Stimmabgabe im Wahlbezirk I im Stucksaal des Schlosses: Dort lag die Wahlbeteiligung mit insgesamt 35,20 Prozent erheblich unter dem Gesamtergebnis von 52,24 Prozent. Foto: Mike Bender

Langenselbold

Bürgermeisterwahl Langenselbold: Greuel in allen Bezirken vorne

Langenselbold. Als sich Timo Greuel (SPD) am Sonntagabend zu später Stunde noch die einzelnen Wahlbezirksergebnisse genauer anschaute, sei er schon ein wenig verblüfft gewesen. In allen 15 Bezirken inklusive der zwei Briefwahlbezirke lag er deutlich vorne.

Von Lars-Erik Gerth

Damit hatte Greuel nicht gerechnet. „Das ist schon ein tolles Ergebnis und zugleich Ansporn für den Wahlkampf der nächsten 14 Tage, um am 2. Februar den letzten Schritt zu tun“, war Greuel noch am Montag beim Gespräch mit unserer Zeitung hörbar überwältigt von der Zustimmung der Selbolder im ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl.

43 Prozent der schlechteste Wert

Tatsächlich lag der amtierende Erste Stadtrat in allen Wahlbezirken klar vor Tobias Dillmann. Der niedrigste Zustimmungswert für Greuel betrug im Wahlbezirk IV (Mädchenschule) immerhin noch 43,01 Prozent. Im Vergleich dazu lag Dillmanns bester Wert bei 38,44 Prozent (Wahlbezirk IX, Käthe-Kollwitz-Schule III). Den stärksten Zuspruch verbuchte der Sozialdemokrat mit 53,66 Prozent im Wahlbezirk XI (Weinbergschule I).

Insgesamt kann sich Greuel über vier Wahlbezirke freuen, in denen er zwischen 50,0 und 53,66 Prozent erreichte. Tobias Dillmann hingegen lag in zwei Wahlbezirken sogar nur auf Rang drei, denn im Bezirk I (Schloss) und III (Evangelisches Gemeindezentrum) musste er dem unabhängigen Kandidaten Axel Häsler mit 23,82:26,04 Prozent und 25,41:25,68 Prozent Platz zwei überlassen. Das Ergebnis im Wahlbezirk I war insgesamt auch das schwächste für den ehrenamtlichen Stadtverordnetenvorsteher.

Dillmann kündigt harten Kampf an

Doch wie bereits am Wahlabend in der Klosterberghalle, gab sich Dillmann im Gespräch mit dem HA weiterhin optimistisch, dass er das Blatt am 2. Februar noch wird wenden können. „Ich werde um jede Stimme kämpfen. Es wird noch Wahlkampfstände und sicher auch weitere Hausbesuche geben“, so der Christdemokrat, der sich gestern Abend noch mit seinem Unterstützer-Team traf, um die kommenden Tage bis zur Stichwahl zu planen, um eine erfolgreiche Aufholjagd starten zu können.

Nicht nachlassen im Wahlkampf will auch Timo Greuel, denn noch sei ja nichts entschieden. „Vor allem möchte ich alles dafür tun, dass die Wahlbeteiligung am 2. Februar möglichst noch höher ausfällt als am Sonntag. Oft liegt sie bei Stichwahlen unter jener beim ersten Durchgang. In Selbold sollten wir diesem Trend entgegentreten“, hofft Greuel auch jene Wähler anzusprechen, die sich am 19. Januar ihrer Stimme enthalten hatten.

Stichwahl-Kandidaten planen viele Hausbesuche

Der Sozialdemokrat plant ebenso wie Dillmann noch mehrere Wahlkampfstände und vor allem Hausbesuche, die er als einen Schlüssel zum bisherigen Erfolg sieht. „Ich habe versucht, in allen Teilen der Stadt die Bürger gleichermaßen persönlich aufzusuchen.

Und dass ich im ersten Wahlgang durchgehend vorne liege, es keinen prozentualen Ausreißer nach unten gegeben hat, zeigt mir, dass meine Hausbesuche zu einem flächendeckenden Erfolg geführt haben“, zog Greuel gestern eine positive Zwischenbilanz seines Wahlkampfs.

Was machen die Häsler-Wähler?

Wichtig für den Ausgang der Stichwahl wird vor allem sein, was die fast 18 Prozent der Wähler (in absoluten Zahlen sind das 1037 Selbolder gewesen) am 2. Februar machen werden, die am Sonntag für Axel Häsler gestimmt haben. Um diese Bürger werden Dillmann und Greuel sicherlich besonders werben.

Im Übrigen erklärte Häsler noch am Wahlabend gegenüber dem HA, das er keine Wahlempfehlung für die Stichwahl abgeben werde. 272 Selbolder hatten am 19. Januar für Manfred Kapp (Freie Wähler) votiert. Das waren 4,72 Prozent, also ein Ergebnis, das Greuel die absolute Mehrheit gebracht hätte. Dem Sozialdemokraten gaben 2714 Bürger der Gründaustadt ihre Stimme, was einen prozentualen Anteil von 47,07 ergab. Dillmann musste sich hingegen mit 1743 Stimmen (30,23 Prozent) begnügen.

Zur Erinnerung: Sein Parteifreund Jörg Muth fuhr bei seiner Wiederwahl 2014 im bereits entscheidenden ersten Wahlgang exakt 3276 Stimmen ein. Muths damaliger knapp unterlegener SPD-Herausforderer Bernd Kaltschnee kam auf respektable 3058 Stimmen, lag also vor sechs Jahren auch weit über 300 Stimmen besser als sein Genosse Timo Greuel bei der ersten Runde der Selbolder Bürgermeisterwahl 2020.

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