Bei der Podiumsdiskussion des HANAUER ANZEIGER stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten den Fragen unserer Moderatoren und der Bürger. Alle Fragen, die vor Ort nicht beantwortet werden konnten, haben die Kandidaten nun schriftlich beantwortet. Foto: Mike Bender

Langenselbold

Bürgermeisterwahl: Langenselbolder fragen ihre Kandidaten

Langenselbold. Rund zwei Stunden standen die vier Bürgermeisterkandidaten bei der großen Podiumsdiskussion des HANAUER ANZEIGER in der Langenselbolder Klosterberghalle Rede und Antwort. Hier sind die Fragen und Antworten aus dem Publikum, die bisher noch nicht beantwortet wurden.

Frage an Tobias Dillmann

Ihr Wahlprogramm heißt „Weiter so wie bisher“. Aber irgendwann sind die Grenzen des Wachstums erreicht. Wie gedenken Sie, die Weichen für eine umweltgerechte Zukunft zu stellen? (Gisela Koog)

Tobias Dillmann: Ich möchte an die sehr gute Arbeit von Heiko Kasseckert und Jörg Muth anknüpfen, die von Weiterentwicklung und Wachstum geprägt war. Die auf den Weg gebrachten Gewerbe- und Wohnbaugebiete werde ich entsprechend in den nächsten 15 bis 25 Jahren entwickelt und verkauft haben. Wachstum darüber hinaus schaue ich mir genau an. Die Frage „Wie viel ist genug?“ sollte dabei gestellt werden. Als Ausgleich plane ich den Ausbau von Wander- und Radwegen, die Bereitstellung von Flächen zur Aufforstung, den Stadtpark und die Fortschreibung und Umsetzung des Klimaschutzkonzepts.

Frage an Timo Greuel

Wer soll Ihrer Meinung nach Erster Stadtrat werden, wenn Sie Bürgermeister werden? (Anja Groß)

Timo Greuel: Über die mögliche Neubesetzung der Stelle der Ersten Stadträtin oder des Ersten Stadtrats zu entscheiden, liegt in der Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung. Daher stellt sich diese Frage für mich nicht.

Frage an Manfred Kapp

Was halten Sie von Integration und Inklusion in den Tageseinrichtungen und Schulen – vor allem Inklusion von lernschwachen und behinderten Kindern in Einrichtungen in Langenselbold? Und wie wollen Sie diese fördern?

Manfred Kapp:Ich finde diese Einrichtungen gut. Im Bayerischen sowie im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan sind bereits die für Inklusion wichtigen Heterogenitätsdimensionen wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Kultur und Religion umfassend berücksichtigt, ohne dass der Begriff Inklusion explizit verwendet wird. Beide Bildungspläne sehen die individuellen Unterschiede der Kinder als Chance und Bereicherung sowie die soziale und kulturelle Vielfalt der Kinder und Familien als Lernchance für das einzelne Kind. Für mich steht fest, dass von der Integration zur Inklusion ein Gewinn für alle besteht. Leider unterstehen Schulen dem Kreis. Bei den Langenselbolder Tageseinrichtungen würde ich mich dafür einsetzen, dass mehr Fachpersonal eingestellt wird.

Fragen an Tobias Dillmann und Timo Greuel

Wie sieht die Zukunft des ÖPNV in Langenselbold künftig aus? (Kai Hasenpflug)

Tobias Dillmann:Durch die Fortschreibung des Nahverkehrsplans und die Zusammenlegung überregionaler Buslinien mit der Stadtbuslinie konnte das ÖPNV-Angebot merklich erweitert werden. Die zukünftigen Wohnbau- und Gewerbegebiete werden auch an den ÖPNV angeschlossen. Langenselbold wird mit seinen Bus- und Bahnverbindungen damit weiterhin eine zentrale Rolle in der Region einnehmen.

Timo Greuel: Als Bürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass der ÖPNV weiter ausgebaut wird. Im Zusammenhang mit dem viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hanau und Gelnhausen will ich eine kürzere Taktung der Regionalzüge einfordern, denn die Zukunft der Mobilität liegt in Rad, Bus und Bahn.

