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"Bürger-Service-Koffer": Langenselbold will mobiles Rathaus

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Bürgernähe: „Mobs21“ heißt ein digitaler Koffer, mit dem Verwaltungsangestellte zum Bürger gehen könnten, und nicht umgekehrt. Foto: PM
Bürgernähe: „Mobs21“ heißt ein digitaler Koffer, mit dem Verwaltungsangestellte zum Bürger gehen könnten, und nicht umgekehrt. Foto: PM

Langenselbold. Für viele gehbehinderte und beeinträchtige Menschen ist das Langenselbolder Rathaus ein Graus. Es ist nicht barrierefrei und der Weg zur Barrierefreiheit ist noch weit. Deshalb will die Stadt nun einen "Bürger-Service-Koffer" anschaffen, mit dem sie direkt zu den Bürgern gehen können.

Von Rainer Habermann

Pilotprojekte laufen bereits, etwa in Fuldatal (Landkreis Kassel) oder Mühltal (Odenwald). Jetzt will auch die Stadt Langenselbold auf einen Zug aufspringen, der vor allem der mobilen Versorgung von behinderten Menschen mit Rathaus-Dienstleistungen dienen soll: „Mobs21“ heißt ein digitaler Koffer, mit dem Verwaltungsangestellte zum Bürger gehen könnten, und nicht umgekehrt.

Das Dilemma des Selbolder Rathauses ist bekannt: Zwar ist seine Fassade wunderschön, historisch und denkmalgeschützt, doch den Service der Verwaltung barrierefrei zu gestalten, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Es gab bereits Denkansätze, das Problem zu lösen, etwa mit Hilfe eines Containers im Freien. Doch der kostet Parkplätze, die ebenfalls rar sind. Außerdem ist ein solcher Bürocontainer teuer, muss auch beheizt werden und „verschandelt“ die Optik.6000 Euro für "Bürger-Service-Koffer"Desgleichen ein Anbau mit einem Aufzug: der ginge in die Hunderttausende. Wie die beiden Fraktionschefs der großen Koalition von CDU und SPD, Gerhard Mohn und Timo Greuel, in einer Pressemitteilung erklären, sei „ein barrierefreier Umbau des Rathauses aus Gründen des Denkmalschutzes und wegen zu hoher Kosten nicht realistisch“.Deshalb setzt die Politik nun auf eine andere Lösung: Die Koalition im Stadtparlament hatte einen Ergänzungsantrag zum Haushalt 2017 eingebracht, der 6000 Euro bereitstellen soll für einen so genannten „Bürger-Service-Koffer“.Haushalt noch nicht genehmigtGenehmigt ist der Haushalt noch nicht, wie auch Verena Lenz, die Amtsleiterin unter anderem des Bürgerbüros klarstellt, das für den Koffer verantwortlich wäre. Lenz erklärte unserer Zeitung jedoch auf Anfrage, wie eine mobile Variante der Verwaltung aussehen könnte: „Mobs21“ lautet der Produktname für einen „mobilen Bürger-Service“.Im digitalen Zeitalter, wo ohnehin fast alles, sogar die Steuererklärung, über das Internet läuft, keine Unmöglichkeit. Der digitale Service-Koffer kommt vom Kommunalen Gebietsrechenzentrum (KGRZ), das als Körperschaft des öffentlichen Rechts und größtes kommunales IT-Dienstleistungsunternehmen in Hessen für die Kommunen arbeitet.Zeitpunkt der Einführung ist ungewissDer Koffer beinhaltet einen Laptop mit der Verwaltungssoftware für das Einwohnerwesen einschließlich Passbeantragung, Internetnutzung über einen geschützten mobilen Zugang, Kfz-Zulassung, Gewerberegister und viele weitere Verwaltungsverfahren. Einen Scanner, ein Chipkarten-Lesegerät sowie einen Drucker hat der Koffer auch. Formulare können so als Papierbeleg gedruckt oder eingescannt werden, maschinenlesbare Ausweise oder beispielsweise Krankenversicherungskarten und EC-Karten können bedient werden.Das Ganze benötigt lediglich eine Steckdose für 220 Volt. Und einen Verwaltungsmitarbeiter, der zu den Leuten hingeht. Wann und ob der Koffer kommt, ist momentan ungewiss. Zunächst einmal muss der Haushalt 2017 von der kommunalen Finanzaufsicht genehmigt, das Angebot über den „Mobs21“ vorliegen und bearbeitet werden.Große VorteileDoch diese Art der „mobilen Verwaltung“ hätte große Vorteile nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigungen und Kranke, sondern im Sinne der demografischen Realität auch für alle älteren Bürger, die einen beschwerlichen Anstieg über die Rathaustreppen nicht mehr so leicht bewältigen können.Wer vielleicht künftig mit der „mobilen Verwaltung in Kofferform“ in der Stadt unterwegs sein wird, und zu welchen Zeiten: auch dies ist eine Zukunftsfrage, wie Verena Lenz klar und deutlich sagt.

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