Zeremoniell: Ein Messdiener reicht dem Bischof das Weihrauchgefäß. Links neben Gerber sind die ehemaligen Pfarrer Dieter Hummel und Winfried Siebert (hinten von links) sowie vorne Diakon Kammandel (Zweiter von links) zu sehen. Foto: Reinhard Paul

Langenselbold

Don Bosco-Kinder singen für den Bischof

Langenselbold. Mit dem Besuch in der katholischen Kirche Maria Königin an der Wilhelmstraße konnte der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber, wie er beim Gottesdienst bekannte, gestern seinen Horizont erweitern: Bisher sei ihm die Stadt nur aus dem Radio als Verkehrsknotenpunkt bekannt gewesen.

Von Jutta Degen-Peters

Die 50. Wiederkehr der Kirchweihe von Maria Königin aber, die am Wochenende mit einem Hochamt und einem Fest im Freien gebührend gefeiert wurde, gebe ihm wie den zahlreichen Besuchern die Möglichkeit, die Kirche als Knotenpunkt für zwischenmenschliche Begegnungen und die Begegnung mit Gott zu erleben.

Für die Messdiener, mit denen Gerber am Sonntagmorgen bei strahlendem Wetter in die Kirche einzog, war der hohe Besuch aus Fulda etwas ganz Besonderes. „Schön, dass ihr alle da seid“, begrüßte der Oberhirte die festlich gekleidete Schar.

Und auch für die Kinder des Kindergartens von Don Bosco sorgte die Anwesenheit des Bischofs schon im Vorfeld für Aufregung. Sie hatten für ihn nicht nur Lieder vorbereitet, die sie zum Ende des Gottesdienstes vortrugen. Sie präsentierten sogar ein kleines Singspiel, das als Mutmacher für Menschen in schwierigen Situationen und als Stärkung des Selbstbewusstseins insbesondere von Mädchen und Frauen verstanden werden sollte.

Dr. Michael Gerber zelebriert Gottesdienst zum 50. Kirchweihjubiläum

Über das Selbstbewusstsein sprach der Bischof zuvor auch in seiner Predigt, in der er Bezug nahm zur Nachkriegszeit und der Gründung der katholischen Kirchengemeinde in Langenselbold. Geflüchtete aus Schlesien, dem damaligen Sudetenland und weiteren Ostgebieten seien es gewesen, die unter Entbehrungen 1952 eine katholische Kirche in der Stadt errichtet hätten. Wenige Jahre später hätten sie erkannt, dass das Kirchlein zu klein war. Und obwohl die Kirche mehr gewesen sei als nur ein Gebäude, hätten sie die schwere Entscheidung gefällt, einen Neubau zu errichten, dessen Jubiläum heute gefeiert werde, so Gerber.

Nach einem Moment der Stille, in der die in Schlesien gegossenene und von der älteren in die neue Kirche mitgenommenen Glocken erklangen, sprach der Bischof von der Lehre, die wir heute aus der damaligen Entscheidung ziehen könnten. „Wir nehmen die Botschaft mit, aber wir lassen uns auf eine neue Form ein, erkennen neue Herausforderungen.“

Namensgebung Maria Königin mit klarem Signal

Mit der Namensgebung Maria Königin habe die Kirchengemeinde damals ein klares Signal aussenden wollen: Nachdem in der Zeit des Nationalsozialismus unvorstellbare Grausamkeiten geschehen waren und die Menschenwürde mit Füßen getreten worden sei, habe man die christliche Botschaft entgegensetzen wollen, dass jeder Mensch „eine königliche Würde besitzt, die ihm keiner nehmen kann. Dort, wo ich mich als wertvoll und angenommen erfahre, kann ich auch achtsam und aufmerksam gegenüber anderen sein“, verkündete der Bischof eine Botschaft, die auch jeder Psychologe unterschreiben würde.

Der Frage, was Maria Königin mit uns heute noch zu tun hat, ging Pfarrer Pater Edward als Hausherr bei der 'Begrüßung der Gottesdienstbesucher und des Bischofs nach. Königlich handeln heiße nicht, über andere zu herrschen. Es bedeute vielmehr, Verantwortung zu übernehmen und für andere Sorge zu tragen. Die Kirche müsse für andere da sein, betonte Pater Edward.

Kirche gebe Geborgenheit

Er begrüßte unter anderem auch die Pfarrer a. D. Winfried Siebert, Dieter Hummel, den Diakon Konrad Kammandel und neben den aktuellen auch die ehemaligen Gemeindereferentinnen Christel Kinner, Mechthild Mühle und Sandra Henkel sowie politische Würdenträger.

Bevor die Festgemeinde nach draußen ins Freie zog, um bei Grüner Soße, Eis und Erfrischungsgetränken zu feiern, gab der evangelische Pfarrer Till Martin Wisseler ein Grußwort mit auf den Weg. Es sei falsch, sich von Entwicklungen der Zeit lähmen zu lassen und sich von Strukturveränderungen das Heil zu versprechen. Die Kirche gebe Geborgenheit, sagte er, „dort fassen wir in Worte, was uns sonst oft nicht gelingt“.

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