Wann werden beziehungsweise werden die Haltestellen barrierefrei? (ebenfalls Kai Hasenpflug)

Tobias Dillmann: Mit der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes vom Dezember 2019 sind bis zum 1. Januar 2022 Maßnahmen umzusetzen, die zur möglichst weitreichenden barrierefreien Nutzung des ÖPNV führen. Als möglicher neuer Bürgermeister werde ich mit den Fachabteilungen Maßnahmen erarbeiten und die notwendigen Mittel im Haushalt ansetzen, um der gesetzlichen Verpflichtung gerecht zu werden.Timo Greuel: Der Bahnhof Langenselbold wird im Zuge des viergleisigen Ausbaus barrierefrei werden. Mit dem Beginn der Ausbauarbeiten ist jedoch nach aktuellem Stand nicht vor dem Jahr 2023 zu rechnen.

Fragen an alle Kandidaten:

Was ist als Ausgleich für das erhöhte Verkehrsaufkommen geplant? (K. Goldmann)

Tobias Dillmann:Um die CO²-Bilanz ausgewogen zu gestalten, plane ich als Bürgermeister weitere E-Mobilitätsladestationen. Daneben stehe ich für die Umsetzung eines Fotovoltaikparks auf der alten Mülldeponie am Rödelberg und weitere Aufforstungen. Die Junge Union und ihre 1000-Bäume-Aktion, die ich unterstützt habe, waren ein erster toller Schritt. Für die Zukunft möchte ich mich auch intensiver mit der Thematik Wasserstoff-Energien und deren Anwendungsmöglichkeiten beschäftigen.

Timo Greuel: Die Verkehrsengpässe treten in der Regel morgens vor 9 Uhr auf, wenn die Pendler in Richtung Frankfurt fahren. Um dies zu entschärfen, ist eine Verlängerung der Rechtsabbiegespur im Rahmen des Bebauungsplans „Gewerbepark West“ und eine neue Straßenachse nach Südwesten bereits eingeplant. Die größten Verkehre werden jedoch durch auswärtige Pendler verursacht, die Staus auf A66 und A45 umgehen möchten.

Axel Häsler: Ob da zurzeit seitens der Stadtverwaltung schon etwas geplant ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Art Maut für die einzelnen Verursacher wäre zu aufwändig. Ich persönlich würde es befürworten, wenn als Ausgleich ein Haushaltsposten eingerichtet wird, dessen Mittel für die Schaffung oder Instandhaltung von Fahrrad- und Fußwegen verwendet wird.

Manfred Kapp: Zurzeit, über die A45 kommend, gibt es die Autobahnabfahrten Langenselbold-Ost und Langenselbold-West. Wenn der Gewerbepark West gebaut wird, soll ein Teilstück der L3445 (Nesselbusch) verbreitert werden, sodass der Verkehr, kommend von Erlensee und von der A45 (Abfahrt West), besser in Richtung Langenselbold abgeleitet beziehungsweise abfließen kann. Ebenfalls ist geplant, wenn Niedertal V gebaut wird, ein Teilstück der L3009 zu verbreitern. Allgemein wurde ein Verkehrsgutachten erstellt in dem kein erhöhtes Verkehrsaufkommen gemessen wurde. Weiter ist meiner Kenntnis nach keine Änderung geplant.

Wie werden die Naturschutzgebiete um Langenselbold in Zukunft besser geschützt?

Tobias Dillmann: Die Notwendigkeit des Erhalts von Flora und Fauna ist nicht nur seit dem Bienensterben in aller Munde und verdient besondere Aufmerksamkeit, weswegen ich für eine besonnene Flächenversiegelung im Interesse des Allgemeinwohls stehe. Die Naturschutzgebiete haben einen besonderen gesetzlichen Schutz. Sollte dieser Schutzstatus regelmäßig missachtet werden, ist das Habitat durch verstärkte Kontrollen wiederherzustellen.

Timo Greuel:Die Stadt Langenselbold und Hessen Forst führen regelmäßige Kontrollen in den Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten durch. Verstöße gegen die einschlägigen Rechtsvorschriften werden den zuständigen Behörden, der Unteren und der Oberen Naturschutzbehörde, gemeldet. Diese Kontrollen wurden zuletzt infolge vermehrter Hinweise aus der Bevölkerung ausgeweitet. In den kommenden Sommermonaten werden diese wieder verstärkt durchgeführt werden.

