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SPD, CDU und Grüne geben Einschätzung zu Bürgermeisterwahl in Hammersbach

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Von: Jan-Otto Weber

Bereits nach einer Stunde hatten die Hammersbacher Wahlhelfer am Sonntagabend im Rathaus die Stimmzettel ausgezählt.
Bereits nach einer Stunde hatten die Hammersbacher Wahlhelfer am Sonntagabend im Rathaus die Stimmzettel ausgezählt. © Moritz Göbel/Scheiber

Nach der Wahl ist vor der Wahl? Nicht ganz. Zumindest die SPD Hammersbach ist am Montag noch in Feierlaune. Die Gemeindevertretervorsitzende Ursula Dietzel und ihr Mann Wilhelm, SPD-Fraktionsvorsitzender, sind am Vormittag auf dem Sprung zur traditionellen Aufstellung des Bürgermeisterbaums als Überraschung für den Wahlsieger Michael Göllner.

Hammersbach – „Es ist beruhigend, dass Wahlen immer noch an der Urne entschieden werden und nicht auf Facebook“, sagt Ursula Dietzel zum Ergebnis vom Vorabend. Amtsinhaber Göllner hatte sich mit 54,6 Prozent der Stimmen gegen seinen Herausforderer, den CDU-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kovacsek, durchgesetzt. Auch Wilhelm Dietzel zeigt sich erleichtert. „Bei dem breiten Gegenbündnis, das über CDU und Grüne in Hammersbach ja noch hinausreichte, konnte man nicht sicher sein, wie das enden würde“, erklärt der Fraktionschef. Doch das Bild, das über die „öffentlichen Kämpfe“ vor allem in den Sozialen Medien entstanden sei, hätten die Wähler nicht angenommen.

Eine genaue Analyse wollte Wilhelm Dietzel am Montag noch nicht geben. „Wir haben gestern Abend erst mal gefeiert.“ In Marköbel sei das Ergebnis „relativ eng“ gewesen, das müsse man sich noch genauer anschauen. „Auffällig ist jedoch, dass Michael Göllner in Langen-Bergheim, wo die Logistikhallen stehen, den größten Vorsprung hatte. Das spricht nicht gerade dafür, dass der Ortsteil wirklich so sehr von den Hallen betroffen ist.“

SPD-Fraktionschef: Wahlsieger Göllner ist neu legitimiert

Nach der jahrelangen Diskussion um die Entwicklung des Gewerbegebiets Limes sieht Dietzel den Amtsinhaber jedenfalls durch den Wähler neu legitimiert. „Nun gilt es, dass wir alle in der Gemeindevertretung und im Gemeindevorstand ordentlich zusammen arbeiten und die Themen voranbringen, die zuletzt in den Hintergrund gerückt sind.“

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Schöny ist am Montag nicht mit dem Bürgermeisterbaum, sondern mit den Brennnesseln in ihrem Garten befasst. „Wir haben uns gestern die Feierlaune nicht verderben lassen“, sagt sie mit Blick auf das respektable Abschneiden des CDU-Kandidaten Kovacsek, der vom grünen Koalitionspartner im Wahlkampf intensiv unterstützt wurde. „Immerhin hat Michael Göllner sein bislang schlechtestes Ergebnis eingefahren.“

Grüne-Fraktionsvorsitzende: Grenzen zu CDU bewusst

Das eigentliche gemeinsame Ziel jedoch, Göllner abzulösen, sei nicht erreicht worden, obwohl es für CDU und Grüne nach dem getrennten Wahlkampf zur Kommunalwahl knapp für eine Mehrheit gereicht hatte. „Es kann gut sein, dass wir den ein oder anderen Grünen-Wähler nicht mitnehmen konnten“, schildert Schöny ihre persönliche Sicht. „Doch für einen eigenen Kandidaten war die Zeit bei uns Grünen nach einem Jahr Parlamentsarbeit noch nicht reif. Deshalb haben wir uns loyal gezeigt und Alexander Kovacsek bewusst und nach Kräften unterstützt. Uns ist aber bewusst, wo die Grenzen und Unterschiede zur CDU sind.“

Zudem habe Göllner in den vergangenen Wochen auch seine Position als Amtsinhaber geschickt für sich genutzt, etwa beim Informationsbesuch in Wölfersheim zum Thema Klimaschutzmanager, der auf Antrag der schwarz-grünen Koalition für Hammersbach geprüft wird. „Das nennt man eben Amtsbonus“, so Schöny. „Was mich aber schon erstaunt, ist, dass gerade die Bürger in Langen-Bergheim, die so dicht an den Logistikhallen dran wohnen, offenbar über alle negativen Auswirkungen hinweggesehen haben. Doch der Wähler hat entschieden. Nun heißt es, im Parlament weiterzuarbeiten.“

CDU: Wahlergebnis ist Ausrufezeichen

Die Hammersbacher CDU will das Wahlergebnis in der nächsten Vorstandssitzung analysieren. „Unsere Mitglieder und wir sind zufrieden mit diesem Ergebnis, auch wenn wir uns einen Sieg gewünscht haben“, erklärt die Parteivorsitzende Adriane Kovacsek. Die Ehefrau des Kandidaten bedankt sich zudem sehr für die kollegiale Unterstützung seitens der Grünen. „Die Bürgermeisterwahl hat unsere Zusammenarbeit noch mehr gestärkt.“

Das Ergebnis sei ein großer Erfolg, wenn man bedenke, dass der Mitbewerber der Amtsinhaber ist. „45,41 Prozent – also nahezu die Hälfte – der Bürgerinnen und Bürger wollen Alexander als Bürgermeister. Dieses Wahlergebnis ist ein Ausrufezeichen und zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger einen frischen Wind wollen. Auch wenn es nicht geklappt hat, von überall erfahren wir Respekt und Anerkennung für die letzten Monate.“ (Von Jan-Otto Weber)

Lesen Sie auch den Kommentar zur Wahl von HA-Redakteur Jan-Otto Weber und den Bericht vom Wahlabend.

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