Kritische Blicke beim Check: Henri Günther prüft die Utraleicht-Maschine vor dem Start. Foto: Habermann

Langenselbold

Der 20-jährige Henri Günther ist jüngster Fluglehrer Hessens

Langenselbold. Der Mann ist gerade mal 20 Jahre jung und hat bereits die Lizenz zum Ausbilden von Segelflugschülern in der Tasche: Henri Gün‧ther vom Aero-Club Langenselbold ist jüngster Fluglehrer Hessens.

Von Rainer Habermann

Langenselbold. Der Mann ist gerade mal 20 Jahre jung und hat bereits die Lizenz zum Ausbilden von Segelflugschülern in der Tasche: Henri Gün‧ther vom Aero-Club Langenselbold ist jüngster Fluglehrer Hessens. Sogar mehr als das: Er besitzt das Zeugnis zum Anschleppen von Segelfliegern, hat seinen SPL-Pilotenschein und seine PPLA-Lizenz bereits mit 17 Jahren gemacht und ist auch ansonsten einer, der das Fliegen offenbar mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Wir treffen den Selbolder auf dem Flugplatz und spüren auf Anhieb: „Mit dem kannst du abheben.“ Wie das so ist, „unter Fliegern“. Also jedenfalls zwischen denen, die ihre Leidenschaft früh zum Beruf gemacht, und jenen, die in Ehren ohne jede wirkliche Flugerfahrung ergraut sind, aber immer den Kitzel des freien, gesteuerten Schwebens, Fallens und Steigens im Bauch gespürt haben. Man ist im Nu per Du, das Alter spielt überhaupt keine Rolle. „Hi, ich bin Henri“, begrüßt der jüngste Fluglehrer Hessens am Selbolder Airport den gut 40 Jahre älteren Journalisten und „Flugschüler“. Und fliegt mit ihm in einem „Ultraleicht“ – im Fachjargon UL – erst einmal nach Gelnhausen zum Tanken. „Was?“, denke ich. „Ein Motorflugzeug mit allen Schikanen, das als UL daherkommt? Auf einem Segelflugplatz?“

Henri grinst und lässt den Motor warmlaufen. Das ist wichtig, ebenso wie der dreiminütige Leerlauf am Ende eines jeden Flugs. Würde der Motor sofort abgeschaltet, so wäre der Turbo, dem dieses UL zu immerhin rund 115 PS verhilft und ihm eine Reisegeschwindigkeit von rund 250 Stundenkilometern verleiht, nach ein paar Starts und Landungen Schrott.

Zusammenspiel von Geduld und Adrenalin

Henri weiß das, Geduld gehört zu jedem Flieger wie das Adrenalin. Das internationale Kennzeichen am Heck: D-MOEF, erbaut in der Slowakei. Eine WT9-Dynamic der Firma „Aerospool“. „Ein echtes Hightech-Gerät, das in unserem Verein für flotten Vortrieb beim Segelfliegen sorgt“, schätzt der Jung-Fluglehrer die Maschine als „Schlepper“ ein. Und weiß, wovon er redet, bereitet er sich doch gerade auch auf die Prüfungen zum Verkehrspiloten vor, der es ihm irgendwann mal ermöglichen würde, im Cockpit eines Airbus A-320 zu sitzen.Vater Thomas Günther erzählt, wie es eigentlich zur Karriere seines Sohnes kam. Der Stolz auf den Sohn leuchtet aus seinen Augen. „Was der jetzt schon ist: das werde ich nie erreichen“, sagt er bescheiden. Obwohl auch er längst seine Pilotenlizenz in der Tasche hat. Aber sein Ehrgeiz ging „nur“ bis zum Fliegen; Henri sieht eine professionelle Karriere vor sich.

Mit 14 Jahren hat der Jungspund das Segelfliegen aktiv angefangen, nachdem er bereits alle Reize des Modellflugs quasi ausgereizt hatte. Da, wo andere sich grade mal aufs Mofa setzen dürfen. Mit fünf Jahren aber ist er bereits zum ersten Mal wirklich geflogen. „Und mit drei Tagen war er zum ersten Mal im Körbchen auf dem Flugplatz“, steuert Papa Thomas eine weitere Anekdote bei.Daran erinnert er sich nicht wirklich. Folgerichtig: Mama Silvia war immer die Besorgtere. „Sie hat Flugangst“, flüstert Henri hinter vorgehaltener Hand. Nicht minder aber haben beide Eltern die Flugleidenschaft des Sohnes nicht behindert, sondern gefördert. Heute arbeitet Henri bei Condor im Technikbereich.

Lob von Papa Thomas

„Sein technisches Wissen und seine Praxis sind weit besser als bei den meisten heutigen Piloten“, stärkt Papa Thomas dem 20-Jährigen den Rücken mit Blick auf den Verkehrspilotenschein, den Henri anstrebt. Mit Siggi Samson, der lebenden Legende des Aero-Clubs, der heute aktuell sowohl die Riesen der Luft durch selbige bewegt als auch selbst mehrfacher deutscher Meister im Segelflug ist, verbindet Henri ein ganz besonderes Erlebnis. „Ich hatte ein Schülerpraktikum gemacht“, leuchten schon wieder die Augen des jüngsten Fluglehrers Hessens.

„Und da durfte ich ins Cockpit. Wer saß da auf dem Kapitänssitz? Der Siggi. Ich durfte den ganzen Flug live im Cockpit des größten Fliegers der Welt erleben. Das hat mich ziemlich nachhaltig geflasht“, erzählt der, für den es außer Fliegerei nichts, aber auch gar nichts zu geben scheint. Und der Verantwortung übernimmt in einem Alter, in welchem es so manchem Altersgenossen noch gar nicht möglich erscheint, die eigene Zukunftsperspektive abzustecken. Verantwortung für Menschen, die das Fliegen als Leidenschaft ebenfalls entdecken und auf Hilfe angewiesen sind, wie sie die Lust an der Luft technikgerecht und gesetzeskonform umsetzen können. Kurz: ein qualifizierter Fluglehrer, wie er im Buche steht.

PilotenscheineDie SPL-Lizenz ist gleichbedeutend mit dem „Luftfahrerschein für Luftfahrtgeräteführer“. SPL bedeutet im Englischen „Sport Pilot License“. Der Schein gilt in Deutschland unbefristet und ist unterteilt in verschiedene Katergorien von Ultraleicht bis Tragschrauber oder Fallschirme. Die PPLA berechtigt zum nicht-kommerziellen Fliegen von Luftfahrzeugen und ist im Deutschen die Privatpilotenlizenz. Es gibt verschiende Abstufungen,was Gewicht, Motorisierung und Passagieranzahl anbelangt.

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