Axel Häsler: Wie es der Name schon sagt; es sind Naturschutzgebiete und daran ist nichts zu rütteln. In Langenselbold gibt es das NSG Kinzigaue im Süden der Gemarkung entlang der Kinzig. Um die dortige Vogelwelt nicht zu stören, ist es unter anderem für Spaziergänger verboten, die Wege zu verlassen oder etwa ihre Hunde frei laufen zu lassen.

Manfred Kapp:Seit 1. Februar 1997 ist das Landesamt für Natur und Umwelt für die Verfahren zur Ausweisung von Naturschutzgebieten zuständig. Diese Aufgabe wurde vom Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten durch Verordnung auf das Landesamt übertragen. Die Stadt Langenselbold hat somit keinen städtebaulichen Einfluss oder Änderungsmöglichkeiten (außer mit sehr komplizierten und kostspieligen Sonderregelungen) auf Naturschutzgebiete. Die Stadt hat immer einen besonderen Blick darauf, dass der vorgeschriebene Schutz eingehalten wird.

Das Ausweisen weiterer Neubaugebiete wurde in Aussicht gestellt: Niedertal IV und V mindestens. Wo liegt die angestrebte maximale Einwohnerzahl? Und werden auch diese Neubaugebiete vom gleichen Planungsbüro geplant wie die bisherigen? Hintergrund der Frage: Der bisherige Planer war Herr Egel-Sahler, dessen Frau Mitglied des Magistrats ist. Erstens macht das keinen guten Eindruck und zweitens sehen alle Neubaugebiete gleich aus. (Michael Zieg)

Tobias Dillmann: Mit der Entwicklung der Wohnbaugebiete Niedertal IV und V wird der Traum vom „Wohnen in den eigenen vier Wänden“ für die nächsten 12 bis 15 Jahre gesichert. Weiteres Wachstum möchte ich mit Augenmaß vornehmen, die Einwohnerzahl wird sich bei 15 000 bis 16 000 einpendeln. Die Planungsleistungen müssen ab einer bestimmten Wertgrenze ausgeschrieben werden. Dies kann dazu führen, dass auch ein anderes Planungsbüro beauftragt werden könnte.

Timo Greuel:Die angestrebte Einwohnerzahl liegt bei etwa 15 000 Einwohnern. Die Planungsgruppe Thomas Egel berät überparteilich die Stadt Langenselbold seit mehr als 20 Jahren, ebenso wie viele andere Städte und Gemeinden in der Region. Eine Verquickung sehe ich hier daher nicht. Die Inhalte eines Bebauungsplans werden immer, nach mehrfacher intensiver Bürger- und Behördenbeteiligung und nach Beratungen in den Ausschüssen, von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen.​

Axel Häsler:Die Einwohnerzahl von Langenselbold liegt zurzeit bei über 14 000. Durch die Neubaugebiete ist mit einem Anstieg auf etwa 15 000 zu rechnen. Damit sollte in meinen Augen zunächst einmal Schluss sein. Denn durch eine noch höhere Einwohnerzahl steigt der innerstädtische Verkehr auch an Tagen ohne Staus auf der Autobahn und Rückstaus innerhalb der Stadt. Ob das Kanalsystem dafür ausreichend wäre, ist fraglich, denn auch das Oberflächenwasser muss bei Starkregen dadurch abgeleitet werden. Wo viele neue Häuser gebaut werden, wird auch immer mehr Fläche versiegelt. Weiter ist zu beachten, dass durch eine höhere Einwohnerzahl nicht nur der Bedarf an Kitaplätzen ansteigt, sondern auch die Grundschulen mit zusätzlichen Schülerzahlen zu rechnen haben. Und das zu einer Zeit, bei der beide Grundschulen schon die Grenze ihrer Aufnahmekapazität erreicht haben.

