Ministerpräsident Volker Bouffier empfahl Tobias Dillmann als Selbolds neuen Bürgermeister. Empfangen wurde Ministerpräsident Volker Bouffier von rund 100 Landwirten, die sich mit ihren rund 70 Traktoren vor dem Rathaus positioniert hatten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Fotos: Claudia Raab/Anja Goldstein

Langenselbold

Bouffier zu Gast bei Langenselbolder CDU - Wieder Bauernproteste

Langenselbold. „Lieber Herr Dillmann, wir alle wollen, dass Sie Bürgermeister werden und dafür bin ich heute hier“, bekannte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der als Hauptredner zum Neujahrsempfang der Selbolder CDU gekommen war.

Von Claudia Raab

Doch bevor der Landesvater sein politisches Statement im pastoralen Stil abgab, begrüßte Tobias Dillmann, CDU-Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat, zahlreiche Besucher aus den Reihen der Politik: aus dem Bundestag Katja Leikert, stellvertretende Bundesfraktionsvorsitzende der CDU, aus dem Landtag Heiko Kasseckert und Michael Reul, aus dem Kreistag Winfried Ortmann, erster Kreisbeigeordneter, und Dr. Otto Aden, ehemaliger Erster Kreisbeigeordneter sowie Jörg Muth, Noch-Bürgermeister von Langenselbold.

Dillmann dankt seinen Mitstreitern im Wahlkampf

„Ich bin stolz darauf, ein CDU-Bürgermeisterkandidat zu sein“, bekannte Dillmann aus vollem Herzen, dessen Stimme ein wenig angespannt klang. Er dankte allen seinen Mitstreitern, „die sich im Wahlkampf zu den Werten der CDU bekannt haben“, insbesondere seinem Wahlkampfmanager Bernd Matt und Bürgermeister Jörg Muth. Sein Dank galt ebenso seiner Familie, die ihm den Rücken stärke. „Wir stehen kurz vor der Rathaustür“, gab sich Dillmann optimistisch.

Als „Bürgermeister zum Anfassen“ wolle er „gestalten statt verwalten“ sagte er und skizzierte noch einmal kurz seine politischen Ziele: Qualitative und quantitative Stärkung der Kitas, Ausbau der Seniorenbetreuung, Verbesserung der Ärzteversorgung durch den Bau des geplanten Gesundheitszentrums, Erschließung neuer Baugebiete für Familien sowie Förderung des sozialen Wohnungsbaus mit kommunalen Mitteln, Weiterentwicklung der Gewerbegebiete und Anwerbung neuer Unternehmen.

Thermo Fisher bleibt ein Thema

Als einziger Bürgermeisterkandidat habe er bei der Firma Thermo Fisher vorgesprochen, wie man möglichst viele der 650 Arbeitsplätze des Unternehmens vor Ort stabilisieren könne. In punkto Umwelt und Natur möchte Dillmann einen Stadtpark anlegen, brachliegende innerstädtische Flächen begrünen und auf der ehemaligen Mülldeponie einen Fotovoltaikpark errichten.

„Dass Langenselbold so eine attraktive Stadt geworden ist, hat sehr viel mit der Union zu tun. Was Heiko Kasseckert und Jörg Muth hier in 24 Jahren geleistet haben, ist beispielhaft“, lobte Volker Bouffier die Gründaustadt, eine der letzten verbleibenden CDU-Bastionen im Main-Kinzig-Kreis.

Obwohl Deutschland und auch Hessen sehr gut dastünden, seien viele Menschen verunsichert, besorgt, protestierten oder suchten Orientierung. Die Welt verändere sich permanent aufgrund der Digitalisierung und es sei Aufgabe der Politik, diese Herausforderungen mutig an zunehmen. Anstatt zu twittern oder zu demonstrieren, gelte es, die Gesellschaft beieinander zuhalten und eine Politik von Maß und Mitte zu finden.

Ministerpräsident wirbt für Klimaschutz

„Klimaschutz ist notwendig und die Veränderungen durch den Klimawandel sind real“, unterstrich der Ministerpräsident. Trotzdem lasse er nicht zu, dass Greta Thunberg, deren Mut er übrigens bewundere, alle, die sich Mühe für dieses Land gegeben hätten, pauschal verurteile.

Notwendige Veränderungen würden in der Bevölkerung nur akzeptiert, wenn sie nicht nur ökologisch wirksam, sondern auch ökonomisch vernünftig und sozial verträglich geschehen. Das gelte für das Klimapaket der Bundesregierung, das „wir im Bundesrat zu einem guten gemacht haben“.

Bouffier fordert Zivilcourage

„Als Nahrungsmittelproduzent und Landschaftspfleger verdient es unsere Landwirtschaft nicht, dass sie permanent in Kritik gerät und an den Pranger gestellt wird“, warb er um Verständnis für die Bauern, die draußen vor der Tür erneut mit ihren Traktoren demonstrierten. Des Weiteren forderte der Ministerpräsident, sowohl bei gewaltsamer Behinderung von Polizei und Rettungskräften als auch gegenüber Hass und Hetzpropaganda im Internet zur Zivilcourage auf.

Auch Kommunalpolitiker seien leider immer häufiger Morddrohungen ausgesetzt. Um die Demokratie zu stärken, sei es unerlässlich, das Wahlrecht wahrzunehmen. „Mit Tobias Dillmann wählen Sie eine gestandene Persönlichkeit, einen Bürgermeister mitten aus dem Leben“, appellierte Bouffier an seine Zuhörer.Dillmann dankte ihm für seine „schöne, bewegende Rede“ und lud die Besucher ein, noch etwas am kalten Büfett zu verweilen.

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