulich so angelegt werden, dass sie gar keine Verbindung mit dem See hat und daher auch im Wiesenbereich liegen könnte. Die Versorgung würde durch Seewasser mit einer Pumpe erfolgen. Der Weg vom südlichen Strandbereich bis zu den sanitären Anlagen ist relativ weit. Dort sollte eine zusätzliche WC-Anlage gebaut werden. Wichtig ist auch das mehr natürlicher Schatten gewonnen wird.

Manfred Kapp (Freie Wähler):Für 2020 sind 400 000 Euro für Baumaßnahmen im Haushaltsplan eingestellt. Damit können die Sanierung des Sanitätsgebäudes und die Installation von Warmwasserduschen in Angriff genommen werden. Weitere Maßnahmen sind vorgesehen oder bereits umgesetzt. Mit einer gelinden Skepsis sehe ich den Vorschlägen zu einer Veranstaltungsserie am Kinzigsee entgegen. Für mich ist es wichtig, dass der Charakter des Sees als Erholungsstätte und der des Strandbades als Familienbad erhalten bleibt.

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