Zum zweiten Teil der Frage. Es gibt Modelle von Bauträgergesellschaften, bei denen es eine gut geplante Mischung von Ein- und Zweifamilienhäusern mit mehrgeschossiger Bauweise gibt, diese würden dann zumindest mal ein anderes Aussehen haben. Darüber, wie bisher die Vergabepraxis von Aufträgen vonstatten ging, kann ich keine Auskunft geben und möchte auch nicht darüber spekulieren. Dazu muss sich jeder selbst so seine Gedanken machen. Ich persönlich finde, dass das Planungsbüro von Herrn Egel-Sahler gute Arbeit leistet. Außerdem ist es ja in Langenselbold ansässig.

Manfred Kapp: Im Niedertal III gab es rund 120 Grundstücke für rund 600 Neubürger. Aufgrund dieser Zahl dürfte durch Niedertal IV und V die Einwohnerzahl noch einmal um rund 1200 Neubürger wachsen. Jedes Neubaugebiet muss über ein Planungsbüro für Städtebau und Landschaftsplanung abgewickelt werden. Da die Planungsgruppe Thomas Egel mit seinen Ausführungen seit Jahrzehnten – nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Gemeinden – fachlich sehr kompetent und erfahren bei den Erschließungsarbeiten von Neubaugebieten ist, sollte sie auch weiterhin für unsere Stadt arbeiten. Nach den Erschließungsarbeiten kann jeder Grundstückseigentümer seinen eigenen Architekten einschalten und sein Haus selber gestalten – insoweit es den baulichen Richtlinien entspricht. Frau Egel-Sahler (SPD) ist ein Magistratsmitglied, welches durch die Langenselbolder Wähler gewählt wurde. Je mehr Abgeordnete einer Partei gewählt werden, umso mehr Magistratsmitglieder ziehen als ehrenamtliche Stadträte ein. Bei Entscheidungen, die um die Vergabe von Leistungen an das Planungsbüro Egel gehen sollen, verlässt Frau Egel-Sahler den Raum und erfährt das Ergebnis erst wenn das Protokoll geschrieben ist

Selbold wirkt in der Zwischenzeit wie ein Baum, der nach außen noch frisch grünt und wächst, im Inneren aber bereits morsch und verfault ist. Wie wollen Sie dieser Entwicklung vor allem mit Blick auf den alten Ortskern entgegenwirken? (nochmals Michael Zieg)

Tobias Dillmann: Zur Belebung der Innenstadt sind ausreichend Parkplätze notwendig. Daher werde ich mit dem Eigentümer des ABC-Parkplatzes, Verhandlungen mit Ziel der öffentlichen Nutzung führen. Wenn dies erreicht ist, kann zusammen mit dem HGV und dem Stadtmarketingverein ein Konzept zur Belebung der Innenstadt erarbeitet werden. Zur weiteren Belebung wurde der Magistrat schon mit der Erarbeitung eines neuen Wochenmarktkonzepts von der Stadtverordnetenversammlung beauftragt. Weitere Bausteine könnten Erlebnisräume/Erlebnisgastronomie sein. Auch die Bebauung des ehemaligen Möbel-Forums wird die Innenstadt weiter beleben.

Timo Greuel:Selbold ist eine prosperierende Kleinstadt im Rhein-Main-Gebiet und wird das auch unter meiner Regie bleiben. Im Zusammenspiel mit dem Handel- und Gewerbeverein und dem Stadtmarketingverein werde ich die Attraktivität der Innenstadt steigern. Eine belebte Innenstadt, in der man gerne einkauft und die zum Verweilen einlädt, muss dabei gemeinsam erklärtes Ziel sein. Eine Beteiligung an Förderprogrammen, wie beispielsweise dem Bund-Länder-Programm „Aktive Kernbereiche in Hessen“ kann hier neue Impulse setzen.

Axel Häsler:Zum Hessentag vor zehn Jahren wurde die direkte Innenstadt aufgehübscht. Schon in den Nebenstraßen oder gerade auch in den Straßen im östlichen Teil von Langenselbold bestehen die Gehwege noch aus alten Gehwegplatte, von denen sehr viele gebrochen sind und hochragen (Stolperfallen). Nicht nur, dass das optisch schlecht aussieht, vielmehr birgt es gerade für ältere Bürger eine Unfallgefahr. Da sehe ich zunächst den größten Handlungsbedarf.

