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14 500 Autofahrer fahren viel zu schnell

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Durch die schmale Rote Hohl wälzten sich im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Autos, erfasst von der Kamera in dieser Säule. Rund 3400 Autofahrer waren mindestens 20 Kilometer zu schnell. Foto: Kleine-Rüschkamp
Durch die schmale Rote Hohl wälzten sich im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Autos, erfasst von der Kamera in dieser Säule. Rund 3400 Autofahrer waren mindestens 20 Kilometer zu schnell. Foto: Kleine-Rüschkamp

Langenselbold. Brühlweg, Hinserdorfstraße, Niedergründauer Straße und Rote Hohl - hier müssen Autofahrer in Langenselbold vorsichtig fahren, denn dort stehen feste Blitzer. Rund 14 500 Autofahrer übertraten 2016 die vorgeschriebene Geschwindigkeit um mehr als 20 Stundenkilometer.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Es gibt reichlich Vorurteile gegen Blitzer. Von „Abzocke“ ist häufig die Rede. Wird zu viel geblitzt? Autofahrer sehen sich gegängelt. Die Autofahrer als Opfer? Ist ihr Misstrauen berechtigt? Die Tempokontrollen sollen in keinem Verhältnis stehen.Unsere Zeitung hat im Langenselbolder Rathaus nachgefragt nach Art und Umfang der Radarkontrollen, zumal im Vergleich zum Umland in der Gründaustadt modernste Technik im Einsatz ist. Nur noch in Gelnhausen sollen solche Hightech-Blitzer stehen.

Vier Blitzer im EinsatzErster Stadtrat Gustav Schreiner (Grüne) als zuständiger Dezernent und Ordnungsamtsleiter Peter Mülller erklären, wie die stationäre Verkehrsüberwachung in Langenselbold organisiert ist. Die Gründaustadt hat vier digitale Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen mit Lasermessung im Einsatz. Drei Exemplare davon sind gemietet. Weiterhin ist eine Leihgabe im Einsatz. Kaufen ist zu teuer. Der Dienstleister versorgt die Stadt stets mit den jeweils neuesten Kameras.Sie werden wahlweise in den drei Citysäulen installiert. Sie bieten jeweils Messeinschübe für beide Fahrbahnrichtungen. Es kann aber jeweils nur eine Fahrbahnrichtung überwacht werden, nicht beide gleichzeitig. Das Ordnungsamt wechselt wahlweise die Richtungen ab. Einmal sind die Kameras und Blitzgeräte nach vorne, das andere Mal nach hinten scharf geschaltet.1,3 Millionen Autos registriert Weiterhin wird die sogenannte BI-Säule bestückt, die bei einer entsprechenden Bestückung beide Fahrbahnrichtungen gleichzeitig überwachen kann. Standorte der stationären Verkehrsüberwachung in Langenselbold sind der Brühlweg, die Hinserdorfstraße, die Niedergründauer Straße und die Rote Hohl.Um das Beispiel Rote Hohl aufzugreifen, zeigt die Statistik auf, um welche Größenordnungen es sich handelt. In der Tempo-30-Zone Rote Hohl sind im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Autos registriert worden. 0,3 Prozent der Autofahrer verstießen gegen das Tempolimit, schildert Müller.Rund 200 000 Euro erzieltIn Zahlen ausgedrückt, waren dies rund 3400 Fahrer. Ein Verwarnungsgeld sei gegen 98 Prozent der Fahrer ausgesprochen worden. Summa summarum hat Langenselbold mit den Blitzern im vergangenen Jahr einen Ertrag von rund 275 000 Euro erwirtschaftet.

Von dieser Summe hat die Stadt 2016 einen Betrag von rund 60 000 Euro für die Kamera-Miete und rund 15 000 Euro für die Datenaufbereitung abziehen müssen. Somit beträgt das Endergebnis rund 200 000 Euro.Quote der Verstöße: 0,6 ProzentInsgesamt sind in Langenselbold im Jahr 2016 rund 2,5 Millionen Fahrzeuge von den Anlagen erfasst worden. Die Quote der Verstöße lag bei 0,6 Prozent. Rund 14 500 Autofahrer übertraten die vorgeschriebene Geschwindigkeit um mehr als 20 Stundenkilometer und wurden verwarnt.Laut Schreiner stellt die Stadt nicht willkürlich an irgendwelchen Stellen Radaranlagen auf. Die Standorte müssen von der Hessischen Polizei genehmigt werden. Um eine Anlage aufstellen zu können, muss es an der Stelle schon häufiger gekracht haben. Ferner müssen schon überdurchschnittlich viele Temposünder bei mobilen Kontrollen geblitzt worden sein. Wenn es sich um einen Schulweg handelt, sind die Chancen gut, eine Anlage genehmigt zu bekommen.Happige Strafen in SchwedenBlitzen um des Blitzen willen ist laut Müller und Schreiner nicht statthaft. „Denn der reine Geschwindigkeitsverstoß, wenn er keine Gefahr für irgendeine Person darstellt, darf eigentlich gar nicht verfolgt werden“, so Schreiner. In anderen Ländern, wie zum Beispiel in Schweden, sei die Tempoüberwachung auf Abschreckung angelegt, weshalb es dort happige Strafen gebe.„Unser System steht dem Bürger durchaus einmal einen Gesetzesverstoß zu. Er wird dafür mit einem Ordnungsgeld belegt, zur Ordnung gerufen und dadurch erzogen, künftig die Gesetze einzuhalten“, erklärt Müller.Autofahrer klagenEin Vorwurf der Abzocke sei deshalb nicht richtig. „Die Messstellen werden nicht auf Anweisungen des Kämmerers aufgestellt, damit die Kasse klingelt, sondern dort installiert, wo die Verkehrssicherheit verbessert werden soll“, erklärt Schreiner.Wenn man den „Verdienst“ von 200 000 Euro sieht, ist darin nicht der beträchtliche personelle Aufwand berücksichtigt. Viel Geld geht für den „Rattenschwanz“ dahinter drauf. „Einmal pro Woche ist ein städtischer Mitarbeiter zum Aussagen im Amtsgericht, weil Autofahrer gegen die Stadt klagen“, so Müller.50  Verfahren im Jahr50 Gerichtsverfahren gebe es pro Jahr gegen die Stadt. Da würden Mängel oder Fehlversagen unterstellt. Allerdings ist man mit einer solchen Argumentation in Langenselbold an der falschen Adresse, weil stets nur das neueste technische Gerät zum Einsatz kommt.

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