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Blick zurück: Ballspielen war vor 50 Jahren auf Straßen verboten

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Vor 50 Jahren warnte der Gemeindevorstand die Jugend davor, weiterhin auf den Straßen Fußball zu spielen. Der Artitel stammt aus dem HA vom 7. Februar 1967.
Vor 50 Jahren warnte der Gemeindevorstand die Jugend davor, weiterhin auf den Straßen Fußball zu spielen. Der Artitel stammt aus dem HA vom 7. Februar 1967.

Langenselbold. Ein Blick in die Vergangenheit mit dem HA: Vor 50 Jahren war das Ballspielen auf den Straßen verboten. Man sprach von einem „Spiel mit dem Tod“. Heute ist das Ballspielen im verkehrsberuhigten Bereich erwünscht. Mehr Spielstraße sollen zukünftig ausgewiesen werden.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Langenselbold. Dem Stil des moralinsauren Tones der sechziger Jahre der Bundesrepublik konnten sich weder der damalige Gemeindevorstand Langenselbolds und auch die Redakteure des damaligen HA nicht entziehen. Als es zum Problem wurde, dass die damaligen Jungen gerne auf der Straße Fußball spielten, verbot der damalige Bürgermeister Peter Neugebauer (SPD) das Spiel mit dem runden Leder auf den Langenselbolder Straßen.

Ein 50 Jahre alter Ausschnitt aus unserer Zeitung, datiert vom 7. Februar 1967, zeichnet von der Langenselbolder Jugend ein wenig tugendhaftes Bild. „In Langenselbold pflegt die Schuljugend eine große Unsitte“, heißt es da. Immer häufiger würden Kinder dabei beobachtet, wie sie auf Straßen und öffentlichen Plätzen Fußball spielten, hieß es in der Zeitung. Deshalb habe sich der Gemeindevorstand gezwungen gesehen, ein Verbot auszusprechen. Offensichtlich haben sich die Gemeindeoberen damals auch darüber geärgert, dass die Jugend den schönen neuen Bolzplatz Auf der Sieb nicht annehmen.

„Spiel mit dem Tod“ Neugebauer erließ einen Aufruf an die Erziehungsberechtigten, „ihre Kinder von diesem gefahrenvollen Spiel abzuhalten“. Ausdrücklich ist damals das Verbot auf die öffentlichen Anlagen ausgedehnt worden, die ebenfalls gerne zum Bolzen von der „unsittlichen Jugend“ genutzt worden sind. Der Gemeindevorstand begründete seine drastische Maßnahme mit der Zunahme des Straßenverkehrs. Die Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten war natürlich in der damaligen Gründaugemeinde ein Thema.

Eigentlich hat die Führung der Gemeinde damals verantwortlich gehandelt, um Gefahren abzuwenden. Das Fußballspielen auf der Straße wurde damals vor fünf Jahrzenten als ein „Spiel mit dem Tod“ bezeichnet. Das Kicken mit dem runden Leder soll sein damals „nicht nur sonntags, sondern auch werktags gepflegt“ worden sein. Gegen „das große Hobby unserer Jugend“ sei ja nichts einzuwenden, solange sich die Kinder auf Plätzen aufhielten, wo sie ungefährdet ihrem Spiel nachgehen könnten. Der damalige Bürgermeister wies auf den „immer stärker werdenden Verkehr“ hin, der ohnehin jeden Tag seine Opfer fordere. Davon ungerührt, gingen viele Langenselbolder Jugendlichen unbekümmert ihrem Spiel nach.

Spielstraßen zum Fußballspielen „Dabei ist ein solch ein gefahrvolles Spiel gar nicht nötig, denn die Gemeinde hat mit ihrem neuen Festplatz auf dem Brühl und dem alten Handballplatz auf der Sieb zwei ideale Plätze für diese Zwecke zur Verfügung. Hier könne die Jugend ungefährdet und ungestört ihrer Leidenschaft nachgehen. Heute werden in Langenselbold wiederum Straßen eingerichtet, in denen das Fußballspielen ausdrücklich erlaubt ist.

Die Rede ist von den Spielstraßen. Die Anzahl der verkehrsberuhigten Bereiche wachsen. So sind im vergangenen Jahr entsprechende Areale in der Gründau-Aue und im Gebiet Niedertal II umgewidmet worden. Auf den großen Schildern am Eingang dieser Spielstraßen – wie zum Beispiel am Johann-Sebastian-Bach-Ring – ist auf den entsprechenden Piktogramm ein Fußball spielendes Kind zu sehen. In diesem Frühjahr sollen weitere Spielstraßen im Niedertal ausgewiesen werden. Entsprechende Anträge, die Wünsche von Anlieger darstellen, liegen der Verwaltung vor.

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