Manfred Kapp: Im Ortskern selber hat sich bis auf den Abriss einer ehemaligen Tankstelle und des Schließens eines Möbelgeschäftes in den letzten Jahrzehnten nicht viel geändert. Auf dem ehemaligem DEA-Gelände wird ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen und auf dem Gelände des ehemaligen Forum ist ebenfalls ein Neubau geplant. Es müssen Gespräche mit den Gewerbetreibenden gesucht werden, wie sie sich die Entwicklung zum Beispiel in der Friedrichstraße vorstellen. Ein Beispiel von mir wäre es, die Friedrichstraße zur Einbahnstraße umzugestalten, damit durch das Entfernen der Pflanzkübel ein Fahrradweg integriert werden könnte. Weiterhin möchte ich Generationstreffpunkte einführen. Mit Events wie zum Beispiel dem Erdbeersonntag kann man den Ortskern zum Leben erwecken.

Wie wollen Sie die Parkplatzsituation am Bahnhof verbessern? Kommt ein Parkhaus?

Tobias Dillmann: Zum einen sind 40 000 Euro zur Schaffung weiteren Parkraumes entlang der Bahngleise in Richtung Industriestraße vorgesehen. Zum anderen haben wir in der CDU-Fraktion auch schon Gedanken zu verschiedenen Szenarien gemacht, falls die Sparkasse den Nutzungsvertrag kündigen sollte. Ein Szenario sieht den Bau eines eigenen Parkhauses vor. Ein zweites Szenario könnte greifen, wenn sich im Falle des Huxits Verwaltungseinheiten auf dem Gelände der Sparkasse ansiedeln würden. Dann könnte gemeinsam mit dem Kreis ein großes Parkhaus für die Pendler und Mitarbeiter errichtet werden.

Timo Greuel: Die Stadt steht im Austausch mit dem Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, der neue Gebäude und Flächen für unterschiedliche Außenstellen im westlichen Teil des Kreisgebietes im Falle einer Auskreisung Hanaus sucht. Hier wurden Flächen am Bahnhof angeboten. Im Zusammenhang mit der Errichtung neuer Bürogebäude könnte auch ein Parkhaus entstehen. Da sich auch andere Kommunen an diesem Verfahren beteiligen, bleibt zunächst abzuwarten, wie sich der Kreis positioniert.

Axel Häsler: Die Dauerkarten am Parkplatz Bahnhof sind überverkauft. An manchen Tagen gerät der Parkplatz trotz seiner Größe an seine Grenzen. Ratsam wäre da natürlich ein Parkhaus, das mehr Kapazität auf weniger Fläche bietet. Jedoch ist das Grundstück im Besitz der Sparkasse Hanau und wird von der Stadt bisher nur gepachtet.

Manfred Kapp: Zurzeit herrscht noch kein Parkplatz- Notstand am Bahnhof. Auch wenn man mal ein paar Meter laufen muss. Es gibt überdachte und freie Parkplätze. Zu den freien Parkplätzen gehört auch ein Schotterparkplatz. Dieser Parkplatz gehört einer Bank, die diesen zurzeit der Stadt überlassen hat. Sollte es der Stadt zu einem späteren Zeitpunkt finanziell besser gehen, könnte dieser Platz gekauft werden und gegebenenfalls ein Parkhaus in Betracht gezogen werden. Zurzeit sind diese Maßnahmen jedoch noch nicht geplant.

Bekommt Langenselbold eine neue Kläranlage?

Tobias Dillmann: Die bestehende Kläranlage kommt an ihre Kapazitätsgrenze. Ja, ich stehe für den Ausbau und die Modernisierung der Kläranlage. Die durchgeführte Kapazitätsprüfung der Kläranlage und wie damit umgegangen wird, beinhaltet mehrere Ausbau- und Modernisierungsszenarien, um die zukünftigen Abwassermengen aus dem Gewerbegebieten und den Wohnbaugebieten aufnehmen zu können. Dazu gehören auch ein Klärschlamm-Faulturm und die vierte/fünfte Reinigungsstufe (Entfernung von Mikroplastik und Arzneimittelrückstände).

