Das Ergebnis war eindeutig: Mehr als zwei Drittel derjenigen, die sich an der Wahl beteiligten, stimmten gegen einen privatisierten Betrieb des Sees. Foto: Axel Häsler

Langenselbold

Bürgerentscheid Kinzigsee: Selbolder stimmen gegen Verpachtung

Langenselbold. Um punkt 18.44 Uhr wurde am Sonntag das vorläufige Endergebnis des Bürgerentscheids per Beamer an die Wand eines Schulungsraums im Feuerwehrhaus geworfen.

Von Christine Semmler

Die Zahlen der Präsentation waren so eindeutig, dass es an der Aussage (trotz einiger Nachzügler) wohl nichts mehr zu rütteln gibt: 30,25 Prozent der Langenselbolder Wähler (1182 Personen) stimmten für die Verpachtung des Langenselbolder Badesees, der sich in kommunaler Verwaltung befindet.69,75 Prozent (2726 Personen) stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 35,43 Prozent.

Um den Bürgerentscheid für die Stadt bindend zu machen, hätte entweder auf Seite der Gegner oder der Befürworter ein sogenanntes Quorum erfüllt werden müssen: 25 Prozent aller Wahlberechtigten der Stadt hätten entweder mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen müssen, das wären 2773 Stimmen gewesen. Da das Quorum nicht erfüllt wurde, stimmt die Stadtverordnetenversammlung in Kürze noch einmal darüber ab, ob es eine Verpachtung geben soll, oder nicht.

Trotz Schlappe gefasst

Interessant ist, dass die Ja-Stimmen am heutigen Abend noch nicht einmal die Höhe der Unterschriften erreichen, die im Rahmen des Bürgerbegehrens im Vorfeld abgegeben wurden: nämlich 1300 Stück.

Rainer Schmidt, Sprecher der Bürgerinitiative Selbold (BIS), die den Bürgerentscheid ins Rollen gebracht hatte, gibt sich angesichts der Schlappe gefasst: „Ich bin positiv gestimmt“, sagt er. „Wir haben erreicht, was wir wollten, nämlich diesen Entscheid.“ Mit dem Mobilisieren der Bürger sei der Kinzigsee wieder in den Fokus gerückt. „Es ist zum Thema geworden, das die Menschen bewegt.“ Das Aktionsbündnis aus SPD, Freien Wählern und Grünen, das zuletzt vehement gegen eine Verpachtung geworben hatte, müsse jetzt „etwas liefern“.

Stadtverordnetenvorsteher Thomas Dillmann (CDU), dessen Partei die BIS unterstützt hatte, erklärt: „Wir wären den Weg gerne anders herum gegangen: Mit einem Konzept, einem Investor und einer Entscheidungsvorlage im Vorfeld.“ Die BIS hingegen hätte versucht, die Bürger ohne all diese Voraussetzungen zu mobilisieren. „Der Bürgerentscheid, war eine Möglichkeit, die Verpachtung zu erreichen, aber es hat eben nicht funktioniert.“ Die CDU werde in der Stadtverordnetenversammlung trotzdem gegen die Verpachtung stimmen. Denn eine solche Privatisierung sei im Koalitionsvertrag von CDU und SPD ausgeschlossen worden.

Für Bernd Kaltschnee, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD, ist das Ergebnis ein Grund zur Freude. „Dass es so deutlich ausfällt, hat mich überrascht“, sagt er. Das bestärke ihn darin, „dass unser Aktionsbündnis gut funktioniert hat“. Man habe ein umfassendes Konzept vorgelegt, um den Badesee attraktiver zu machen. In Kürze solle der Parkplatz erweitert werden, außerdem habe man ein Crowdfunding-Projekt für eine Schwimminsel ins Leben gerufen. Ein Stein des Anstoßes war außerdem die Kostenexplosion aufgrund zusätzlicher Arbeitskräfte im Rekordsommer 2018 gewesen. Statt erneut auf teure Rettungssanitäter von Zeitarbeitsfirmen zurückzugreifen, strebe man künftig wieder die Zusammenarbeit mit der DLRG an.

Grüne froh über das Ergebnis

Mike Mutterlose von den Freien Wählern, die sich ebenfalls gegen die Verpachtung aussprechen, bekräftigt die Anstrengungen, den See attraktiver zu machen. „Aber was 30 Jahre versäumt wurde, kann sich nicht von heute auf morgen ändern.“ Die Vorwürfe der BIS, die Kommune habe als Betreiber des Badegewässers wegen seiner hohen Defizite versagt, seien nicht berechtigt: „Kein See kann ein Plus machen.“

Auch Cornelia Hofacker (Bündnis 90/Grüne) ist froh über das Ergebnis. „Ich glaube, dass den Bürgern klar wurde, dass die Versprechen der BIS nicht realistisch sind.“ Denn auf den Stimmzetteln argumentierte die Initiative damit, dass die Verpachtung „Steuersenkungen sowie soziales Engagement“ ermögliche. Es herrsche aber kein Kausalzusammenhang: Haushalt und Steuern würden unabhängig entschieden. Die BIS sei in ihren Augen nicht genügend vorbereitet gewesen, habe kein vernünftiges Konzept vorgelegt: „Wie kann ich über etwas abstimmen, wenn ich nicht weiß, was danach kommt?“

So oder so – der Bürgerentscheid gibt letztlich allen Beteiligten Klarheit über das, was der Großteil der Langenselbolder derzeit wirklich will: Einen städtisch betriebenen Badesee. Und auf dieser Grundlage muss es nun weitergehen.

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