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Als ein Handschlag noch der Normalität entsprach: Tobias Dillmann (rechts) gratuliert Timo Greuel am 2. Februar zum Sieg in der Stichwahl. Bei Greuels Amtseinführung am 25. Mai treffen sich die beiden Selbolder Kommunalpolitiker wieder

Große Feier fällt flach

Wegen Corona: Amtseinführung von Bürgermeister Timo Greuel unter besonderen Vorzeichen

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Die für Anfang Mai geplante große Verabschiedung von Bürgermeister Jörg Muth (CDU) fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Ob und in welcher Form sie nachgeholt wird, ist noch unklar. Klar ist mittlerweile, dass sein Nachfolger Timo Greuel bereits am Montag, 25. Mai, in sein Amt eingeführt wird.

Als siebter Punkt steht die Überreichung der Ernennungsurkunde durch Greuels Amtsvorgänger am Ende der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung, die um 19.30 Uhr im Saal Europa der Klosterberghalle beginnt. Vereidigung und Verpflichtung des neuen Stadtoberhaupts wird Stadtverordnetenvorsteher Tobias Dillmann (CDU) vornehmen.

Im Gegensatz zur Sitzung des Parlaments Ende März, die Corona-bedingt nur mit 19 statt der üblichen 37 Stadtverordneten stattfand, soll die Zusammenkunft am 25. Mai wieder mit voller Parlamentsstärke vonstatten gehen, wie Dillmann den Fraktionen bereits mitgeteilt hat. Gäste zur Amtseinführung, wie beispielsweise den Landrat oder Bürgermeister aus benachbarten Kommunen, hat Greuel für kommenden Montag nicht eingeladen.

Keine normale Amtseinführung wegen Corona

„Meine Lebensgefährtin wird da sein, meine Eltern jedoch beispielsweise nicht. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies eben keine normale Amtseinführung, die ursprünglich mit einer kleinen Feier verbunden gewesen wäre“, erklärt der zukünftige Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. Von einer Vorfreude oder auch Anspannung im Vorfeld der Amtseinführung verspürt der Sozialdemokrat übrigens nichts.

„Die Corona-Krise mit all den zu treffenden Maßnahmen nimmt mich seit März komplett in Beschlag. Und da Jörg Muth bereits seit Mitte Februar seinen Resturlaub und freie Tage abbaut, stehe ich seitdem nicht zwei, sondern vier Dezernaten vor. Ich befinde mich also in einem entsprechenden Workflow, der für andere Dinge kaum Zeit lässt“, verdeutlicht der 40-Jährige, dass er quasi bereits in seinem neuen Amt angekommen ist.

Dessen ungeachtet freut sich Greuel darauf, dass ihm Jörg Muth die Ernennungsurkunde am Montagabend überreichen und sicher auch ein paar Worte dazu sprechen wird. „Ich selbst werde mich bei dieser Gelegenheit ebenso für die gute Zusammenarbeit bei ihm bedanken und mich an die Stadtverordneten wenden. Wir werden das Prozedere bei der Amtseinführung jedoch so kurz wie möglich halten“, verweist Greuel erneut auf die ungewöhnlichen Umstände, die auch dazu führen werden, die gesamte Parlamentssitzung so rasch wie es geht über die Bühne zu bringen.

Obligatorischer Handschlag womöglich mit Handschuhen

Dennoch ist die Sitzung wie üblich öffentlich, kann jeder interessierte Bürger kommen. Möglicherweise müssen dann die Türen zum Foyer geöffnet werden, um bei den notwendigen Abstandsregeln genug Platz für alle Anwesenden zu haben. Die seit Beginn der Pandemie vorherrschenden Abstands- und Hygieneregeln haben übrigens auch Auswirkung auf die Amtseinführung des neuen Stadtoberhaupts. Bei der Übergabe der Ernennungsurkunde ist im Normalfall der Handschlag zwischen dem scheidenden und dem neuen Stadtoberhaupt obligatorisch.

Ein solcher müsste nun eigentlich entfallen. Denkbar wäre allerdings, dass Muth und Greuel für diesen Moment auf Handschuhe zurückgreifen könnten. Aber darüber, so der designierte Bürgermeister, sei noch nicht gesprochen worden.

Neuer Erster Stadtrat ist noch nicht gefunden

Fakt ist hingegen, dass mit Greuels Aufrücken zum Stadtoberhaupt der Posten des Ersten Stadtrats vakant wird. Nach dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD fällt das Amt nun den Christdemokraten zu, da die Sozialdemokraten nach dem Wählerentscheid vom 2. Februar jetzt den Bürgermeister stellen.

Bereits am Wahlabend hatte der unterlegene CDU-Kandidat und Parteichef Tobias Dillmann gegenüber unserer Zeitung klargestellt, dass die CDU die Option auch ziehen werde. Am vergangenen Wochenende teilte Dillmann auf Nachfrage per E-Mail mit, dass aufgrund der Pandemie der Findungsprozess für die Nachfolge des Ersten Stadtrats stocke.

Greuel bleibt vorerst der "Mann für alles"

„Mit den nun bestehenden Lockerungen können wir in CDU-Fraktion und CDU-Vorstand dieses Thema aber wieder aufnehmen und voranbringen“, führte Dillmann weiter aus. Dazu würden interne Abstimmmeetings stattfinden. „Sobald wir ein Profil und einen Kandidaten haben, werden wir diesen vorstellen“, kündigte der Selbolder CDU-Parteivorsitzende abschließend mit.

Da dies alles sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, muss sich Timo Greuel zunächst weiter darauf einstellen, für alle Dezernate im Rathaus der Gründaustadt zuständig zu sein. Und nur zur Erinnerung: Im Rahmen der hessischen Kommunalwahl wird im März 2021 auch ein neues Langenselbolder Stadtparlament gewählt.

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