Timo Greuel: Die Kapazitätsgrenze der Langenselbolder Kläranlage ist mit 18 000 Einwohnergleichwerten erreicht. Insofern wird eine Steigerung der Kapazitäten erforderlich werden, um der zukünftigen Siedlungsentwicklung gerecht zu werden.

Axel Häsler:Die alte Kläranlage ist 30 Jahre alt und stößt an ihre Grenzen. Ein Neubau wäre daher dringend ratsam.

Manfred Kapp: Zurzeit werden Kapazität und Zustand der 30 Jahre alten Kläranlage überprüft. Die Kapazität ist jetzt schon an der Grenze, ohne die Neubaugebiete Niedertal IV und V und weiterer Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Ich gehe davon aus, dass nach dem Gutachten mindestens ein zusätzliches Becken gebaut werden muss oder eine komplett neue Kläranlage. Wobei auch hier der Punkt der Kosten und Finanzierung ein wichtiges Kriterium ist.

Die Stadt Hanau hat sich für gewerblich genutzte Immobilien ein Vorkaufsrecht vorbehalten. Ist dies für Selbold auch denkbar? (noch einmal Michael Zieg)

Tobias Dillmann: Für mich ist ein solches Vorkaufsrecht denkbar. Dazu sind dann auch Mittel im Haushalt für den Fall der Fälle bereitzustellen und eine Satzung zu erarbeiten.

Timo Greuel:Ein Vorkaufsrecht für gewerblich genutzte Immobilien, das möglichem Spekulantentum entgegenwirken soll, halte ich nicht für erforderlich. Ein solches vermag ich in Langenselbold, bezogen auf innerstädtisch genutzte Immobilien, noch nicht zu erkennen. Als zielführend erachte ich indes ein aktives Leerstandsmanagement, das Gewerbetreibende, die auf der Suche nach geeigneten Flächen sind, mit Vermietern verbindet, deren Läden leer stehen. Dadurch können leerstehende Immobilien schneller weitervermittelt werden.​

Axel Häsler: Ob dies rechtlich so einfach ist, kann ich nicht bewerten. Die Option eines Vorkaufsrecht für Langenselbold wäre auf jeden Fall sinnvoll.​

Manfred Kapp: Unter das öffentlich-rechtliche Vorkaufsrecht fallen Flächen, die Kommunen vorbehalten sind. Plant eine Gemeinde ein neues Einkaufszentrum oder Wohnungen, kann sie das öffentlich-rechtliche Vorkaufsrecht beanspruchen, das gilt auch bei gewerblichen Immobilien. Voraussetzung ist jedoch, dass die Pläne dem Allgemeinwohl der Bürgerinnen und Bürger dienen.

Langenselbold ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und soll weiterwachsen. Die Pendlerströme morgens sorgen bereits jetzt regelmäßig für Stau bis in die Stadt. Welchen Lösungsansatz haben Sie für das Problem? (Susanne Skujat)

Tobias Dillmann: Mit Erschließung des Gewerbegebiets West wird die Autobahnabfahrt Richtung Hanau verlängert. Weiterhin wird es eine Anbindung an die alte B40 zwischen Langenselbold und Erlensee geben, womit der Verkehr direkt in Richtung Langenselbolder Dreieck fließen kann. Generell sollte über Langenselbold hinaus mit Nachbarkommunen über ein gesamtheitliches Verkehrskonzept gesprochen werden.

Timo Greuel: Ich verfolge zum Thema Verkehr einen ganzheitlichen Ansatz. Es bedarf einer Gesamtschau des innerstädtischen Fußgänger-, Rad- und Autoverkehrs unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Anbindungen im ÖPNV und unter Einbeziehung der anstehenden städtebaulichen Entwicklungen. Hierzu braucht es externe Fachkompetenz in Gestalt eines Verkehrsplaners. Dieser soll mit der Erstellung eines Verkehrskonzepts beauftragt werden.

