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Äppelwoi-Papst Stier referiert über Trinkgewohnheiten

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Der Kelterer Jörg Stier aus Maintal (links) berichtete im Langenselbolder Schloss allerhand Wissenswertes über den Apfelwein. Die Gäste wurden dabei reichlich verköstigt. Foto: Habermann
Der Kelterer Jörg Stier aus Maintal (links) berichtete im Langenselbolder Schloss allerhand Wissenswertes über den Apfelwein. Die Gäste wurden dabei reichlich verköstigt. Foto: Habermann

Langenselbold (rh). Kulinarische und literarische Genüsse rund um das hessische Nationalgetränk Apfelwein hat der Maintaler Kelterer Jörg Stier im Großen Salon des Langenselbolder Schlosses geliefert. Der Kenner der Materie, die im Wesentlichen auf drei Säulen ruht, dem Bembel, dem Deckelsche und dem Gerippte, kredenzte das Stöffche in fünf „Arbeitsschritten“.

Die lehrreiche, bereits seit Wochen ausverkaufte Veranstaltung war begleitet von festen Gaumengenüssen des gewissermaßen idealen Partners, Reiner Erdt, seines Zeichens Wirt der Ronneburger Edelküche „Zur Krone“.Zum zweiten Mal bereits gastierte der Äppelwoi-Guru seit November in Selbold; beide Male auf Einladung von Bärbel Tárai und ihrer Buchhandlung „Büchermeer“.„Wir hätten eigentlich gleich eine dritte Veranstaltung daraus machen können“, beschreibt sie die große Nachfrage nach dem amüsanten Erzähler. Die allerdings durchaus nicht nur von dessen Redetalent leben dürfte, sondern auch vom spritzigen, goldenen Nass, das er während der Veranstaltung in Gläser – eben Gerippte – abfüllen ließ, und das auf so erlesene Begrifflichkeiten wie „Toro loco“, „Cidre Verde“ oder auch – ganz gewöhnlich – „Main-Apfelwein“ zurückgreift. Jedenfalls wurde Stiers Vortrag gleich fünfmal unterbrochen vom süffigen „Schöppsche“.Im weiteren Verlauf des Abends erfuhr der wissbegierige Gast so einiges über den Apfelwein und seine Begleiterscheinungen. Dass er beispielsweise äußerst bekömmlich sei, in Maßen – und nicht in Massen – getrunken. Sieben Liter trinkt der durchschnittliche Hesse im Jahr von der Köstlichkeit.Auf ganze 55 Liter bringt es der Durchschnitts-Asturier laut Stier, und die Nordspanier leben wohl im Mekka des Apfelweins. Jedenfalls heißt der dort „Sidra“. Und weil ein früherer asturischer König, Alfredo, gedachte, den Alkoholkonsum seiner doch sehr trinkfesten Untertanen etwas einzuschränken, habe er erlassen, dass ab sofort alkoholische Getränke ausschließlich zu Speisen gereicht werden durften. Das war die Geburtsstunde der „Tapas“, der kleinen Snacks der spanischen Küche. Die Gäste lernten auch, dass ein richtiger Bembel aus Steinzeug und nicht aus Steingut besteht. Das gesinterte und bei hohen Temperaturen gebrannte Material bietet die ideale Grundlage zur Frischhaltung des Apfelweins. Was ist ein „Faulenzer“?Nicht jener Müßiggänger etwa, der häufig in Äppelwoikneipen zu finden ist, sondern ein Hilfsgerät in Form eines kippbaren Gestells, das es ermöglicht, auch schwere Bembel ihres Inhalts zu entleeren. Und über die verschiedenen Apfelsorten – früher seien es einmal über 2600 gewesen, wie die Pomologen, die Apfelkenner, wissen: Auch über sie und die heute gebräuchlichsten Apfelsorten erfuhr der geneigte Genießer sehr viel. Fazit: Weniger eine Lesung, mehr ein kulinarischer Hochgenuss war die Veranstaltung rund um „das Beste, was ein Apfel werden kann“.

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