Axel Häsler: Wenn Langenselbold weiter wächst, so wird auch der innerstädtische Verkehr zunehmen. Verantwortlich für die momentan immer wieder auftretenden Riesenstaus in allen Straßen sind Staus auf der A66 Richtung Hanau. Die Autofahrer nehmen dann die Abfahrten Niedergründau und Rothenbergen und benutzen die Ortsdurchfahrt von Langenselbold als vermeintlich schnellere Umleitung. Das funktioniert jedoch nur in den ersten Minuten, danach staut sich der Verkehr auf der Gelnhäuser Straße genauso wie auf der Ringstraße aus Niedergründau kommend derart zurück, dass die Autos dann zeitweise auch alle Seitenstraßen verstopfen. Im Falle eines Staus auf der A66 müsste der Verkehr schon auf den Zubringerstraßen nach Langenselbold hinein künstlich abgebremst werden (etwa durch die Ordnungsbeamten oder einer Bedarfsampel). Jedoch muss so eine Maßnahme durch Hessen Mobil genehmigt werden, da es sich hier um Kreisstraßen handelt.

Manfred Kapp: Die Antwort ist bereits in der Frage nach dem Ausgleich für das erhöhte Verkehrsaufkommen gegeben.

Warum stellen Sie sich zur Wahl?

Tobias Dillmann: Ich blicke auf über 25 Jahre Berufserfahrung in Verwaltung, in Industrieunternehmen und Banken in verschiedenen Positionen zurück. Diese Erfahrungen – gerade als Führungskraft – befähigen mich, eine Verwaltung zu leiten und die notwendigen Projekte für eine Transformation der Verwaltung umzusetzen. Außerdem bin ich seit über 22 Jahren kommunalpolitisch aktiv. Als Vorsitzender des Sozial-, Kultur- und Vereinsausschuss (von 2001 bis 2016) und als Stadtverordnetenvorsteher (seit 2015) habe ich an den wichtigen Weichenstellungen unserer Stadt entscheidend mitgewirkt und gestaltet. Als Bürgermeister kann ich aber noch viel mehr Ideen einbringen, entwickeln und verantwortlich gestalten, als es aus dem Ehrenamt heraus möglich ist.

Timo Greuel:Als Bürgermeister möchte ich mich für ein noch schöneres, stärkeres und sozialeres Selbold einsetzen und neue Impulse setzen. Für eine Stadt, die zusammenhält, für Menschen, die sich hier zu Hause fühlen. In den zurückliegenden zwei Jahren durfte ich als Erster Stadtrat bereits Verantwortung für die Geschicke unserer Stadt übernehmen. Das Wissen, das ich hier sammeln durfte, möchte ich als Bürgermeister nutzen – zum Wohle unserer Stadt und im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger.

Axel Häsler:Weil ich möchte, dass die Langenselbolder Bürger in die Entscheidungen größerer Projekte miteinbezogen werden. Ich stehe für eine transparente Verwaltung, in der jederzeit jeder Bürger in allen Fragen einen Ansprechpartner im Rathaus finden soll. Dazu gehört auch eine Bürgersprechstunde, in der die Belange auch direkt beim Bürgermeister vorgebracht werden können.

Manfred Kapp: Als die Ortsgruppe der Freien Wähler (keine Partei, sondern kommunalpolitisch engagierte Mitbürger, die an Wahlen teilnehmen) 2016 bei den Kommunalwahlen mit vier Abgeordneten ins Selbolder Parlament einzogen, wurde ich zum ehrenamtlichen Stadtrat in den Magistrat berufen. Nicht alle Entscheidungen im Magistrat fanden für mich als Bürger, im Gegensatz zur Koalitionsmehrheit (CDU und SPD), meine Zustimmung. Daraufhin entschied ich mich, bei den nächsten Bürgermeisterwahlen anzutreten, weil ich die Selbolder Kommunalpolitik als vielseitige und interessante Herausforderung erlebt habe und weil ich gern mit und für Menschen arbeite. Ich möchte im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern die Weiterentwicklung unserer Stadt an verantwortlicher Stelle mitgestalten.

Im Vorfeld der Wahl haben sich die Kandidaten auch unseren Fragen gestellt. 100 Sekunden hatten Sie dafür Zeit. Die Videos gibt es hier.

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